Beim Betreten von Gabriella Kaspars Blumenladen in Kappel fällt das Auge schnell auf einen Bund weisser Rosen. Überhaupt wiegt die Kombination aus Grün und Weiss in Kaspars Kreationen vor. «Rosen mag ich am liebsten», verrät die 55-Jährige auch gleich. Vor allem diejenigen aus dem eigenen Garten des Schlossgartens Riggisberg im Kanton Bern, wo Kaspar seit eineinhalb Jahren angestellt ist. Auch ihr Wohnort hat sich verändert. Aufgrund von familiären Veränderungen zog die gebürtige Kappelerin vor drei Jahren ins bernische Bolligen.

Seither sei es etwas schwieriger geworden, den Laden weiterhin betreiben zu können. Doch ganz aufgeben will sie ihr eigenes kleines Reich nicht. «Ich hänge sehr an meinen Wurzeln. Und die liegen hier.» Obwohl man sie nicht mehr so oft im Dorf antreffe, könne sie weiterhin auf ihre Stammkundschaft zählen wie die hiesigen Dorfvereine oder Freunde und Verwandte. «Man muss jetzt halt ein wenig spontaner sein mit mir», sagt Kaspar scherzend.

Keine typische Blumenverkäuferin

Entstanden ist das Atelier für florale Gestaltung «Blumen und so...» vor 15 Jahren. «Es war eine Spontanaktion», sagt Kaspar. Nach dem Umbau des Elternhauses in ein mehrstöckiges Wohngebäude seien die unteren Räumlichkeiten vorerst leer geblieben. «Aber schon zu Urgrossmutters Zeiten befand sich darin ein Laden», erzählt Kaspar. «Weil ich zu diesem Zeitpunkt keine Anstellung hatte, bot sich ein Laden an.»

Anfangs betrieb Kaspar diesen nur während eines halben Tages. Bald schon stockte sie auf, betrieb das Atelierganztags, dann während zweier Tage. Zu Spitzenzeiten war das Lädeli sogar drei Tage die Woche geöffnet. Mittlerweile ist es wieder nur einen halben Tag lang offen, und zwar am Samstagmorgen. Aber: «Ich bin keine typische Blumenverkäuferin», gibt Kaspar zu verstehen. «Ich mache viel lieber Bestellungen für Anlässe wie Hochzeiten, Beerdigungen oder Geburtstage.»

Nebst diesen stellt Kaspar beispielsweise auch den saisonalen Blumenschmuck für ein Restaurant in Olten her. «Für solche Anlässe brauche ich keine fixen Öffnungszeiten.»
Am 10. November führt Kaspar einen Tag der offenen Tür durch. «Es ist sozusagen ein kleiner Vorgeschmack auf den Advent», so die Kappelerin. Blumen brauche es schliesslich immer. Was man im Atelier aber nicht findet, sind vorgefertigte Sträusse. «Blumenschmuck soll für jeden etwas Einmaliges sein», findet die Floristin. Deshalb bezeichnet sie ihr Atelier auch eher als Werkstatt. «Man kann mir sagen, was man sich wünscht und dann stelle ich die Blumen diesen Vorstellungen entsprechend zusammen.»

Zwar dauere dieser Vorgang länger, als wenn man einfach einen fertigen Strauss auslesen könnte. Für Kaspar ist es jedoch wichtig, dass ihre Kunden die Arbeit hinter ihrem Handwerk sehen und nicht nur das fertige Produkt. So habe man auch immer Zeit für einen Schwatz und so könne sie ihre Freude an der Kunst weitergeben. «Ausserdem kann ich die Leute als Menschen wahrnehmen und nicht nur als Kunden.»

«Passt alles so, wie es ist»

Die Leidenschaft für ihr Handwerk steht für Kaspar im Vordergrund: «50 Prozent des Werks kommt vom Herzen. Die anderen 50 Prozent sind Verdienst.» Aus diesem Grund war der Laden auch nie Kaspars Haupteinnahmequelle. «Wenn es nur noch ums Geld geht, leidet das Gestalterische», ist Kaspar überzeugt.

«Wenn ich von meinem Laden leben müsste, wäre bestimmt vieles anders», überlegt die Kappelerin. «Ich müsste expandieren, den Standort wechseln, jemanden anstellen. Das wäre viel zu viel Aufwand», sagt Kaspar und lacht. «Nein, nein, das passt alles so, wie es ist.» So habe sie engen Kontakt zu ihrer Kundschaft, kann spontan sowie flexibel sein und individuell auf die Wünsche ihrer Kunden eingehen. Doch hauptsächlich habe sie so ein Handwerk, das ihr Ruhe und Energie schenke.

Blumengarten als Kraftort

«Ich habe mein Leben lang mit Blumen gearbeitet und es ist mir nie verleidet», so Kaspar. «Floristin zu sein ist noch immer mein absoluter Traumberuf.» Diesen führt sie nebst dem Laden in Kappel auch im Schlossgarten Riggisberg aus, einem Kompetenzzentrum für erwachsene Menschen mit psychischen oder geistigen Beeinträchtigungen.

«Dort haben wir riesige Blumenfelder», schwärmt Kaspar. «Durch diese kann ich in aller Ruhe durchspazieren und danach den Blumenschmuck aus freien Stücken gestalten.» An anderen Tagen arbeite sie eng mit den Bewohnern des Zentrums zusammen und gibt ihnen die Liebe zu Blumen weiter. «Der Schlossgarten ist mein Kraftort», sagt die Kappelerin. «Die Energie, die ich daraus gewinne, kann ich dann wieder in meine Arbeit stecken.» Vor allem die Pfingstrosen aus diesem Garten haben es ihr angetan: Eine steht in einer Vase in ihrer Küche. Die Farbe? Natürlich weiss.