Sein Auswanderertraum ist in Erfüllung gegangen, das spürt man sogar durch den Telefonhörer: «Während ich hier mit Ihnen spreche, sitze ich in meinem Wohnzimmer und blicke hinaus aufs Meer», erzählt Daniel Wenk begeistert. Heute ist sein freier Tag.

Letztes Jahr im Juni eröffnete Daniel Wenk zusammen mit seiner Frau Sandra «Daniel’s Swiss Bakery» im schottischen Edinburgh. Um die Produktion und den Verkauf der Brote, Wienerli im Teig, Schoggigipfeli und Chäschüechli in seiner «Swiss Bakery» kümmert er sich alleine. Seine Frau Sandra ist zuständig für die Buchhaltung und die Werbung.

Anders als bei vielen Auswanderer-Geschichten war das Projekt lange geplant und durchdacht. «Meine Frau und ich haben diese Auswanderer-Sendungen immer mit grossem Genuss geschaut und uns darüber amüsiert, wie man so ganz ohne Planung und finanziellen Rückhalt in ein fremdes Land auswandern kann», erzählt der Oltner. Diese Herangehensweise entspräche jedoch ganz und gar nicht seinem Naturell. «Ein bisschen Plan B war das Ganze aber schon», so Wenk weiter. Nachdem er mit damals 48 Jahren in der Schweiz keine berufliche Zukunft für sich mehr sah, war es Zeit für einen Neustart. Der Plan: Nach Schottland auswandern und eine eigene Bäckerei eröffnen, spezialisiert auf Schweizer Qualitätsprodukte.

Querdenken ist gefragt

Der gelernte Bäcker-Konditor hatte jedoch schon lange nicht mehr auf seinem Beruf gearbeitet. Er musste also sein Wissen vor dem grossen Schritt noch einmal auffrischen. So klopfte der Querdenker kurzerhand bei der Hägendörfer Bäckerei Vögeli an, um dort sein Können zu verbessern und so seine Kenntnisse von früher wieder «aus den hintersten Schublädli im Kopf» hervorzuholen. Die Besitzerin Susi Vögeli kannte ihn als treuen Kunden schon länger und war schnell zu begeistern. Für diese Unterstützung ist er sehr dankbar: «Ich kann der Bäckerei Vögeli nicht genug danken.»

Doch wie kam er überhaupt zur Idee, ausgerechnet in Schottland eine Bäckerei zu eröffnen? Bereits im Jahr 2007 hat Daniel Wenk das Land zum ersten Mal bereist: es war Liebe auf den ersten Blick. Als er dann drei Jahre später mit seiner Frau Sandra eine weitere Reise unternahm, merkte er sofort, dass es ihr genauso erging. Für die beiden war klar, die geplante Hochzeit würde in ihrem gemeinsamen Lieblingsland stattfinden.

Das Ehepaar spielte mittlerweile in einer Pipe-Band, um ihre Leidenschaft für Schottland auch in einem Verein ausleben zu können. «Die Idee zur Auswanderung war da, doch erst durch positives Feedback von aussen wurden wir uns immer sicherer, dass das Ganze auch machbar ist», blickt Wenk zurück. Am Geburtstagsfest von einem der Vereinsmitglieder lernten sie schliesslich den Schweizer Honorarkonsul in Edinburgh kennen. Dieser stand ihnen von da an mit seinem Fachwissen zur Seite. Nach etlichen Geschäftsreisen nach Schottland waren schliesslich Lieferanten und ein Ladenlokal gefunden. Für die Finanzierung seines Traums verkaufte er sein Haus und löste seine Altersvorsorge auf.

Preisgekröntes Weissbrot

Der Aufwand hat sich gelohnt: Letzte Woche gewann Daniel Wenk mit seiner Bäckerei den Silver Award der Scottish Bakers Association in der Kategorie Brot für ihr Weissbrot. Der Award ist eine besondere Ehre, denn der Bäcker hat sich ursprünglich gar nicht zum Wettbewerb angemeldet. Stammkunden gaben die «Swiss Bakery» als ihre Lieblingsbäckerei an. Wenk ist begeistert: «Jetzt hat mich natürlich der Hafer gestochen. Nächstes Jahr will ich gleich mit mehreren Produkten antreten.» Wenk und seine Frau denken sogar über die Eröffnung einer zweiten Geschäftsstelle nach. Künftig sollen auch Fonduemischungen, Fleischkäse und andere Schweizer Produkte verkauft werden. «Reich wird man davon zwar nicht, aber das war auch nie unsere Erwartung. Solange wir davon leben können, bin ich zufrieden», so Daniel Wenk.

Heute ist knapp ein Jahr seit der Auswanderung vergangen. Der bald 51-Jährige klingt glücklich: «Ich habe noch nie zuvor eine so erfüllende Arbeit gefunden. Meiner Frau und mir macht das alles hier so grossen Spass, da ist es egal, wenn man täglich 12 bis 13 Stunden arbeitet.» Das Ehepaar fühlt sich in Schottland zu Hause: «Natürlich vermisse ich meine Familie und engen Freunde, meiner Frau geht es genauso. Doch die Schweiz als Land fehlt mir überhaupt nicht.»