In genau einem Monat geht es los: Rund 100 Studierende der Hochschule für Wirtschaft FHNW reisen im Rahmen von vier internationalen Studierendenprojekte mit ein paar Betreuern für zweieinhalb Wochen nach China, Indien, Südostasien oder in die USA. Finanziell wird die Studienreise jeweils von Partner der Projekte, wie zum Beispiel Blaser Swisslube, Swiss Re, Chocolat Frey und EF unterstützt. «Wir sind stolz auf das breite Spektrum der Firmen, welche dieses Jahr als Partner gewonnen werden konnten. Ohne die wertvolle inhaltliche und finanzielle Unterstützung der Industrie wäre die Durchführung der Projekte nicht möglich», erklärt Oliver Roggwiller, PR-Teammitglied von Focus India, der gleich für alle vier Projekte spricht.

Kein Sprung ins kalte Wasser

Nach dem Motto «Doing business in ...» sollen die Studierenden mit Besuchen von Firmen vor Ort einen Einblick erhalten, wie die Wirtschaft im jeweiligen Land funktioniert. Die Studierenden werden aber nicht ins kalte Wasser geworfen. Neben der selbstständigen Planung und Organisation der Studienreisen organisierten sie Vorbereitungsseminare mit Auslandexperten und Referenten aus verschiedenen Branchen. Diese führen die Studierenden in die Kultur und in die Eigenheiten des jeweiligen Landes ein. Als Sprecher traten dabei Firmen auf, die mit dem jeweiligen Land eine Handelsbeziehung haben oder dort tätig sind. Eingeladen wurden aber auch kritische Stimmen, wie zum Beispiel ein NZZ-Auslandkorrespondent.

Grosse Nachfrage bei Studierenden

Am letzten Vorbereitungsseminar vergangene Woche organisierten die Studierenden auch eine Career Fair, also eine kleine Karriere-Messe, mit Infoständen von Partner der FHNW-Projekte; Networking, networking, networking. Dies werden die Studierenden auch im Ausland tun. «Es geht bei unseren Besuchen primär um den Austausch mit den Firmen vor Ort», erklärt Oliver Roggwiller.

Unter den Studierenden sind die Projekte beliebt. Bei Projektstart, ein Jahr vor der Abreise, können sich Interessierte für die Projektteilnahme bewerben. Für alle reicht der Platz aber nicht. 25 allerhöchstens dreissig Personen pro Delegation sind erlaubt. Diese dürfen dann als Höhepunkt auch auf die Studienreise. «Für einige Projekte hatten wir mehr Anfragen, als Platz zur Verfügung stand», sagt Roggwiller. Besonders beliebt: die USA und China.

Und hier das internationale Studierendenprojekt der FHNW vorgestellt (Durch Anklicken der Titel gelangen Sie auf die jeweilige Website):

Focus India

Selina Widmer (23) aus Uerkheim AG ist die Projektkoordinatorin von der elften Edition von «Focus India». «Indien hat mich schon immer fasziniert und gereizt», sagt die FHNW-Studentin im Abschlussjahr (International Management). Sie wollte schon lange mal nach Indien reisen, traute sich aber nicht alleine zu gehen. «Die Studienreise ermöglicht nun, in der Gruppe einen tiefgründigen Einblick in die indische Kultur und Wirtschaft zu erhalten», schwärmt sie. In Indien wird die Delegation unter anderem die Produktionsstätte von Sulzer und die IT-Büros von Accenture besuchen. Der Fokus des Projekts lautet «Gain, Train and Sustain». Dabei wird das Team in Delhi, Mumbai, Bangalore und Pune analysieren, wie Schweizer Unternehmen in Indien junge Talente ausbilden, um Schweizer Qualität auch in Indien zu garantieren. «Indien hat einen schlechten Ruf. Es sei dreckig und stinkig», sagt Widmer. «Wir wollen aber über die spannende Seite Indiens berichten und das Potenzial im funktionierenden Chaos aufzeigen.»

Insight China

Olivier Meyer (24) aus Kappel SO ist beim Projekt «Insight China» verantwortlich für die Projektkoordination und das Vorbereitungsseminar. «Made in China 2025» heisst der Fokus am 15-Jahre-Jubiläum des Projekts. Wie verändert die weltweit grösste Wirtschaftsmacht die Qualität ihrer Produkte? Dies wird die Delegation bei verschiedenen Firmen unter anderem in Peking, Shanghai und Suzhou beobachten. Der FHNW-Student im Abschlussjahr (International Management), der selber schon ein Austauschsemester in Shanghai absolvierte, fühlt sich wohl in China. «Bezüglich Arbeitszeiten ist es in Shanghai ähnlich wie bei uns. Ausser dass die Arbeitnehmer dort weniger Ferien haben als hier.» Spannend findet er, dass während der Studienreise auch das Landesinnere besucht wird. «Wir werden nicht nur die gut entwickelten Produktionsstätten besuchen.» Meyer sieht sich als Beobachter und möchte den Austausch fördern. Zu seinen Chinesisch-Kenntnissen: «Ich kann grüssen und das Essen bestellen.» 

ConnectUS

Haris Besic (24) aus Buchs AG ist beim Projekt «ConnectUS», das seit 2007 durchgeführt wird, verantwortlich für das Sponsoring und das Vorbereitungsseminar. «Auf den Spuren des Erfolgs» lautet der Fokus der diesjährigen Studienreise, die nach New York, Boston und dieses Jahr erstmals auch nach San Francisco führen wird. Dabei untersucht das Team drei Wege zum Erfolg: Pioniere (Firmen, die neue Ideen entwickeln), Talent Focus (Firmen, die junge Talente fördern) und Game Changer (Firmen, die ihre Produkte revolutionieren). An den verschiedenen Orten wird die Delegation unter anderen die Firma Zynga (Erfinder vom Game Farmville) und die Börse NASDAQ besuchen. Der FHNW-Student im Abschlussjahr (International Management) hat bereits ein Austauschsemester in Hanoi (Vietnam) absolviert und bewarb sich für das Projekt, als er hörte, es sei sehr anspruchsvoll. «Ich liebe Herausforderungen», sagt er und strahlt. Zudem: «Ich war noch nie in den Staaten.» Mittlerweile habe er seine Fähigkeiten im Projektmanagement ausbauen können. 

ExploreASEAN

Ellen Spinnler (26) aus Diegten BL ist PR- und Seminarverantwortliche des Projekts «ExploreASEAN» . Singapur, Kuala Lumpur, Malaysia und Vietnam sind die Reiseziele im Südostasien-Projekt. Der Fokus: «Building Bridges for Young Talents». Da die FHNW-Studentin im Abschlussjahr (International Management) bereits ein Austauschsemester in Ho Chi Minh City (Vietnam) absolviert hat, war für sie sofort klar, dass sie dem neuen Projekt «ExploreASEAN» beitreten wollte. « In Südostasien liegt so viel Potenzial», sagt sie. «Vor allem, weil die Produktion in China langsam teurer wird.» Die kritischen Aspekte des Handels in Südostasien, zum Beispiel bezüglich Arbeitsbedingungen, sei den Delegationsmitgliedern dank dem Vorbereitungsseminar bewusst. Vor Ort tritt die Delegation aber neutral auf. «Wir werden nicht aktiv eine Botschaft überbringen.» Spinnler betont aber: «Wir wollen den Kontakt pflegen und den Austausch fördern. Und mit Dialoge kann man manchmal auch viel erreichen.»