«Olten spart sich dumm» (Blick), «Olten geht es schlecht» (Tages-Anzeiger), «Scheinbar am Abgrund» (Aargauer Zeitung). Olten machte national Schlagzeilen, weil die Stadt wegen den ausbleibenden Alpiq-Millionen an allen Ecken und Enden sparen musste. Das Budget 2014 sah nach der Steuererhöhung von 10 Punkten auf 105 Prozent immer noch ein Minus von rund 15 Millionen Franken vor. Der Stadtrat beantragte gar die Erhöhung um 20 Punkte auf 115 Prozent, was das Gemeindeparlament aber ablehnte.

Dazu kam, dass ein vierköpfiges Komitee erfolgreich das Referendum gegen den Budget-Beschluss des Parlaments ergriff, was dazu führte, dass bis zum Volks-Ja von 55 Prozent am Anfang März 2014 nur gebundene Ausgaben gemacht werden konnten. Klassenlager wurden gestrichen, die Stadtbibliothek durfte keine neuen Bücher mehr anschaffen und Veranstaltungen bei den Museen mussten abgesagt werden.

Aufgrund der misslichen Finanzlage war der Stadtrat in dieser Legislatur vor allem ein Sparrat. Die vom Volk eigentlich beschlossene Aufwertung des Aareraums durch das 25-Millionen-Projekt Andaare wird nun ohne Ländiweg-Promenade und hochwassersicheres Aarebistro mit dem Projekt Neuer Bahnhofplatz nur teilweise umgesetzt, die Stadtpolizei wurde in die Kantonspolizei integriert und die Kosten an den Staat ausgelagert, der Kultur- und Freizeitbereich musste auf mehrere Hunderttausend Franken verzichten und auch das städtische Personal musste einige Federn lassen: Gab es per Ende 2013 noch knapp 207 Vollzeitstellen, wies die Stadt per Ende 2016 noch knapp 162 Stellen auf, also ein Minus von 45 Stellen oder 22 Prozent.

Daneben haben auch Gebührenerhöhungen, eine gewisse Zurückhaltung bei werterhaltenden Investitionen und die wieder steigenden Steuereinnahmen mitgeholfen, das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts zu erreichen. Gabs in der Rechnung 2013 noch ein Rekorddefizit von 20 Millionen Franken, wies die Stadtkasse letztes Jahr auch dank Sondereffekten einen Gewinn von 5 Millionen aus. Auch die Rechnung 2016 soll anders als budgetiert nicht im Minus, sondern klar im Plus liegen, wie es aus der Oltner Finanzverwaltung heisst.Ebenso ist der Schuldenberg weniger hoch als zu Beginn der Legislatur: Von 119 Millionen sank er bis heute auf 104 Millionen Franken, im April sollen weitere 7 Millionen zurückgezahlt werden. Langfristiges Ziel ist es, die Schulden auf rund 70 Millionen zu drücken, was den jährlichen Steuereinnahmen der Stadt entspricht.

Stadt wächst um 1000 Einwohner

Die Finanzen sind dank des Sparkurses wieder im Griff. Schaut man sich die weiteren Punkte an, die das Regierungsprogramm 2013–2017 ausmachen, das sich der Stadtrat als verbindliche Leitplanke für die Legislatur gegeben hat, drängt sich auch hier in vielen Punkten ein positives Fazit auf. Ein Hauptziel war, die Einwohnerzahl um 1000 Personen zu steigern und attraktiv für Familien, Pendler und Senioren zu sein. Seit Ende 2013 hat sich die Zahl der Einwohner inklusive Wochenaufenthalter Stand gestern tatsächlich um knapp 1000 Personen von 17 905 auf 18 888 erhöht.

Das neue Quartier Olten SüdWest ist (vorerst vor allem) beliebt bei Pendlern und kinderlosen Paaren, die neuen Wohnüberbauungen im Kleinholz und im Bornfeld bei Familien. Zudem werden mehr Kindertagesstätten subventioniert, auch wenn der Systemwechsel zu den Betreuungsgutscheinen eine Erhöhung der Elternpauschale mit sich brachte. Die Tagesstrukturen wie Mittagstisch und Aufgabenhilfe wurden auf der rechten Aareseite stark ausgebaut, das gleiche soll auch auf der anderen Stadtseite geschehen.

Zudem scheint es dem Stadtrat gelungen zu sein, ein arbeitsplatz- und investitionsfreundliches Klima zu schaffen. In den vergangenen Jahren konnte die Stadt den Zuzug von mehreren Hundert Arbeitsplätzen durch Grossunternehmen wie SBB oder Swisscom vermelden, sodass Olten mit 18 400 Arbeitsplätzen derzeit fast so viele Stellen anbietet, wie es Einwohner hat. Auch Firmenansiedlungen wie jüngst des Medizinaltechunternehmens Sensile Medical, das mit seinen 150 Mitarbeitern im Herbst ins Usego-Areal zügelt, zeigen die Anziehungskraft Oltens. Dazu kommen Organisationen wie der Schweizerische Handball-Verband, die ihren Hauptsitz neu in der Dreitannenstadt haben.

Auch bei den privaten Investitionen gibt es Anlass für Optimismus: Das Einkaufszentrum Sälipark soll für 100 Millionen Franken ausgebaut werden – was wiederum einen Schub fürs lokale Gewerbe auslösen könnte. Weitere Grossinvestitionen wie der geplante Bau des Oltner Immobilienbesitzers Reto Bernasconi beim ehemaligen Turuvani-Areal könnten für die Meile rund um den Bahnhof prägend werden. Zudem dürften Grossprojekte etwa auf dem Areal Bahnhof Nord oder dem Nussbaum-Areal in unmittelbarer Nähe zum Eisenbahnknotenpunkt folgen.

Einzig bei den Sorgenkindern Olten SüdWest und Winkelunterführung gibt es Nachbesserungspotenzial. Doch auch hier hat sich der Stadtrat nach gewissem Zaudern nun entschieden, das Heft wieder stärker in die Hand zu nehmen und mit den Eigentümern an einen Tisch zu sitzen. Im ersten Fall soll der neue Masterplan Aufschluss über die künftige Entwicklung des ehemaligen Zementi-Areals geben, im zweiten soll eine Vorlage zum Kauf der Winkelunterführung vors Parlament kommen, welche einem breiten Bevölkerungswunsch folgend endlich velofahrtauglich werden soll.

Auch bei den auswärtigen Gästen scheint Olten immer beliebter zu werden. Der Geschäfts- und Seminartourismus boomt, und auch die Freizeittouristen scheinen die Stadt etwa dank des im letzten Jahr neu lancierten Schriftstellerwegs langsam zu entdecken. Imagefördernde Labels wie dasjenige der Energiestadt konnten mit neuer Rekordpunktzahl erneuert werden – dies notabene ohne die vorher aus Spargründen abgeschaffte Fachstelle Umwelt.

Das sind die noch hängigen Projekte

Die Kulturszene in Olten ist vielleicht so lebendig wie nie zuvor – und das ist indirekt das unfreiwillige Verdienst der klammen Stadt. Viele Freiwilligenprojekte reagierten darauf, die Kulturfreunde vernetzten sich untereinander. Der Verein Pro Kultur Olten etwa entstand aus dem Willen heraus, eine angedachte Schliessung des Kunstmuseums zu verhindern. Die an einem Strick ziehenden Kulturleute schafften es so nicht nur, das Kunstmuseum und die Jugendkultur rund ums Provi 8 zu erhalten.

Das Oltner Kulturschaffen wurde auch von aussen vermehrt wahrgenommen. Dies zeigt etwa der zweite Platz in der Sparte Kultur und Freizeit im letztjährigen Ranking des Wirtschaftsblattes «Bilanz». Eine städtische Kulturfachstelle könnte nun laut dem Stadtmagazin «Kolt» wieder auf die Traktandenliste kommen. Eine solche sah der Stadtrat bereits 2004 einmal vor, das Parlament lehnte dieses Ansinnen jedoch ab. Und einen weiteren Lichtblick gabs mit dem Volks-Ja zum Haus der Museen vergangenen Juni. Nun müssen auch die beiden städtischen Häuser Historisches Museum und Naturmuseum nicht mehr damit rechnen, in ihrer Existenz infrage gestellt zu werden.

Wichtige Projekte kamen in dieser Legislatur allerdings nicht vom Fleck. Etwa die Schulraumplanung. Bereits vor Jahren gab es die Idee, ein neues Schulhaus neben der bestehenden Stadthalle zu erstellen. Erst kürzlich gab der Stadtrat eine neue Studie für 60'000 Franken in Auftrag, die wahrscheinlich wieder zum selben Schluss kommt. Die angedachte Masterplanung um die Meile an der Kirchgasse, ausgehend vom privaten Haus an der Kirchgasse 4 (Ex-Vögele-Shoes) bis zum heutigen Naturmuseum, kommt vorläufig nicht zustande. Der neue Ankermieter, der laut Regierungsprogramm in diesem Jahr hätte verkündet werden sollen, ist in weiter Ferne, ein allfälliger Anbau inklusive Parkhaus beim Munzingerplatz ebenfalls.

Für die Stadtteilverbindung Hammer ins neue Quartier Olten SüdWest gibt es noch nicht einmal ein Vorprojekt, auch das längst fällige Parkleitsystem, um den Suchverkehr zu unterbinden und die Innenstadt auch für auswärtige Kunden wieder attraktiver zu machen, existiert noch nicht. Hier sei allerdings erwähnt, dass in beiden Fällen das Parlament der betreffenden Stadtrats-Vorlage eine Abfuhr erteilt hat. Das wirft ein Schlaglicht auf die zum Teil von Misstönen begleitete Beziehung zwischen Stadtrat und Parlament (siehe Antworten der Fraktionspräsidenten oben).

Trotz dieser zum Teil schon lange hängigen Geschäfte zeigt sich Olten auch dank dem Wirken des Stadtrates am Ende dieser Amtsperiode gut in Schuss. Sei es finanziell, kulturell oder wirtschaftlich. Die klammen Jahre sind vorbei. Die Schockstarre, die zu Beginn der Legislatur mit Millionendefizit, budgetlosem Zustand inklusive negativer Presse herrschte, erscheint wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Die in grossen Zügen erfreuliche Bilanz der Regierung färbt auch auf die Beziehung der Stadträte untereinander ab. Das Verhältnis sei «sehr gut» (Benvenuto Savoldelli), «kollegial, offen, unterstützend» (Martin Wey), «hart in der Auseinandersetzung (...), aber wir respektieren uns» (Iris Schelbert) und ergänzend «in der Kaffeepause wird es auch einmal lustig» (Thomas Marbet).