Am 4. Juni titelte diese Zeitung: «Wenn der Schulleiter ginge, wäre allen gedient.» Am 1. Juni hatte der am Donnerstag in Hägendorf entlassene Leiter der Primarschule, Thomas S., zu dieser Zeitung gesagt: «Ich habe Fehler eingestanden.» Und am 31. Mai, als die letzte öffentlichen Zusammenkunft von Elternschaft und Behörden stattfand, war die Kluft zwischen den beiden Seiten mehr als nur spürbar. Nun hat der Gemeinderat unter der Ägide von Gemeindepräsident Albert Studer die Reissleine gezogen: Man habe beschlossen sich «in gegenseitigem Einvernehmen per sofort zu trennen», hiess es in der Medienmitteilung vom Donnerstag.

Viele Kapitel

Die Dramaturgie der Ereignisse hat viele Kapitel: Wenn Albert Studer sagt, man habe der Schule von behördlicher Seite zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, dann ist dies das eine. Das andere ist: Unbemerkt entwickelte sich eine unverrückbare Schieflage zwischen Elternschaft und Schulleitung Und: Ein rundes Fünftel der Lehrerschaft hatte im Laufe der letzten Monate die Kündigung eingereicht.

Die Gründe dafür blieben für die Öffentlichkeit weitgehend im Dunkeln. Nicht zuletzt darum, weil die Opposition, zu der auch die Elternschaft und damit OT-Fotograf Bruno Kissling gehört, angibt, keine unfaire und auf die Person spielende Auseinandersetzung gewollt zu haben. Sie habe mit konkreten Beispielen, die in ihrer Summe die Verwerfung hätten zu erklären vermocht, hinter dem Berg zurückgehalten. «Den Konflikt nicht zur Schlammschlacht werden zu lassen war uns wirklich wichtig», so Kissling, der bereits zu Beginn des offen zutage tretenden Konflikts S.' Abgang gefordert hatte.

«Wir fühlten uns auch nie richtig ernst genommen», so Kissling weiter. Ein Zeichen, das dies verdeutlicht, war die Form der Einladung zum letzten Informationsgespräch am 31. Mai. Per Inserat im Anzeiger. Für viele aus der anwesenden Opposition zu diskret: «Für jeden Mist macht ihr sonst einen Zettel und gebt diesen den Kindern mit nach Hause», hatte eine kritische Stimme moniert. «Natürlich ist das auch nur ein Mosaikstein von Hunderten», räumt Kissling ein. Aber der verdeutliche auch, wie mit unbequemen Haltungen umgegangen werde. Sie kleinhalten, runterspielen. Er bedauert im Nachgang, dass der Konflikt so lange vor sich hin schwelte und erst jetzt Konsequenzen gezogen wurden. Festfreude darüber komme aber keine auf. «Uns war die Lösung dieses Konflikts ein wirkliches Anliegen.»

Druck erzeugt Wirkung

Der Druck der Eltern hatte durchaus Wirkung, was Albert Studer am Freitag auf Anfrage bestätigte. Es sei nie halbwegs Ruhe eingekehrt in dieser Frage, eine prozessorientierte Lösung sei dadurch verunmöglich worden. «Irgendwann mal reift dann der Gedanke, dass es für Schule und Schulleiter am besten ist, wenn ein Schlussstrich gezogen wird.» So kamen er und der Gemeinderat zum Schluss: Eine gütliche Trennung von Schulleiter Thomas S. sei die beste Lösung. Die Trennung ist von einer Geldzahlung begleitet, zu deren Höhe sich Studer nicht äussern will. «Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart», so der Gemeindepräsident.

Er habe sich vor den Schulleiter gestellt, weil der Schutz von Arbeitnehmern gegen Anwürfe auch zu seinen Aufgaben gehöre, rechtfertigt der Gemeindepräsident seine Praxis, nach einer Lösung zu suchen, die den bisherigen Schulleiter, Lehrkörper und Eltern mit im Boot haben wollte. Von einer Unterschätzung der Problematik Schulleitung-Schule-Elternschaft will Studer nichts wissen. Jedoch: «Das Vertrauen ist dahin», stellt er fest. Er ist überzeugt, mit der Trennung vom Schulleiter die Probleme an der Primarschule noch nicht überwunden zu haben. Dennoch ist er zuversichtlich, in Sachen Schulleitung Anfang Schuljahr zumindest eine Ad-interim-Lösung bereit zu haben.

Mit der Trennung vom Schulleiter ist auch die gegen die Schulsekretärin Monika Kronenberg ausgesprochene Verwarnung per sofort zurückgezogen worden. Die Verwarnung kam zustande, weil sich Kronenberg zu stark in die Belange der Schulleitung eingemischt haben soll. «Ein ungerechtfertigter Vorwurf», wie Studer findet. Die beiden hätten einfach eng zusammengearbeitet. Ob das nun für Monika Kronenberg die volle Entlastung bedeutet? «Nicht ganz», so Studer. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Zusammenarbeit unter einer neuen Schulleitung entwickle.

Für die involvierten Eltern ist nun der Boden geebnet für einen sauberen Neustart, der das Vertrauen in Hägendorfs Primarschule beziehungsweise dessen Leitung wieder herzustellen vermag. Bereits hatten Immobilienhändler vom schlechten Image der Schule Kenntnis nehmen müssen. Dadurch waren gewisse Immobilien nur schwer vermittelbar.

Was also tun? Für Kissling wäre die Einrichtung eines Elterngremiums hilfreich. «Dadurch bekommen Eltern zwar nicht ein Mitspracherecht, aber zumindest eine Stimme.» Ihm sei aufgefallen, dass mit dem Verschwinden der Schulkommission Eltern praktisch keinerlei Möglichkeiten mehr hätten, ihre Anliegen vorzutragen und auf neutrale Ohren zu stossen. Auf jeden Fall aber sei die Kommunikation dringend verbesserungswürdig, Und was den Geldfluss im Zusammenhang mit der gütlichen Trennung angeht, gibt sich Kissling zurückhaltend: «Sofern die Summe nicht zwei, drei Monatslöhne übersteigt, meinetwegen.» Thomas S. war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.