Stadtrat

Die Stadt Olten bekennt sich zur Lohngleichheit

Der Oltner Stadtrat unterzeichnet Lohngleichheits-Charta (archiv)

Der Oltner Stadtrat unterzeichnet Lohngleichheits-Charta (archiv)

Der Oltner Stadtrat unterzeichnet eine Lohngleichheits-Charta und will damit die Mitarbeiter für das Thema stärker sensibilisieren.

Seit 1981 steht es in der Bundesverfassung, seit 1995 gibt es ein entsprechendes Bundesgesetz dazu: Mann und Frau sollen für gleiche oder gleichwertige Arbeit denselben Lohn erhalten. Doch trotz der rechtlich klaren Ausgangslage hinkt die Realität immer noch hinterher: Frauen verdienen auch im öffentlichen Sektor noch immer rund 1500 Franken pro Monat weniger als ihr geschlechtliches Gegenüber (Zahlen von 2012). Rund 60 Prozent all dieser Fälle können durch Faktoren wie berufliche Stellung, Dienstjahre oder Ausbildungsniveau erklärt werden, 40 Prozent aller Fälle können dadurch jedoch nicht erklärt werden.

Um die Lohngleichheit bei der öffentlichen Hand wieder vermehrt zu thematisieren, haben Bundesrat Alain Berset und Regierungsmitglieder aus 25 Kantonen letztes Jahr eine entsprechende Charta lanciert. Diese wurde bisher vom Bund, 10 Kantonen und 18 Gemeinden unterzeichnet. Am Montag folgte nun im Rahmen des Seminars «Lohngleichheit im öffentlichen Sektor», welches im Hotel Olten stattfand, die Unterzeichnung der Charta durch die Stadt Olten.

Vizestadtpräsident Thomas Marbet hielt in seinem Grusswort an die anwesenden Gemeinde- und Kantonsvertreter fest, dass die Lohncharta «eher der Anfang und nicht das Ende ist», die Lohn- und Chancengleichheit in der Stadtverwaltung nachzuleben. Es solle für den Stadtrat und die Direktionsleiter ein Auftrag sein, das Thema ernst zu nehmen und die Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren, so der Vizegemeindepräsident. Die Stadt Olten soll damit auch motiviert werden, Aufträge nur an Firmen zu vergeben, welche die Lohngleichheit einhalten. Auch Subventionen sollen möglichst nur an jene Institutionen gesprochen werden, welche sich der Lohngleichheit verschrieben haben. Die Charta hat allerdings keinen rechtlich bindenden Charakter und kann nicht eingeklagt werden.

Lohnsystem extern prüfen lassen?

In der Stadt Olten basiert das Lohnsystem seit 2009 bereits auf geschlechtsunabhängigen Lohnklassen. Trotzdem sind damit laut dem Eidgenössischen Gleichstellungsbüro für Mann und Frau Lohndiskriminierungen nicht ausgeschlossen, wie es in einem Faktenblatt heisst: «Jedes Lohnsystem bietet Spielräume, die bei Betrachtung der effektiv ausbezahlten Löhne zu geschlechtsspezifischen Verzerrungen führen kann.»

Laut Vizestadtpräsident Thomas Marbet müsste die Stadt auch ihr Lohnsystem aus externer Sicht auf Lohndiskriminierungen prüfen lassen. Zudem sollte es in seinen Augen möglich sein, dass in den nächsten Jahren zumindest eine der bald nur noch fünf Direktionen von einer Frau geführt wird. Eine Neuausschreibung wird möglich, weil Pensionierungen der bisherigen Stelleninhaber anstehen.

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