Olten
Die «Städtlipost» leidet an «Schwindsucht»

Bis im Juni verschwinden an der Dornacherstrasse 7 in Olten auch die Postfächer. Betroffen von der Schliessung ist auch der Postomat; ein neuer Standort muss für ihn her.

Urs Huber
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Ab Ende Juni Geschichte: die Postfächer auf der Oltner Städtlipost, im Fachjargon auch Olten 3 genannt.

Ab Ende Juni Geschichte: die Postfächer auf der Oltner Städtlipost, im Fachjargon auch Olten 3 genannt.

BRUNO KISSLING

So nach und nach leert sich das Postgebäude an der Dornacherstrasse in Olten, welches im Volksmund so unüblich liebevoll «Städtlipost» geheissen wird. Dessen «Schwindsucht», wie man früher lebensbedrohliche Krankheiten nannte, begann vor rund zwei Jahren, als die Poststelle von der Dornacher- an die Solothurnerstrasse in den Hammer zog, immerhin aber die Schliessfächer noch an der alten Adresse verblieben, weil am neuen Ort dafür kein Platz zur Verfügung stand. Das war im April 2013.

Schon damals hiess es in Postkundenkreisen, das sei ein Rückzug auf Raten. Und sie hatten damit nicht unrecht. Per Ende Juni 2015 wurde allen Postfachinhabern auf der alten Städtlipost gekündigt, wird der Geschäftskundenschalter geschlossen. Brieflich liess die Post ihre Kunden wissen, dass ihnen Alternativen gereicht würden: Zum einen etwa liegt ein Angebot an Postfächern an der Bahnhofstrasse 41 (Rückseitig der Hauptpost) vor, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Nachfrage genügend gross sei. Zum andern aber bietet die Post auch eine Zustellung an die Domiziladresse an: «Zustellung in Ihren Hausbriefkasten», so die Post CH AG.

Ein Faltblatt

Dem Schreiben beiliegend: ein Faltblatt, welches Hausbriefkasten und Paketboxen beziehungsweise deren Infrastruktur und Masse empfiehlt. Eine Praxis, die neben des Ärgers über die Kündigung nicht von allen betroffenen Postfachkunden so telquel goutiert wird. Unverschämt sei die Aktion, meint einer aus der betroffenen Postfachkundschaft, der den Grund der Schliessung in der – von der Post vorgeschobenen – mangelnden Wirtschaftlichkeit verortet sehen will.

Auch hier basiert die Vermutung nicht nur auf Luft, wie sich auf Nachfrage bei der Post herausstellt. «Es ist wie überall: Postfächer werden zunehmend weniger genutzt, was den Anbieter aus wirtschaftlichen Gründen dazu zwingt, seine Dienste weiter zu zentralisieren», argumentiert die Medienstelle. Derzeit würden die Poststellen auf städtischem Gebiet knapp 1000 Postfächer bedienen, was deutlich unter der möglichen Kapazitätsleistung liege. Insgesamt kann die Post in Olten mit 2000 Postfächern aufwarten. Von den 640 Fächern auf der Städtlipost sind aktuell weniger als deren 400 belegt.

Der Schritt zur Zentralisierung der Einrichtung, die als Basisangebot (siehe Kasten) mit einer einmaligen Gebühr von 12 Franken bezogen werden kann, liegt also auf der Hand. Zumal auch die Postfächer an der Bahnhofstrasse bei Weitem nicht vollständig belegt sind. «Insofern ist der Satz, welcher einen Umzug von der Dornacher- an die Bahnhofstrasse von einer genügend hohen Nachfrage abhängig macht, irreführend», räumt die Medienstelle unumwunden ein. Die bisherigen Postfachinhabenden der Städtlipost finden also auf jeden Fall ein Angebot an der Bahnhofstrasse jenseits der Aare. Dass durch die Verlagerung der Postfächer ein gewisser Komfort für die Nutzer verloren gehe, wird ebenfalls nicht bestritten, doch hält man diesen durchaus für annehmbar. Die beiden Lokalitäten würden nicht allzu weit auseinander liegen, Luftlinie vielleicht 500 bis 600 m, wie die Überprüfung auf dem Stadtplan im Nachhinein ergibt. Zudem geben die Postverantwortlichen zu bedenken, dass mit einem solchen Umzug jeweils auch Postfachkunden sich für die Hauszustellung entscheiden. Nicht zum Leidwesen des «Gelben Riesen», wie die Post hin und wieder auch genannt wird. Denn aus betriebsinterner Warte macht ein Postfach nur dann Sinn, wenn regelmässig ein Minimum an Postsendungen eingeht und das Fach auch tatsächlich regelmässig (täglich) geleert wird, beteuert der Mediensprecher. «Andernfalls empfehlen wir die Hauszustellung oder allenfalls ein ‹Postfach Extra›.» Ein solches kostet 20 Franken im Monat oder 240 Franken pro Jahr.

Postomat zieht auch um

Aufgegeben wird im Zuge der Aufhebung der Postfachanlage auch der dortige Postomat. Die Verantwortlichen denken an einen neuen Standort in unmittelbarer Umgebung der Hammerpost: Entsprechende Abklärungen sind am Laufen, entschieden dagegen ist noch nichts. Und auch was mit den leerstehenden Räumlichkeiten geschehen wird, die Post ist Liegenschaftseigentümerin, steht noch in den Sternen. Üblicherweise würden nicht mehr genutzte Immobilien veräussert, so die Medienstelle. Ob und wann ein Käufer gefunden werde, sei noch offen.