Wangen bei Olten
Online-Podium mit Gemeinderatskandidierenden zeigt: Die Schule soll im Dorf bleiben

Die Gemeinderatskandidierenden in Wangen bei Olten diskutieren an einem Online-Podium zu diversen Themen.

Jürg Salvisberg
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Das Schulhaus Hinterbüel soll in den nächsten Jahren saniert und erweitert werden. Die Frage beim Online-Podium drehte sich darum, ob die Steuern dafür erhöht werden müssen und ob die Oberstufe weiterhin selbstständig bleiben soll – ausser die Sek-P.

Das Schulhaus Hinterbüel soll in den nächsten Jahren saniert und erweitert werden. Die Frage beim Online-Podium drehte sich darum, ob die Steuern dafür erhöht werden müssen und ob die Oberstufe weiterhin selbstständig bleiben soll – ausser die Sek-P.

Bild: Bruno Kissling

Während andernorts mangels Kandidatenüberschuss stille Wahlen stattfinden, bewerben sich in Wangen bei Olten für die nächste Amtsperiode 21 Personen um die 7 Sitze im Gemeinderat. Die lebendige Dorfpolitik bot dem Gewerbeverein Anlass genug, die Tradition eines Podiums diesmal online fortzusetzen. Als Co-Präsidenten empfingen Björn Sonderegger und Nicole Grütter am Montagabend je 8 Kandidatinnen und Kandidaten zu einem Zoom-Meeting, das insgesamt mehr als 50 Interessierte verfolgten.

Trotz Verspätungen und Tonproblemen schaffte es Kommunikationsprofi Andreas Stettler als Moderator, die Vorstellungsrunde und die vorgesehenen Fragen in netto anderthalb Stunden Redezeit an den Mann und an die Frau zu bringen. Dass die Form nicht zur direkten Widerrede einlud, machte die grosse Runde wohl weniger streitlustig als bei physischer Präsenz. Ideologische Differenzen wären aber auch so wahrscheinlich im Hintergrund geblieben. Denn alle waren um eine sachliche Auseinandersetzung bemüht. Ganz einig waren sie sich beim Thema Dorffest, das fortan in einem regelmässigen Turnus stattfinden soll.

Aufwertung für Dorfzentrum gewünscht

«Im Dorfzentrum hat Wangen sein grösstes Potenzial», benannte die amtierende Gemeindepräsidentin Daria Hof (FDP) einen allseits gewünschten Entwicklungsschwerpunkt. Erstrebenswert seien die geplante Aufwertung der Personenunterführung, um die Dorfhälften besser zu verbinden, sowie die Ansiedlung einer Apotheke, eines Elektrogeschäfts und eines Kiosks. Es gelte Anreize für die Liegenschaftsbesitzer zu schaffen, um die Dorfstrasse attraktiver zu gestalten, meinte Martin Blapp (Grüne), der auch eine Tempo-30-Zone ins Spiel brachte. Gemeinderat Christian Riesen (SVP) monierte, dass man es bei der letzten Ortsplanungsrevision verpasst habe, mit den privaten Eigentümern zu reden. «Das soll nun korrigiert werden.»

Angesichts der bevorstehenden Investitionen in den Fussgänger- und Veloverkehr sowie in die Sanierung und Erweiterung des Schulhauses Hinterbüel lag das Thema Steuererhöhung in der Luft. Florian Wüthrich (FDP) plädierte als Ressortchef Finanzen im Gemeinderat dafür, ein Wachstum und eine Attraktivitätssteigerung mit den vorhandenen Mitteln anzustreben, eine Schuldenspirale zu vermeiden und auf eine Steuererhöhung zu verzichten. Gemeinderätin Bettina Widmer (SP) räumte ein, dass gewisse Streichungen nötig seien. «Wir dürfen uns aber auch nicht in Grund und Boden sparen». Für neue Investitionen sei eine gewisse Verschuldung unumgänglich und koste derzeit nicht viel. Daneben gelte es auch die Optionen für den Umgang mit Landreserven und eine erträgliche Steuererhöhung offen zu halten.

Um die Dorfpolitik gewerbefreundlicher zu gestalten, könnte sich ihr Parteikollege Cyril Lüdi vorstellen, den Steuerfuss für juristische Personen zu schonen. Christian Riesen (SVP) und Martin Blapp (Grüne) fordern, bei Ausschreibungen lokale Anbieter besser zu berücksichtigen. Pierino Guardiani (FDP) verlangt vom künftigen Gemeinderat, mehr Gewerbe nach Wangen zu holen.

Lieber keine Fusion mit Olten

Auf Synergien mit dem städtischen Nachbarn angesprochen, mochte niemand die bestehende Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen konkret in Frage stellen. Doch nur einer wollte mit einem persönlichen Statement ganz weit gehen. Eine Zusammenlegung der Einwohnergemeinden schien Cyril Lüdi (SP) auf längere Sicht unumgänglich. Bettina Widmer (SP) wollte eher die eigene Einwohnergemeinde und Bürgergemeinde fusioniert sehen, als Olten den Lead zu überlassen. Insbesondere bekannte sie sich als Verfechterin einer selbstständigen Oberstufe mit Ausnahme der Sek P. Je grösser eine Schule, desto anonymer sei sie und deshalb anfälliger für Mobbing. «Ich bin stolz auf die Schule vor Ort», meinte auch Pierino Guardiani (FDP). Sie sei ein wichtiges Argument für neue Familien. «Kosten tut es so oder so.» Michael Heuri (Grüne) plädierte dafür, Synergien nicht immer nur nach Osten, sondern auch nach Westen zu sichten. Christian Waldmeier (SVP) warb für Pragmatismus. Es lohne sich nur dann, sich um jeden Preis gegen eine Integration in die Region zu sperren, wenn Alleinstellungsmerkmale Sinn machten.