Bei den Wahlen in den siebenköpfigen Gemeinderat kommt es zu Sitzverschiebungen: Als grösste Verliererin in Hägendorf gilt die SVP. Sie ist stimmenmässig mit 18,8 Prozent nur noch viertstärkste Kraft und holt noch einen Sitz. Vor vier Jahren machte die Volkspartei mit 24 Prozent zwei Sitze und war noch zweitstärkste Kraft.

Für den neuen Parteipräsidenten Tobias Fischer ist das Resultat nicht zufriedenstellend. Er führt dies auf die Liste mit nur zwei Kandidaten zurück. «Wir müssen in vier Jahren eine grössere Liste mit einem breiteren Spektrum präsentieren.» Kampflos preisgeben wird die SVP auch das Amt des Gemeindepräsidenten, das die Partei bis anhin mit Albert Studer innehatte. Er wird nach acht Jahren nicht mehr antreten.

Weiterhin stärkste Partei im Dorf ist die FDP mit 31,4 Prozent Stimmenanteilen. Vor vier Jahren waren es noch 42,3 Prozent. Wegen des Verlusts von knapp 11 Prozentpunkten müssen die Freisinnigen einen Sitz abgeben und kommen noch auf zwei Mandate. Parteipräsident Patrick Rossi hat damit gerechnet, dass sie einen Sitz abgeben müssen. «Die SP hatte eine starke Liste.» Andererseits freut er sich, dass zumindest die beiden Bisherigen wieder in den Gemeinderat gewählt wurden. Der bisherige Vizegemeindepräsident Heiner Roschi ist nicht mehr zur Wahl angetreten.

Definitiv kein Thema ist für die stärkste Partei das Gemeindepräsidium. Rossi ist erst seit Kurzem im Rat und Uli Ungethüm hat aus beruflichen Gründen keine Zeit. Für das Vizepräsidium zeigt sich die Partei aber interessiert.

Damit wird das Gemeindepräsidium unter den beiden Gewinnerparteien des Wahlsonntags ausgemacht. Die CVP wie die SP holten sich neu einen zweiten Sitz. Der CVP-Präsident Fabian Lauper erhält im Dorf mit 881 Stimmen am meisten Zuspruch. Trotzdem wird der bestgewählte Gemeinderat definitiv nicht als Gemeindepräsident antreten. «Das persönliche Umfeld stimmt für mich derzeit nicht», sagt Lauper auf Anfrage. Vor zwei Monaten zeigte er noch Interesse.

Damit ist das Feld frei für Andreas Heller, der am Sonntagnachmittag erneut bekräftigte: «Ich als Person und die Partei haben grosses Interesse am Amt.» Nun muss der 45-Jährige abklären, wie er Beruf, Familie und Politik künftig unter einen Hut bringen kann. Zudem will er noch das Gespräch mit den anderen Parteien suchen. Heller ist bei der SBB tätig und führt eine Gruppe von zehn Mitarbeitern. Für eine Kampfwahl gegen Lauper wäre er aber nicht zu haben gewesen. Die Anmeldefrist fürs Gemeindepräsidium läuft bis nächsten Montag, 17 Uhr. Tritt nur ein Kandidat an, gilt dieser in stiller Wahl gewählt.

Die SP ist somit die grosse Gewinnerin in Hägendorf. Sie ist neu zweitstärkste Kraft mit 27,8 Prozent und machte so stimmenmässig gegenüber vor vier Jahren 10 Prozentpunkte gut. Zudem könnte sie bald den Gemeindepräsidenten stellen.

Ein Kuriosum gabs auf der SP-Liste auch noch: Weil Patrick Thomann und Neo-Kantonsrätin Nadine Vögeli genau gleich viele Stimmen holten, nämlich 474, entschieden sie per Jasskarte, wer Gemeinderat wird: Thomann schnappte sich den Sitz mit der Schaufel 10, Vögeli hatte nur die Schaufel 9. Letztere zog sich danach zurück. Laut der Staatskanzlei ist diese freie Interpretation des Losentscheids innerhalb einer Liste in Ordnung.