Ich bin ja jetzt kein grosser Fan von Gewerbeausstellungen, wirklich nicht. Weil ich selten den Drang verspüre, mir ein Elektrogerät anzuschaffen oder Shabby-Chic-Möbel in die Wohnung zu stellen. Erstaunlicherweise wird mir aber gerade die Rexpo in Hägendorf in sehr erfreulicher Erinnerung bleiben. Was, um ehrlich zu sein, weniger der Ausstellung selbst geschuldet ist als dem Umstand, dass ich mit Fotograf Bruno Kissling unterwegs war.

Kissling ist selbst Hägendörfer. Bereits am Eingang zur Halle wird er von mehreren Seiten freudig begrüsst. Er kriegt eine Scheibe Speckzopf in die Hand gedrückt, ein paar «Hoi» werden ausgetauscht, Kissling reisst ein paar Sprüche, empfiehlt sich: «Bis nachher, ich komme später nochmals vorbei.» Wir sind ja schliesslich zum Arbeiten hier. Rein gehts in die Raiffeisen Arena. Ich begebe mich schnurstracks an den Stand von Caffè Barone, wo mir Christian Dietiker einen feinen Kafi kredenzt. Sogar in einer Keramiktasse, ich bin sehr angetan. Kissling indes habe ich irgendwo auf dem Weg abgehängt.

Man kennt sich schliesslich

Ihm steht der Sinn offenbar nach etwas anderem, vom Stand der Mobiliar-Versicherung winkt er mir mit einem Glas Weisswein zu. Gute Idee, finde ich, und setze mich zu Bruno Kissling, Fabian Aebi von der Mobiliar und zum Architekten Marc Thommen an den Tisch. Die beiden sind als Aussteller hier, um Präsenz zu zeigen. Und der Geselligkeit wegen, man kennt sich schliesslich in der Region. Die drei Herren diskutieren Lokalpolitik, der schöne Jüngling hinter der Mobiliar-Bar giesst mir derweil ein Gläschen Wein ein. Wunderbar.

Ach ja, die Arbeit ruft. Wir füllen noch schnell einen Wettbewerbstalon aus, Kisslings Cousine sagt Hallo, dann ziehen wir weiter. Vorbei an Art-Brut-Gemälden, an Suppenwürze, an «Alukarren zum Superpreis». An Popcorn, Nüssli und Chips, die in Plastikschälchen zum Knabbern bereitstehen. Die meisten Aussteller scheinen zufrieden zu sein, das Geschäft laufe ordentlich. Kissling schiesst Fotos.

Ein älterer Hägendörfer spricht ihn an, «Geits der guet?» Während Kissling sich mit dem Herrn unterhält, überreicht mir die Firma Elektro Fürst eine Werbetasche. Darin befinden sich: zwei Holzkellen, einige Säckli Gummibärli, ein Kugelschreiber, ein Katalog. Sehr gut, das ein oder andere kann man sicher gebrauchen.

«Schau da drüben», sage ich zu Kissling, «da gibts was!» Ich deute auf den Stand von Imhof Weinbau Sissach. Er ist empört, «ich muss no schaffe!» Hallo, denke ich, wer hat bitte damit angefangen? Bei der freundlichen Frau Imhof probiere ich einen Sissacher Kerner, einen süsslichen Apérowein, köstlich. Die Schnäpse schauen auch super aus, aber okay, es ist erst Mittag. Und eben, wir arbeiten. Kissling ist schon wieder in ein Gespräch verwickelt.

Vorbei an noch mehr Wein

Vorbei gehts am Seniorenzentrum Untergäu (Kissling: «Anmeldungen nehmt ihr frühestens 35 Jahre vorher entgegen, oder?»), am G’schänkli-Egge, an einer Holzbau- und einer Fensterfirma. Vorbei gehts auch an mehr Wein und einer prächtigen Käseplatte, die wir links liegen lassen. Wir haben mehrere Runden durch die Gewerbeschau gedreht, jetzt sind wir wieder am Ausgang angelangt. Dann, grosses Hallo aus der Richtung des Vögeli-Beck Hägendorf. Bekannte von Kissling, klar. Sie winken ihn zu sich rüber. Zeit für einen Kaffeeplausch.