Hilari-Zunft Olten

«Die Tradition macht zwar stolz, aber ist auch anspruchsvoll»: Die «Grande Dame» der närrischen Tage wird 100

Die Blues Brothers als Bus-Brothers an der Fasnacht 2016 sind vielen in bester Erinnerung geblieben.

Die Blues Brothers als Bus-Brothers an der Fasnacht 2016 sind vielen in bester Erinnerung geblieben.

Die Hilari-Zunft Olten wird heuer 100-jährig. Sie ist die eigentliche Gründerin der modernen Fasnacht und schuf den Begriff der Hilarität.

«Es ist ein ehrwürdiges Gefühl, Mitglied der ältesten Zunft Oltens, der Hilari-Zunft zu sein.» Bernhard Wyss ist seit 2014 der 1. Zunftmeister und als solcher der letzte in einer Reihe von bislang 13 Vorgängern. «Die Tradition verpflichtet, macht zwar stolz, aber ist auch anspruchsvoll», sagt er. Wer ihn nach den Höhepunkten in der 100-jährigen Zunftgeschichte befragt, erhält eine eher zurückhaltende, fast bescheiden anmutende Antwort. «Ja, sicher all die Jahre, in denen wir den Obernaar stellten», meint er. Das ist auch heuer der Fall. Hilarius 100. alias Philipp Müller ist Fasnachtsregent der Stadt. Aber er, Wyss, habe bei der Patroziniumfeier zu Ehren des Zunftnamensgebers, des heiligen Hilarius, in der Stadtkirche schon gesagt: «Wir sind nur ein Augenblick in der Geschichte.»

Hilarität, das Wort der Worte

Wyss steht schon fast symbolisch für einen Begriff, den die Zunft erfand und den sie seither sinnbildlich am Revers trägt: jenen der Hilarität. «Ich umschreibe den Begriff immer so», sagt Wyss. «Er beinhaltet Fröhlichkeit, Heiterkeit, gepflegten Humor, aber halt auch Ernsthaftigkeit. Ich sag' meistens: Hilarität meint Ernsthaftigkeit mit Schalk im Auge.» Und diese Kombination erfinde die Hilari-Zunft immer wieder neu.

Gründung in schweren Zeiten

Das Gründungsdatum vom 19. Januar 1920 mag verwundern: keine einfache Zeit. Weltkrieg, Generalstreik, Grippewelle. Und dennoch wollten theaterbegeisterte Bürger dem Trübsinn der damaligen Zeit entgegenwirken. Erfolgreich, wie man heute weiss. Und was Mitte Januar mit einem Namen versehen wurde, erhielt am 8. Juni desselben Jahres die offizielle Legitimation. Die damalige Versammlung gilt als eigentliche Gründungsversammlung der Hilari-Zunft.

Der erste Zunftrat (1920–1925): von links W. von Felbert, W. R. Ammann, Dr. H. Meyer, C. Spaar, Th. Saladin.

Der erste Zunftrat (1920–1925): von links W. von Felbert, W. R. Ammann, Dr. H. Meyer, C. Spaar, Th. Saladin.

Schon früh erkannten die Gründerväter die Bedeutung von Symbolen. Dass in Zunft die Eule dafür gewählt wurde, ist Malermeister Ernst Bloch zu verdanken, der im Herbst 1920 flugs eine Eule mit gelb-schwarzem Schild und Narrenschelle entwarf. Bald schon wurde die Farbe gelb als Zunftfarbe auserwählt; das Zunftwappen farblich zweigeteilt: gelb-schwarz. In Zunftkreisen interpretiert man diesen Umstand so, dass die Mitglieder aus bürgerlichen Kreisen stammte; ob freisinnig oder katholisch-konservativ. «Ja, das ist längst passé», sagt Bernhard Wyss. «Die Zunft ist heute politisch viel bunter aufgestellt.»

Seit 1950 hat die Hilari-Zunft neun mal den Obernaaren gestellt und zählt aktuell 73 Zünfter. «77 Mitglieder schlägt die Satzung vor», sagt Wyss. Aber die Zunft hat nicht bloss Fasnacht mit Gesang und Wagenbau im Sinn. Sie sorgt etwa auch für die Kinderbescherung am 6. Dezember. Zunftmitglieder besuchen als Samichlaus und Schmutzli verkleidet die Kinder, lesen Weihnachtsgeschichten vor, teilen Chlausesäckli aus. Hilarität gelebt also. «Das stimmt», sagt Bernhard Wyss. Als 1. Zunftmeister orchestriert der Mann drei Generationen an Zunftmitgliedern. Auch das braucht Hilarität. Er lacht.

Zunftrat heute von links Daniel Frey, Bernhard «Bernie» Wyss, Philipp Schürch, Beat Kiefer, Philipp Müller und Roland Flury.

Zunftrat heute von links Daniel Frey, Bernhard «Bernie» Wyss, Philipp Schürch, Beat Kiefer, Philipp Müller und Roland Flury.

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