Provisorium 8

Die «Voteparty» der Jungparteien bietet Politik und Ausgang gleichzeitig

Mit einem Bier in der Hand besucht eine Frau den Stand von Raphael Schär (Junge Grüne).

Mit einem Bier in der Hand besucht eine Frau den Stand von Raphael Schär (Junge Grüne).

Am Samstagabend fand im Provisorium 8 ein politischer Anlass von Jungen für Junge statt: Die Partybesucher konnten sich über die verschiedenen Jungparteien informieren und den Event gleichzeitig mit Ausgang verknüpfen.

Sechs Jungparteien des Kantons Solothurn nahmen diesen Samstagabend im Provisorium 8 an der «Voteparty» teil und boten den Besucherinnen und Besuchern die Chance, mit ihren aktuellen Nationalratskandidatinnen und -kandidaten oder sonstigen Parteimitgliedern ins Gespräch zu kommen. Eine Partei aber hielt ihr Wort nicht: die Junge SVP. Trotz Zusage tauchte kein Parteimitglied auf.

Auf eine Abmeldung oder Entschuldigung wartete man laut Initiant Jonas Hufschmid (JCVP) vergebens. «Ich wollte endlich wissen, wer die genau sind. Verstecken sich die etwa?», fragte sich eine Besucherin. «Ein trauriges Verhalten», fand eine Gruppe von Studenten.

Die Organisatoren öffneten die Türen um 21 Uhr, doch die Besucherzahl hielt sich die ersten zwei Stunden in Grenzen. Dafür fand in dieser Zeit ein reger Austausch zwischen den Jungparteien statt.

Immer wieder beobachtete man Jungpolitiker, die ihren Stand verlassen hatten und sich vor dem Stand einer anderen Partei befanden. Auch Gesprächsrunden von mehreren Jungpolitikern aus verschiedenen politischen Lagern fanden inmitten des Raumes statt.

Kandidaten lernen sich kennen

Elia Leiser (JEVP) und Fabrizio Campigotto (JFDP) sind Stand-Nachbarn und diskutieren über die christlichen Grundwerte ihrer Parteien. Beide kandidieren für den Nationalrat, gekannt hatten sie sich vorher aber nicht. Für Leiser, der aus der Stadt Solothurn kommt, waren ohnehin fast alle Gesichter neu. Den Initiant der «Voteparty», Jonas Hufschmid (JCVP), kenne er aber gut, da die Junge EVP und die Junge CVP eng miteinander verbunden sind.

Anja Lanter (JFDP) steht seit fast einer Stunde vor dem Stand der Jungen Grünen und unterhält sich mit Raphael Schär (JGP). Sie wirken wie alte Freunde, die sich lang nicht mehr gesehen und sich viel zu erzählen haben. In Wahrheit aber ist es das erste Mal, dass sich die beiden Nationalratskandidaten sehen.

«Selten gibt es solche überparteiliche Anlässe, wo man nicht gegeneinander schiesst, sondern miteinander reden kann», erklärt Anja Lanter. Sie hätten vor allem zum Thema Steuerpolitik ganz andere Meinungen und Ziele, dafür gab es aber auch Einigungen: «Ich habe die Zersiedlungsinitiative unterschrieben.»

Raphael Schär freut sich, konnte er Lanters kritische Fragen beantworten und sie von der Initiative der Jungen Grünen überzeugen. «Es war interessant mit ihm zu diskutieren, es ist langweilig nur mit Leuten zu reden, die deine Meinung stets teilen.»

Die Suche nach einer Meinung

Ab 23 Uhr begann die Anzahl Besucher zu steigen. Und die, die kamen, profitierten auch davon. David Prinz (24) gab offen zu: «Ich habe fast keine Ahnung von Politik, deshalb suche ich hier nach einer Meinung. Ich möchte meinen politischen Horizont erweitern.» Er ging direkt auf die Parteien zu und traute sich zu fragen, wer sie sind und was sie überhaupt tun.

Dies geschieht bei anderen Politikanlässen selten, unter anderem weil junge Leute wie Prinz so einen Anlass gar nicht erst besuchen würden: «Ich finde den verknüpften Event praktisch. Die Idee, ihn mit Ausgang zu kombinieren, ist gut. Andernfalls hätte ich nie so einen Anlass besucht.»

Auch Gabriel Wyss (20) ist nicht primär wegen der Politik an der «Voteparty»: «Wir sind fast immer an den Partys vom Provisorium 8. Politisch interessiert bin ich eigentlich schon, nur habe ich nicht viel Ahnung davon.» Bei den Ständen sei er noch nicht gewesen, aber er überlege sich, die Gelegenheit wahrzunehmen und schnell vorbeizuschauen.

Deborah Wyser (19) und Alexandra Probst (19) beginnen mit ihrer Informationstour auf der linken Seite. Deborah hat bereits gewählt, Alexandra aber ist sich noch im Unklaren darüber, ob sie junge Kandidaten oder Mutterparteien-Kandidaten wählen soll: «Ich wollte wissen, ob es überhaupt was bringt, meine Stimme den Jungen zu geben. Nach dem Gespräch mit Leuten der Jungen SP weiss ich, es bringt was.»

Für Christoph Hunkeler (20) steht zumindest eines klar, er wird Jungkandidatin Alice Guldimann (JSP) wählen. Generell hätte er eine gewisse Tendenz zur Jungen SP, fände aber auch einige Ansichten der Jungfreisinnigen gut. Er sei da, um sich zu informieren und seine Meinung zu festigen.

Die noch minderjährige Vivianne Lanter (17) darf noch nicht wählen, trotzdem wollte sie die Stände erkundigen und sich informieren. Obwohl ihre Schwester, Anja Lanter, für die Jungfreisinnigen kandidiert, stellt sie klar, sie sei parteilos: «Ich bin keine Sympathisantin von nur einer Partei. Ich finde mehrere Parteien gut.» Das Ziel «Von Jungen für Junge» der Voteparty wurde erreicht.

Rund 20 Jungkandidierende fanden den Weg ins Provi 8, um für junge und unerfahrene Wähler da zu sein. Marc Stalder (JUSO) spricht sicherlich für alle, wenn er sagt: «Wir haben uns sehr über die Einladung von Jonas Hufschmid gefreut und sind ihr gerne gefolgt.» Den Mix von Politik und Party an einem Samstagabend gibt es eben nicht alle Tage.

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