Olten

Die Tage des stummen Solitärs sind gezählt

Von Entlastungsstrasse und Geleisen eingekeilt: Der Turm Riggenbach. Im Hintergrund die Silos der Hammermühle. (Symbolbild)

Von Entlastungsstrasse und Geleisen eingekeilt: Der Turm Riggenbach. Im Hintergrund die Silos der Hammermühle. (Symbolbild)

Der Turm Riggenbach ist seit kurzem im Besitz der Stadt Olten. Da er nach der Fertigstellung der ERO seinen letzte Aufgabe erfüllt hat, soll er noch diesen Sommer abgerissen werden.

Er ist, nimmt man es genau, mittlerweile ein stummer Solitär, und als solcher ein Produkt der Entlastungsstrasse Region Olten: Der Turm Riggenbach, wie er in der Stadt üblicherweise genannt wird.

Ein Solitär darum, weil er mit Entstehung und Fertigstellung der Entlastungsstrasse nun ohne eigentliche Erschliessung dasteht; vorne Strasse, hinten Geleise. Kein Weg mehr führt zum einstigen Wahrzeichen der Firma hin, bloss noch an ihm vorbei.

Noch während der Bauphase beheimatete der Turm das Informationszentrum rund um die ERO mit offizieller Adresse: Cementweg 18. Vom einstigen und mittlerweile rückgebauten Firmenareal gelangte man über eine Passerelle zum Turm, der einst unter anderem die Administration der 1961 von Hugo Riggenbach gegründeten Firma beherbergte.

Tausende haben ihm während der ERO-Bauarbeiten einen oder gar mehrere Besuche abgestattet, wollten wissen, wie sich die Entwicklung der ERO präsentiert. Doch das ist mittlerweile Geschichte. Der Turm hat damit seine letzte Aufgabe erfüllt.

Harte, aber faire Verhandlungen

Seit Kurzem gehört die Liegenschaft der Stadt Olten, vom Kanton Solothurn, dem Bauherrn der ERO und seinerzeitigem Käufer, zum Preis von 60 000 Franken übernommen. Die Geschichte dieses Handels ähnelt wohl all jenen, die ihren Ursprung ebenfalls im komplexen Landhandel haben. Als nämlich feststand, dass die neu zu bauende Umfahrungsstrasse just das Gelände der Firma Riggenbach durchtrennen würde und die Firma sich nach einen neuen Standort umzusehen hatte, wurde die Stadt aktiv, weil man den traditionellen Oltner Betrieb nicht an eine Nachbargemeinde verlieren wollte, wie man im Stadthaus heute sagt.

Als mögliche Lösung offenbarte sich das Gelände des alten Schlachthofs. Im Jahr 2006, nach «harten, aber fairen Verhandlungen», wie sich Riggenbach-Verwaltungsratspräsident Urs von Felten damals ausdrückte, wurde der Handel beschlossen und vom städtischen Parlament auch gutgeheissen. Der neue Standort der Firma Riggenbach war gefunden.

Das einstige Firmengelände seinerseits ging an den Kanton über. Wobei im Zuge von langen Verhandlungen zur Kostenverteilung ERO Kanton und Stadt übereinkamen, dass die Grundstücksfläche von rund 320 m² samt Gebäude nach Nutzungsende der Bauherrschaft an die Stadt abgetreten werde. Dies ist dieser Tage auch geschehen.

Abbruch ist zwingend

Und jetzt? Was tun mit diesem Solitär ohne eigentlichen Anschluss? Die Antwort ist für einmal eine einfache. Der Abbruch des Gebäudes ist nämlich quasi zwingend, wie Adrian Balz, Leiter der städtischen Baudirektion, erklärt.

Der vereinbarte Kauf durch die Stadt sei durchaus aus strategischen Überlegungen erfolgt. Just an dieser Stelle nämlich kommt in nicht allzu ferner Zukunft die Personenunterführung Hammer zu liegen, welche das Gebiet Olten SüdWest mit dem Bahnhof Hammer verbinden wird und für deren Realisierung die Stadt verantwortlich zeichnet.

Weitere Gründe sprechen ebenfalls für den Abbruch: Das Gebäude liegt im Perimeterbereich der SBB. Und im Hinblick auf einen allfälligen Infrastrukturausbau der Bahn liess sich der Erhalt des Gebäudes nicht rechtfertigen. «Der Zustand der Liegenschaft ist natürlich auch nicht mehr der beste, deren Erschliessung ist nurmehr schwer möglich», weiss Balz.

Argumente, die den Abbruch denn auch nicht zu einer von Wehmut begleiteten Herzensangelegenheit werden lassen. Und so fährt schon bald die Abrissbirne auf. Die Gnadenfrist des verlassenen Gebäudes geht zur Neige.

Bereits im Sommer soll dem Solitär zu Leibe gerückt werden. «In den nächsten Tagen wird das Submissionsverfahren lanciert», sagt Balz. Die Art des Abbruchs ist noch nicht bestimmt, eine Sprengung des Gebäudes jedoch hält der Leiter Baudirektion für eher unwahrscheinlich.

Aber er gesteht gerne ein, dass diese Form des Abbruchs ziemlich sicher die günstigste und eleganteste Variante wäre. Und es ist ebenso klar: Der Preis wird die Abbruchweise bestimmen.

Spezielles Vorhaben

Die besondere Lage des Gebäudes macht das Vorhaben aber auch so zu einem Speziellen: Die Liegenschaft ist umgeben von viel frequentierten Verkehrsträgern, die Abbrucharbeiten werden eine Teil- oder Vollsperrung der Umfahrungsstrasse notwendig machen. So oder so: «Der Abbruch wird erfahrungsgemäss schnell vor sich gehen», sagt er. Und Opposition dagegen? «Das Vorhaben ist meines Wissens unbestritten», so Balz.

Die Ferienzeit eigne sich am besten für derlei Vorhaben, weiss er; grundsätzlich weniger Verkehr halt. Und weil andernorts ebenfalls Modifikationen an der Umfahrungsstrasse beziehungsweise an deren Infrastrukturanlagen (Taumittelsprühanlage) anstehen und die Abbrucharbeiten mit diesen Arbeiten koordiniert werden, reduziert sich der Verkehr noch einmal.

«Im schlimmsten Fall sperren wir die Umfahrungstrasse im Bereich der Liegenschaft ganz und führen den Verkehr über das Gelände Olten SüdWest», fährt Balz fort. Dort sind bis zum fraglichen Zeitpunkt befestigte Erschliessungstrassen erstellt und können den sommerlichen Umfahrungsverkehr ohne Schwierigkeiten aufnehmen. Probleme mit der Bauherrschaft dort sieht er keine. «Die fraglichen Strassen dort gehören der Stadt», sagt Adrian Balz.

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