Bewilligt. Fett geschrieben und eingerückt. So lautet der Entscheid der Baukommission Kappel über das Baugesuch der neuen Überbauung anstelle der Dorfbeiz Rose. Dies trotz mehrerer Einsprachen. Diese hat die Baukommission am 2. Oktober ausführlich geprüft, schliesslich jedoch abgewiesen. Bald rücken also die Bagger an, reissen das alte Gebäude nieder und errichten die beiden Neubauten am Standort der Dorfbeiz und auf der Wiese nebenan.

Die eingegangenen Einsprachen konzentrieren sich auf drei wesentliche Aspekte des Bauvorhabens: «Der Abbruch der Rose ist nicht zu bewilligen, ebenso ist der Bau eines Mehrfamilienhauses abzulehnen. Ausserdem ist für diesen Neubau statt einem Flachdach ein Satteldach vorzuschreiben», heisst es in der Verfügung über das Baugesuch. Für die Begründung dieser Einsprachepunkte dient vor allem die Ortsbildschutzzone. «Ein Flachdach passt einfach nicht dahin», meint einer der 49 Unterzeichner der Sammeleinsprache, der seinen Namen nicht nennen will. «Diese neue Überbauung zerstört das ansonsten schöne Ortsbild unseres Dorfes.» Zudem sei die Dorfbeiz seiner Meinung nach erhaltenswert, auch wenn das alte Gebäude nicht denkmalgeschützt ist. Der Kampf um den Erhalt der Dorfbeiz stiess in der Gemeinde auf grossen Anklang.

In allen Punkten abgelehnt

Die Bauherrschaft hat das Gebäude geprüft und als «in einem schlechten Zustand» und deshalb als «nicht erhaltungswürdig» eingestuft. Ausserdem seien die Kosten für eine Umnutzung zu hoch. Die «Rose» muss also definitiv weichen.

Da ausserdem der Neubau den rechtlichen Voraussetzungen entspricht, ist die Einsprache gegen die Bewilligung der neuen Überbauung ebenfalls nichtig. Auf Empfehlungen der Denkmalschutzpflege hin, wurden in den neuen Bauplänen jedoch einige Änderungen umgesetzt und als Auflagen verbunden. «Der Neubau der Rose nimmt die Form und das Volumen des Restaurants auf», sagt Kappels Bauverwalter Lukas Matter.

Beispielsweise weist das neue Gebäude Holzelemente auf, die an die abgebrannte Scheune der Dorfbeiz erinnern sollen. «Einzig das Mehrfamilienhaus auf der Wiese neben dem Altbau weicht von diesem Aussehen ab.» Es ist denn auch dieser Neubau, der besagtes Flachdach erhalten wird. Ein Solches ist in der Bauzone rechtlich zugelassen. Zudem stehen hinter der Rose auch bereits Überbauungen mit Flachdächern.

Im Vordergrund der Ersatzbau Rose, welcher nach Ansicht der Bauherrschaft viele Elemente der jetzigen «Rose»-Liegenschaft übernimmt. Links die Baukörper, welche auf der ostseitigen Wiese zu stehen kommen sollen.

Im Vordergrund der Ersatzbau Rose, welcher nach Ansicht der Bauherrschaft viele Elemente der jetzigen «Rose»-Liegenschaft übernimmt. Links die Baukörper, welche auf der ostseitigen Wiese zu stehen kommen sollen.

Anhand dieser Gründe weist die Baukommission Kappel die Einsprachen ab und gibt grünes Licht für das Bauvorhaben. Abgesehen von einigen wenigen Änderungen am Volumen der Bauten und an den Einfahrten werden die Überbauungen so gebaut wie ursprünglich geplant. So wird am jetzigen Standort des Restaurants ein Gebäudekomplex mit ebenerdig grossem Gewerberaum entstehen, der gemäss Bauherrschaft für die Einrichtung eines Einkaufsladens geeignet wäre. Zudem sind sechs Wohneinheiten zwischen 2½ und 5½ Zimmern vorgesehen. Auf der Wiese neben der Beiz kommt zudem ein Mehrfamilienhaus mit 14 Wohneinheiten zu stehen.

Keine perfekte Lösung

«Ich finde das Bauprojekt auch nicht perfekt», gibt Matter zu. «Aber das hat mit Emotionalität zu tun und nicht mit der rechtlichen Grundlage.» Schliesslich sei die Entscheidung der Baukommission nachvollziehbar. Matter ist sich jedoch sicher, dass man mit dieser Lösung nahe am Bestmöglichen dran sei. Ob das die Mehrheit der Kappeler Bevölkerung aber auch so sieht, bleibt fraglich. Zumindest die 49 Einsprecher sind anderer Meinung.