Mit dem Café Philo startete die Gesprächsrunde über eine philosophische Frage bereits in die dritte Saison. Über zwanzig Interessierte fanden sich am Sonntagmorgen zur ungezwungenen Diskussion im Cultibo ein. Das Thema, das sie sich vorgenommen hatten, lautete: «Die Süsse des Lebens». Verena Zimmermann vom organisierenden Team wies darauf hin, dass sich selbstverständlich alle am Meinungsaustausch beteiligen können, aber nicht müssen. «Wir möchten ein Forum anbieten, um sich inspirieren zu lassen durch die Gedankenwelt von anderen.» Deshalb gibt es auch kein einführendes Referat, sondern eine Gesprächsführung an der langen Leine.

Die Diskussion leitete die Philosophin Anna Secreti Zbinden, die vor allem Anstösse gab, um die Debatte in Schwung zu bringen. Diese kam sehr schnell in Gang, da unter der «Süsse des Lebens» ganz Verschiedenes verstanden werden kann. Jedenfalls darf sie nicht gleichgesetzt werden mit dem süssen Leben. Nur immer feiern, das zeigte auch Federico Fellini in seinem Film «La Dolce Vita» (1960), bringt auf die Dauer auch keine Zufriedenheit.

Die Süsse des Lebens – das ist eher das «Dessert» im normalen Alltag. Doch wo findet man den «Kuchen» im Leben? Für die einen ist es die gemütliche Tasse Kaffee am frühen Morgen. Für andere der Kick in der sportlichen Leistung. Wie auch immer, diese Hochgefühle sind stets bloss süsse Augenblicke. Dabei wäre es das Ziel, den schönen Moment etwas länger andauern zu lassen. Aber jeden Tag Kuchen essen ist langweilig. Sich für eine gute Sache zu engagieren, für andere, die es nötig haben, etwas zu tun, das bringe ihm ein anhaltend gutes Gefühl, sagte ein Diskussionsteilnehmer. Das Bewusstsein, einen Beitrag zu leisten, lasse ihn aufblühen, gebe ihm den inneren «Zucker». Oder wie es eine Teilnehmerin formulierte: «Die Frage ist, wofür brenne ich, was macht mich glücklich?»

Das Süsse-Paradox

Verbunden mit der Lust auf Süsses, ob im eigentlichen oder allgemeinen Sinn, geht oft ein schlechtes Gewissen einher. Sich etwas Besonderes zu gönnen oder sich dem Müssiggang hinzugeben, fällt uns schwer. Was mögen die Anderen auch bloss denken? Dabei ist «Honig» ja Nahrung für Geist und Seele. Und wer «Süsses» erlebt, ist in der Regel offener und lässt gerne andere daran teilhaben.

Zum Café Philo gehört selbstverständlich eine Tasse Kaffee am Boulevardtischchen. Und einer schönen Tradition folgend wird der Debattier-Vormittag mit einem Teller Suppe abgerundet, zubereitet von Brigitte Kirschbaum. Dem süssen Thema entsprechend wartete das Philo-Team diesmal mit einer Überraschung auf. Heinz Glauser servierte das Dessert, eine Meringue mit Vanilleglacé, beides selbst gemacht natürlich.