Die Schüler sitzen an ihren Pulten im Unterrichtszimmer, den Fokus voll auf ihren Tablet-Computer gerichtet. Mit flinken Fingern fahren sie über den Touchscreen. Dieses Bild ist längst keine Seltenheit mehr an Schulen, digitale Medien werden immer mehr in den Unterricht integriert.

Georg Berger, Direktor des Berufsbildungszentrums Olten, schilderte am Dienstag an einer Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem hep verlag über die ersten Erfahrungen der Berufsschüler am BBZ im Umgang mit digitalen Medien im Unterricht.

Das BBZ Olten ist Teil eines Pilotprojekts, das noch in den Anfängen steht. Zwei Klassen arbeiten dabei versuchsweise mit digitalen Lehrmitteln. «Wir wollten im Rahmen dieses Projekts Erfahrungen und Erkenntnisse mit dem Einsatz elektronischer Medien sammeln», so Georg Berger an der Veranstaltung, an der rund 40 Personen aus den Berufsverbänden teilnahmen. «Zudem wollten wir sehen, wie wir die neuen Technologien adäquat und zielführend in den Unterricht einbeziehen können.»

Dank App weniger Zeitaufwand?

Rund 70 Berufsschülerinnen und -schüler lernen Allgemeinbildungsthemen derzeit mit einer App des hep verlags. BBZ-Direktor Georg Berger nannte Zahlen, die darüber Aufschluss gaben, wie die Schüler die Software einschätzen.

So gaben fast drei Viertel der Befragten an, dass sie mit der Bedienung der Software gut bis sehr gut klarkamen. 69 Prozent sagten auch, dass ihre Motivation, mit der Software zu arbeiten, gross sei.

Bei deren vier Prozent ist sie dagegen klein. Von der Mehrheit wird der Lernerfolg als gross eingeschätzt. 42 Prozent der befragten Berufsschüler finden zudem, dass ihr Arbeitsaufwand für den Unterricht durch die App geringer geworden ist. 33 Prozent allerdings gaben an, der Aufwand sei grösser.

Berger gab auch einige O-Töne der Schüler weiter. «Mir gefällt, dass man eigene Notizen einfügen und Wörter direkt im Lexikon nachschlagen kann», sagt etwa eine 17-jährige angehende Logistikerin.

«Die App verleitet wegen der vielen Funktionen zum Spielen», so ein 18-jähriger angehender Logistiker. Und eine 16-jährige angehende Zeichnerin hielt fest: «Das Gute an den Fragen der App ist, dass ich mich immer gleich selber korrigieren kann. In seinem Fazit kam der BBZ-Direktor zum Schluss: «Es ist sicher der richtige Weg, Lern-Apps gezielt im Unterricht einzusetzen. Aber klar ist auch, dass Bücher nicht ausgedient haben. Sowohl die digitalen, wie auch die analogen Medien haben ihre Stärken.»

Die richtigen Fragen stellen

An der vom hep verlag organisierten Veranstaltung ging Verwaltungsratsmitglied Beat Döbeli die Potenziale von digitalen Lehrmitteln ein. Dass die Schüler nicht mehr so viele schwere Bücher schleppen müssen, wenn sie ihre Lehrmittel auf nur einem Tablet-Computer gesammelt haben, sei nur ein Vorteil, den die Digitalisierung mit sich bringe.

Beat Döbeli von der Pädagogischen Hochschule Schwyz zeigte aber auch auf, was eine Lern-App im Vergleich zum herkömmlichen Buch zusätzlich bringen kann. «Bilder können herangezoomt, Filme und O-Töne ins Lehrmittel integriert werden.»

Zudem gebe es die Möglichkeit der Interaktivität, etwa dass Schüler selbst korrigierende Übungen machen können. Auch eine Interaktion mit Mitschülern oder der Lehrperson ist bei digitalen Lehrmitteln möglich – anders als beim Formelbuch.

«Wir verwandeln uns von einer Buchgesellschaft in eine Informationsgesellschaft», so Döbeli in seinen Ausführungen. Das erfordere andere Stärken. «So wird es künftig für Schüler, die das Lexikon jederzeit greifbar auf ihrem iPhone bei sich haben, künftig wichtig sein, die richtigen Fragen zu stellen. Sie müssen lernen zu hinterfragen, was auf 20min oder auf Wikipedia steht.»