Neues System
Die Stadt finanziert Kita-Plätze in Zukunft exklusiv für Oltner

Für Auswärtige wird es mit dem neuen System der Krippenfinanzierung in Olten so richtig teuer. Die Stadt subventioniert keine Kitas mehr, sondern unterstützt Familien direkt mit Betreuungsgutscheinen. Diese erhalten nur in Olten ansässige Eltern.

Urs Moser
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Seit einem Jahr in Olten: Das Team der Kinderkrippe SmallWorld mit seinen ersten «Kunden». Auch ohne Subventionen ist die Krippe bereits voll belegt.

Seit einem Jahr in Olten: Das Team der Kinderkrippe SmallWorld mit seinen ersten «Kunden». Auch ohne Subventionen ist die Krippe bereits voll belegt.

Bruno Kissling

Die Stadt Olten will bei der Unterstützung der familienergänzenden Kinderbetreuung einen neuen Weg gehen. Nächstes Jahr startet ein Pilotversuch, um die sogenannte Objektfinanzierung durch eine Subjektfinanzierung abzulösen.

Das heisst: Es werden nicht mehr die Kinderkrippen von der Stadt subventioniert, sondern Eltern erhalten Betreuungsgutscheine.

Ein Teil der Kosten für die Betreuung ihrer Kinder in einer Krippe wird ihnen so zurückerstattet. Das Gemeindeparlament hat dem Projekt oppositionslos zugestimmt.

Bisher hat die Stadt vier Krippen unterstützt: Die Chinderstube an der Ziegelfeldstrasse und die Kinderkrippen Hagmatt, Sonnhalde und Schürmatt. Betreuungsgutscheine gibt es neu auch für die Kinderkrippen Small World an der Aarauerstrasse und Lilly & Lars an der Unteren Hardegg.

Das Angebot an öffentlich unterstützten Krippenplätzen wird damit um 40 auf 123 Krippenplätze erweitert, eine Steigerung um fast 50 Prozent. Es bleibt aber bei 630 000 Franken, die sich die Stadt die Förderung der familienergänzenden Kinderbetreuung kosten lassen will.

Von einer versteckten Sparübung will man trotzdem nicht sprechen. Erstens hört der Anspruch auf Betreuungsgutscheine bei einem massgebenden Einkommen (Nettolohn plus 10 Prozent des steuerbaren Vermögens) von 130 000 Franken auf (nach dem alten System 160 000).

Zweitens hat Olten mit dem bisherigen System der Betriebsbeiträge Krippenplätze auch für auswärtige Familien mitsubventioniert. Damit ist nun Schluss, Betreuungsgutscheine gibt es nur für in Olten ansässige Eltern.

So sollen auch mit einem ausgebauten Angebot nicht weniger Mittel pro Krippenplatz zur Verfügung stehen.

Für Auswärtige wird es teuer

Das dürfte ins Gewicht fallen. Heute kommt immerhin rund ein Viertel der Kinder in den Oltner Krippen nicht aus Olten selbst, sondern aus umliegenden Gemeinden.

Wird man dort jetzt nicht das Angebot an öffentlich unterstützten Krippenplätzen vor Ort ausbauen oder ebenfalls ein Modell mit Betreuungsgutschriften für Oltner Krippen einführen, wird es für die Eltern richtig teuer: Das neue Modell gilt ab nächstem Jahr auch für Oltner Eltern nur, wenn sie ihre Kinder neu für eine Krippe anmelden.

Für die «Bisherigen» gilt vorderhand weiterhin ein Normkostensatz von 96 Franken pro Tag, der mit den Beiträgen der Stadt je nach Einkommen auf bis zu 23 Franken Elterntarif verbilligt wird.

Im neuen Modell können die Krippen aber die von ihnen definierten Preise verlangen, und die liegen ausser in der Sonnhalde und der Hagmatt (102 Franken) schon heute am oberen Limit der von der Stadt empfohlenen Tarifspanne von 95 bis 110 Franken.

Damit wird ein Krippenplatz für auswärtige Eltern schnell massiv teurer als für die Einheimischen, die nach Einkommen abgestuft Betreuungsgutscheine von bis zu 77 Franken erhalten.

Die Nachbargemeinden seien etwa vor eineinhalb Jahren darauf hingewiesen worden, dass sich die Situation ändern wird, sagt Jan Rechsteiner von der Direktion Bildung und Sport.

Man habe grundsätzlich Verständnis für das Vorgehen von Olten gezeigt, die Gemeinden hätten nun selbst zu entscheiden, ob und wie sie reagieren. Die Stadtverwaltung hat derzeit keine Kenntnis von konkreten Massnahmen in Nachbargemeinden – es kann ihr, böse gesagt, ja auch egal sein.

Da in einer Gemeinde jeweils nur einzelne Familien mit ihren Kindern betroffen sind, werden sie kaum darauf hoffen dürfen, dass ihr Problem hohe Wellen wirft. Man sei von Olten informiert worden und wisse, dass einzelne Eltern einen Krippenplatz in Olten haben, sagt etwa Winznaus Gemeindepräsident Daniel Gubler. Man sehe aber keinen Handlungsbedarf.

Gleich tönt es in Trimbach. Hier wurde im August eine eigene Kinderkrippe eröffnet, die von der Gemeinde aber (abgesehen von einem vergünstigten Mietzins) nicht subventioniert wird.

Eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde an solchen Angeboten sei schon wiederholt klar abgelehnt worden, sagt Finanzverwalter Adolf Müller. Dementsprechend stehe es auch nicht zur Diskussion, auf die neue Regelung in Olten zu reagieren.

Lange Wartelisten

Dass sich auswärtige Eltern nach Alternativen umsehen (müssen), scheint in Olten auch ein nicht ganz unbeabsichtigter Nebeneffekt der Umstellung auf die Subjektfinanzierung zu sein.

Man hoffe, mit den zwei neu dazukommenden Krippen und weniger Belegungen durch Kinder von auswärts den Bedarf nun besser abdecken und Wartelisten abbauen zu können, so Jan Rechsteiner.

Ein namhaftes Angebot an freien Plätzen (acht) meldet auf Nachfrage derzeit tatsächlich nur die erst vor einem Jahr eröffnete Kinderkrippe SmallWorld. Obwohl ebenfalls bis jetzt nicht subventioniert, habe man auch bei «Lilly & Lars» nach zwei Jahren bereits Wartefristen bis zu einem Jahr, sagt Krippenleiterin Corinne Gehrer.

Sie und Kollegin Beata Zeller wären also offenbar nicht auf städtische Unterstützung angewiesen, um ihre Kita auslasten zu können.

Sie begrüsse das Modell mit den Betreuungsgutschriften aber auch aus pädagogischer Sicht: «Es gibt eine bessere Durchmischung wenn sich auch Eltern aus unteren sozialen Schichten einen Krippenplatz leisten können», so Gehrer. Die Krippen könnten so auch einen Beitrag zu Prävention und Integration leisten.

Wobei: Teurer wird es für die Eltern auch mit Betreuungsgutschriften: Die Stadt vergütet nur die Differenz zu den Plankosten von 100 Franken.

Das heisst zum Beispiel: Bei einem Einkommen von 80 000 bis 84 000 Franken liegt der Selbstbehalt (bei einem Tagestarif von 110 Franken) bei 65 Franken und damit 10 Franken über dem heutigen Elterntarif. Das macht bei einer fünftägigen Belegung im Jahr 2500 Franken aus.

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