Die Themenliste war lang und der Abend kurz: Kultur, Stadtleben, Sparmassnahmen, Steuererhöhungen und natürlich: Oltens Zukunft. Das alles in knapp fünf Viertelstunden. Es gab am Mittwochabend im Coq d’Or Olten, dem heimlichen Szenetreff der Stadt, also nur Killerthemen für die Protagonisten des Abends um Moderator Werner De Schepper und Stadtpräsident Martin Wey. Killerthemen, die dann – vorsichtig ausgedrückt – das Politblut doch nicht so richtig in Wallung brachten.

Der Abend verzichtete auf Forderung und Bemerkungen, die in den Köpfen verharren sollten. Es sei denn, man werte die vorsichtig aus dem rund 50-köpfigen Publikum vorgetragene Aussage nach einer Umorientierung in der städtischen Kulturförderung – eher weg von arrivierten Institutionen, näher zu den Töchtern und Söhnen Oltens – als eine erwünschte Stossrichtung. Der Stadtpräsident liess niemanden im Regen stehen: Er wusste – «in Politikerdeutsch», wie De Schepper meinte – auch diese Anregung aufzunehmen. Es gelte, den beiden Kultursparten, der arrivierten wie der nonkonformen, im Rahmen des möglichen gerecht zu werden.

Vertrauen verloren

De Schepper hatte den Abend mit der pointierten Bemerkung nach dem verlorenen gegangenen Vertrauen in den Stadtrat eröffnet (Stichworte Olten SüdWest und die verspätete Wahrnehmung der ausbleibenden Alpiq-Steuermillionen). Aber die Spitze dieser an sich süffigen Ouvertüre war überraschend schnell gebrochen. Wey erklärte, der Stadtrat habe sicherlich Schwierigkeiten gehabt, die Mannafülle des Stromriesen richtig einzuordnen. «Wir waren doch stark gefordert und werden die Geschehnisse aufarbeiten» stellte er in Aussicht; aber nicht zwingend – wie von De Schepper nachgeschoben – über eine PUK oder eine Sonderkommission.

«Das wird vielleicht gar nicht notwendig sein», so Wey. Wichtiger schien Wey, dass im Rahmen der laufenden Sparanstrengungen die Freiwilligenarbeit nicht zum Tode verurteilt werde. «Wir werden alternative Lösungen finden müssen», so Wey. Gerade in Altenburg, einer Partnerstadt Oltens mit wenig finanzieller Potenz, würden sich viele Bürgerinitiativen um die Freiwilligenarbeit kümmern. Im Übrigen gelte es, nicht Partikularinteressen vor das Gesamt- interesse zu stellen.

Eine Notiz aus dem Auditorium, nun habe man viel von Steuerausfällen gehört und jetzt nähme es vielleicht auch wunder, ob die Stadt diese Ausfälle zu kompensieren versuche, interpretierte Wey durchaus als Steilvorlage. «Die von Parlament gutgeheissene Steuererhöhung wird nicht ausreichen, um künftig ausgeglichene Rechnungen vorweisen zu können.»

Weniger Alpiq– mehr andere

Jenseits des vermeintlichen Vertrauensverlustes offenbarte Wey, dass die Stadt vermehrt auf andere gute Steuerzahlende (auch natürliche) setzen möchte. «Deren Pflege ist uns sehr wichtig», meinte Wey. Die Zukunft habe im Übrigen bereits begonnen. Wenn auch vorläufig kleinere Brötchen als gewohnt gebacken werden: Die Stadt setzt demnach vermehrt auf ihre industrielle Geschichte (SBB) und den eben angestossenen Zug Bildung.

Aus beiden Ressourcen erhoffe man sich den einen oder andern guten Steuerzahlenden, für den Wohnflächen bereitgestellt würden. Der Umstand, dass Wohnraum (im Vergleich zu Basel, Bern, Zürich) hier noch günstig sei, beschleunige diesen Prozess, gab sich der Stadtpräsident überzeugt. Allerdings müsse die Stadt auch weiter attraktiv bleiben und sich nicht um Kopf und Kragen sparen.

Leute an Olten binden

Aber eben: Wie sonst die Leute an Olten binden? Wey bemerkte, dass etwa Fachhochschüler wenig bis gar nichts über ihren Studienort wüssten. Wie also ändern? Allenfalls über Wohnangebote. De Schepper fragte nach, ob die Stadt daran denke, für Studenten günstigen Wohnraum bereitzustellen. «Daran müssen wir arbeiten», so Wey, der aber auch festhielt, dass die gute Erreichbarkeit Oltens eben auch eine Kehrseite habe. Schnell hier – schnell weg; klar.

Es zeigte sich im Laufe des Abends mehrfach, dass sich vor allem Restaurationsbetriebe von der Eröffnung des Fachhochschulneubaus deutlich mehr Frequenz versprochen hatten. Bislang wenigstens umsonst. «Olten ist nicht eine Studentenstadt wie Freiburg, Basel oder Luzern», warnte Wey vor zu hochgesteckten Erwartungen.

Mittelland – Durchschnitt

Langsam aber sicher senkte sich die Erkenntnis über den Saal, dass Olten aus finanzpolitischer Sicht im Bereich der mittelländischen Normbefindlichkeit angekommen ist. Aber zum Trost: Auch wenn künftig nicht jeder Wunsch und jede Befindlichkeit mit Manna aus der Stadtkasse befriedigt oder teilbefriedigt werden kann: In Olten lohnt sich das Leben noch immer. «Es gibt in dieser Stadt eine Breite an kulturellen Angeboten, die sicher aussergewöhnlich ist», hatte Wey noch gesagt. Um nicht zu verhehlen, dass vielleicht so etwas wie ein koordinatives Dach fehle, damit diese Breite auch wahrgenommen und zur Entfaltung gebracht werden könne.

Es wirkte darum auch wie ein kleines Trostpflästerchen, dass sich der Stadtpräsident Martin Wey zum Schluss für eine kurze Zeit in den Pianisten Martin Wey verwandelte. Ein paar Takte entlockte er dem wie zufällig dort stehenden Klavier, sehr zum Gefallen des Publikums. Zur Erfüllung des kulturellen Auftrags einer Stadt gehöre im Übrigen auch das Führen der Musikschule, hatte der Pianist eine knappe habe Stunde vorher gemeint. Wohl wahr.