In glanzvoller Stille, oder soll man sagen, im üblichen Ambiente ist am Montagabend die 75. Ausgabe der Oltner Neujahrsblätter vorgestellt worden. Ein Jubiläum sozusagen. Wie meinte Schriftleiter Peter André Bloch doch im 11. Stock des Stadthauses dazu: «Es ist diese die seitenstärkste Ausgabe, die bislang erschienen ist.»

Eigentlich der einzige Hinweis darauf, dass die Auflage 2017, die demnächst in die Haushaltungen von Stadt und Land, und an weitere besondere Kreise verschickt wird, eine besondere darstellt.

Man machte in den verantwortlichen Kreisen also ein bisschen auf «Business as usual». Dazu passte zweifelsohne auch das übliche Understatement. Denn nicht nur Insider wissen: Produkte dieser Art heischen nach viel Arbeit und regelrechter Koordinationsmusse.

Die 120 Seiten starke Ausgabe nimmt im eigentlichen Vorwort von Peter André Bloch doch Bezug zur Geschichte des Blattes. Mitten im Zweiten Weltkrieg nämlich erschienen die Neujahrsblätter erstmals, «gedacht als freiheitlich-friedliches Forum der Auseinandersetzung» und einer «bewusst vaterländischen Standortbestimmung».

Aber: «The Times They Are A-Changin’», sang Bob Dylan schon Mitte der 1960er-Jahre. Das gilt und galt auch für die Redaktion der Neujahrsblätter. Deren Leitung habe sich «für die politische und thematische Öffnung» der Reihe entschieden, so Bloch weiter.

Verschwundene Beizen

Nun denn: Was also bietet die Jubiläumsausgabe? Zunächst, und entsprechend der Moderne: viel Lokalkolorit in gewohntem Rahmen, gepaart mit dem Sinn fürs Historische, Aktuelle, Zeitgenössische. Wobei: Selbst Historisches ist, in der Gegenwart präsentiert, wieder aktuell. Oltens Stadtarchivar Marc Hofer etwa wagt einen Rückblick ins Jahr 1817, als der Stadt die kommunale Selbstverwaltung zugestanden wurde.

Dem leichtfüssigen Beitrag folgt der Einblick in ein einzigartiges Schatzkästlein: Alt Stadtarchivar Martin Eduard Fischer rückt mithilfe alter Ansichtskarten aus der Sammlung von René Messerli Oltner Wirtschaften in den Mittelpunkt: Allerdings solche, in denen kein Beizenleben mehr brummt. Vielmehr gehts um entschwundene Gasthäuser.

Niemand wird sich mehr an den «Schoppenkranz» erinnern, ans Restaurant Schöngrund, einem Betrieb «mit Kegelbahn und hauseigener Musikkapelle», wie Fischer schreibt.

Und weil die städtische Feuerwehr im nächsten Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiert, darf auch ein Rückblick in deren Geschichte nicht fehlen. Iris Schelbert als zuständige Stadträtin hat ihn verfasst, auch mit Blick auf die Gegenwart.

11 Fahrzeuge nennt die Feuerwehr Olten heute ihr Eigen, das zwölfte, das kantonale Einsatzleitfahrzeug, ist in Olten stationiert, gehört aber dem Kanton.

Kosten von 80 000 Franken

Üblicherweise darf die klassische Kultur in den Neujahrsblättern nicht fehlen. Da macht auch die Jubiläumsausgabe keine Ausnahme. Ein Porträt des wenig bekannten Künstlers Giulio Cemin ist vorhanden wie jenes von Fotograf Kurt Bader, einem waschechten Oltner.

Beide Beiträge entstammen der Feder Madeleine Schüpfers. Und auch ein Kunstskandal findet Platz. Wolfgang Moor beschreibt die Irrungen und Wirrungen des Weges, wie der Oltner Parlamentssaal zu seinem Wandgemälde kam.

Insgesamt warten rund 40 Beiträge auf die interessierte Leserschaft und auf jene, die sich in den Neujahrsblättern wiederfinden. Das ist gar nicht selten.

Und der Umstand, dass die Redaktion deutlich mehr als die Hälfte der Gestehungskosten von rund 80 000 Franken über freiwillige Beiträge einnimmt, lässt die Wertschätzung des Werks erkennen. «Olten schreibt in den Blättern seine Geschichte auch ein bisschen selber», hatte Peter André Bloch gesagt. Stimmt.