Was musste die Überbauung in Olten SüdWest schon alles einstecken: Als «Plattenbau», «Little Bukarest» oder «Getto von Olten» wurden die in einem Rechteck angeordneten Wohnblöcke schon bezeichnet. Nun wollen die Spitzen der Stadt Gegensteuer geben, weil mittlerweile auch ihnen klar ist, dass in dieser «grossvolumigen und uniformen» Weise nicht weitergebaut werden kann, wie es in einer Mitteilung der Stadtkanzlei heisst.

Würde auf den 13 weiteren Baufeldern gleich gebaut, ergäbe das eine «gewisse Eintönigkeit», sagt Stadtschreiber Markus Dietler. Selbst Areal-Besitzer Sigmund Bachmann von der Terrana AG Rüschlikon nimmt mittlerweile das Wort «Einheitsbrei» in den Mund, wenn er von der Siedlung spricht. Er ist grundsätzlich damit einverstanden, wenn der Gestaltungsplan aus dem Jahr 2008 nun auf Betreiben der Stadt hin bereits ein erstes Mal überprüft und angepasst werden soll. 


Zum einen will die Stadt damit eine grössere Vielfalt in baulicher Hinsicht erreichen. Die Gebäude sollen nicht mehr nur fünfstöckig sein können wie bisher, sondern eventuell doppelt so hoch, aber dann auch mal nur zwei- oder dreigeschossig. Bauherr Bachmann ergänzt: «Wir wollen insgesamt eine andere Architektur und nicht mehr an die fünf Geschosse gebunden sein.» Auch Balkone sind ein Thema. Bislang gibts die vielfach gescholtenen Jahreszeitenzimmer als Balkonersatz, die mit einer Glasfront von der Wohnung abgetrennt sind und mitunter als Abstell- oder Raucherzimmer genutzt werden.


Der Platz zwischen den Wohnblöcken soll ebenfalls aufgewertet werden. Bisher seien dies eher «Resträume als wirkliche Orte des öffentlichen Lebens», heisst es in der Mitteilung. Die Umgebung zwischen den Wohnblöcken soll grösser und mehr als Freiraum wahrgenommen werden, der geteerte Bereich soll nicht mehr direkt bis zum Sockel der Gebäude führen. «Wenn wir höher bauen können, gibts mehr Platz für Grünflächen dazwischen», sagt Bachmann.


Ziel der Stadt ist es, mit der architektonischen Vielfalt auch eine andere Klientel in die Siedlung zu bringen als die kinderlosen Paare und Einzelpersonen, wie dies bislang mehrheitlich der Fall ist. Ein halbes Dutzend Kinder sind erst auf den verstreuten Spielgeräten in der Siedlung anzutreffen. Aus Sicht der Stadt stimmt der Bewohnermix noch nicht.

Die 1,5- und 2,5-Zimmer-Wohnungen gehen gut weg, als Ladenhüter erweisen sich die 3,5-Zimmer-Wohnungen, die eigentlich für Familien mit einem Kind oder als grosszügigere Paarwohnungen angedacht waren. Insgesamt sind 319 der 420 Wohnungen vermietet. Bachmann geht davon aus, dass es noch mindestens ein Jahr dauern wird, bis keine Wohnung mehr leer steht. Trotzdem ist der Bauherr dem Zeitplan voraus, der eine Vollvermietung erst in vier Jahren vorsah. Eine Anpassung im Mix bei den künftigen Wohnblöcken solls laut Bachmann aber geben in Richtung mehr kleinere und wenigere grössere Wohnungen


Weniger Gewerbeflächen


Bei einem ersten Treffen letzten Mittwoch mit dem Areal-Besitzer haben die Stadtoberen zudem über Wohneigentum gesprochen. Auch das soll künftig in die Planungen einfliessen. In einem ersten Schritt würde es eher «Richtung Stockwerkeigentum gehen», sagt Bachmann, damit seine Rechnung aufgeht und die hohe Dichte beibehalten werden kann. Aber auch Wohneigentum in Form von den in Olten typischen Reiheneinfamilienhäusern ist er nicht völlig abgeneigt: «Vorstellen könnte ich mir, dass wir im vorderen Bereich dichter bauen, weiter hinten Richtung Flugplatz Gheid hingegen eine lockere Bebauung vorsehen.»


Schwieriger als angedacht gestaltete sich auch die Vermietung der Gewerbeflächen im Parterre. Zwar sind die meisten Räume nun vermietet. Bachmann: «Wir haben das Glück, dass die soziale Institution WG-Treffpunkt die Gewerbeflächen mietet, sonst würden sie höchstwahrscheinlich leer stehen.» Künftig soll es auch hier Anpassungen geben. Stadtschreiber Dietler: «Olten SüdWest wird eher als Wohnquartier denn Teil der Innenstadt wahrgenommen.»