Olten

Die Stadtkirche wird zum Oltner Partytempel

Aufgrund der zentralen Lage in der Oltner Innenstadt ist die Stadtkirche als Veranstaltungsort prädestiniert.

Aufgrund der zentralen Lage in der Oltner Innenstadt ist die Stadtkirche als Veranstaltungsort prädestiniert.

Um Geld für die Kirchensanierung zu sammeln, wollen die Christkatholiken das Gebäude an externe Veranstalter für Partys vermieten. Stadtpräsident Martin Wey ist von der Idee angetan.

Die Oltner Stadtkirche mitten in der Innenstadt: Ein Wahrzeichen der Dreitannenstadt – das meistens leersteht. Das soll sich nun ändern. Statt dass sich sonntags nur ein paar Christkatholiken darin verlieren, sollen nun Partygänger unter den heiligen Säulen bis früh in die Morgenstunden abtanzen und die Nacht zum Tag machen. Im vorderen Teil der Kirche ist zudem ein Café geplant, das in der warmen Jahreszeit auch auf den Platz vor der Kirche expandieren wird, um die Kirchgasse tagsüber zu beleben. Die Christkatholiken sollen so ihren Gottesdienst behalten, aber in der frei verfügbaren Zeit wird die Kirche künftig einer anderen Nutzung zugeführt. 

Die kühne Idee, aus der Stadtkirche den Oltner Partytempel mitten in der Stadt zu realisieren, stammt von den Christkatholiken selbst. Ihnen ist bewusst, dass die Mitgliederzahl langfristig gesehen wohl eher ab- statt zunehmen wird. Weniger Mitglieder heisst tiefere Kirchensteuer-Einnahmen. Zudem steht mit der 6,5 Millionen teuren Sanierung ein grosser Brocken an. Mit der Vermietung der Stadtkirche an externe Player wollen die Christkatholiken zum einen sich langfristig finanziell absichern und zum anderen einen Teil der Renovationskosten tragen. Der Ertrag aus der Vermietung schätzen sie auf 100 000 Franken pro Jahr. Auch für die Stadt ist die Fremdnutzung interessant. Die ganze Innenstadt wird mit der Stadtkirche als Veranstaltungslokal aufgewertet und mit dem Café belebt. Stadtpräsident Martin Wey, der als Katholik oft in der nahe gelegenen St.-Martin-Kirche anzutreffen ist: «Für Olten ist das eine Win-win-Situation und könnte auch als Vorbild für andere Kirchen in der Stadt dienen.»

Das Potenzial der Stadtkirche haben nun schon einige entdeckt und bereits Interesse bekundet. Einer davon ist Stef Dietschi, engagierte Pächter vom Café/Bar Gryffe. Er kann sich nach dem eigenen Lokal und dem «Abbasso» auch ein drittes Standbein vorstellen. «Es ist gut möglich, dass ich im Sommer vor dem Kircheneingang ein Outdoor-Café betreiben werde», sagt Dietschi. Mögliche Partner für sein Vorhaben sollen Starbucks Coffee und Dunkin’ Donuts sein. Gemäss den Kommentaren in der Facebook-Gruppe Olten könnte er damit voll ins Schwarze treffen. Offenbar besteht in der Oltner Bevölkerung ein Bedarf nach einem solchen Angebot.

City-Festival mit Rock-Interpreten

Mehr Interesse am Innern der Stadtkirche hat Andreas Widmer, OK-Präsident des Feelgood Festivals in Niedergösgen. «Ich hatte schon immer die Vision eines City-Festivals.» Aufgrund der zentralen Lage würde sich Olten super eignen. Konkret stellt er sich vor, die Konzerte teils in der Kirche, teils draussen zu veranstalten – je nach Wetter. Den Altar könne man auch problemlos als DJ-Pult benutzen. «Die Höhe und Grösse ist perfekt dafür», sagt er.

Akustik ideal für House-Musik

Auch Daniel Kissling, Geschäftsführer des Coq d’Or, will auf den selben Zug aufsteigen. «Da der Platz in meinem Lokal manchmal knapp wird, kann ich mir gut vorstellen, einige Partys auszulagern.» Die Stadtkirche eigne sich mit ihrer tollen Akustik besonders für Rock-Konzerte, Hiphop- und House-Partys. Stadtpräsident Martin Wey freut sich über die grosse Initiative der Gewerbler. Nun werden auch wieder Pläne konkret, das Parkplatzangebot beim Munzingerplatz mit einem unterirdischen Parkhaus zu vergrössern. «Das würde sicher auch Auswärtige in die Stadt locken.» Dank den Partys wäre das Parkhaus zudem auch nachts ausgelastet. Dass ein Parkhaus beim Munzingerplatz schon wieder aus den Traktanden gefallen wäre, wie das Kulturmagazin Kolt am Donnerstag schrieb, ist laut Wey falsch.

Und was sagen die Christkatholiken zu den Ideen? «Wir sind sehr offen», sagt Brigitta Köhl, Präsidentin der Christkatholischen Kirchgemeinde Region Olten. «Wir sind froh, wenn mehr Junge in die Kirche kommen.» Gegen Rock-Musik sei nichts einzuwenden.

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