Am kommenden Samstag wird Olten zur Hauptstadt der Sehbehinderten. Die Regionalgruppe Nordwestschweiz (RGN) des Schweizerischen Blindenbundes feiert ihr fünfzigjähriges Bestehen mit einer Jubiläumsgeneralversammlung im Kongresszentrum Arte in Olten.

Bereits im Januar startete der RGN ins Jubiläumsjahr, als er der Altersresidenz im Bornblick ein Bildschirmlesegerät schenkte. Der Blindenbund ist mit rund tausend Mitgliedern eine anerkannte Selbsthilfeorganisation und verfügt über einen Leistungsvertrag mit der Invalidenversicherung (IV).

Anfänge Ende der 50er-Jahre

Im Jahre 1958 gründeten siebzehn junge sehbehinderte Männer den Schweizerischen Blindenbund. Ihr Motto: hinaus aus den Heimen und Behindertenwerkstätte, hin zu einem mehr selbstbestimmten Leben, erzählt Richard Weissen, Ehrenpräsident der Zürcher Regionalgruppe und OK-Mitglied. Konkret konnte dies heissen, dass sie in einer betreuten Wohngruppe oder ganz selbständig wohnten, und dass sie ihren Lebensunterhalt nicht mit Korbflechten, sondern nach Möglichkeit als Physiotherapeuten oder Juristen selber bestritten. Auch konnten grosse Industrieunternehmen wie die BBC oder Landis & Gyr dafür gewonnen werden, behindertengerechte Arbeitsplätze anzubieten.

Als logische Folgerung davon initiierte der Blindenbund beispielsweise die erste Blindenführhundeschule in Allschwil und erwirkte, dass die Blindenhunde als «Hilfsmittel» von der IV anerkannt und finanziert wurden. Aber auch weniger auffällige Hilfe zur Selbsthilfe bietet der Blindenbund an, so neben Beratungen auch Kurse für Orientierung und Mobilität (O+M). Hier lernen die Sehbehinderten beispielsweise, den weissen Stock zu führen oder sich auf dem Weg zur Arbeit zurechtzufinden.

Um näher bei den betroffenen Menschen zu sein, wurden von Anfang an Regionalgruppen in Zürich, in der Ostschweiz und im Wallis gegründet. 1964 kam zu diesen drei Pionieren die Regionalgruppe Nordwestschweiz (RGN) hinzu, später noch die RG Bern. Die RGN umfasst die Kantone Solothurn, Aargau und beide Basel. Sie führt Beratungssstellen in Basel und Aarau. Ein wichtiges Element der Blindenarbeit sind die Begegnungs- und Erfahrungsgruppen. «Betroffene finden da Kontakte zu anderen sehbehinderten Menschen, erhalten nützliche Typs für den Alltag und können sich gegenseitig motivieren», erklärt Erika Wälti.

Die RGN bietet regelmässig ungezwungene gemeinsame Anlässe an. Am 20. März steht ein Neumitgliedertreff auf dem Programm, wo die dreissig neuen Mitglieder im Aarauerhof willkommen geheissen werden. Der traditionelle Frühlingsausflug führt heuer auf einen Bauernhof in Bellach, wo ein Brunch bereitstehen wird. Mehr auf die alltägliche Praxis ist eine gemeinsame Begehung des neuen Bahnhofs Aarau ausgerichtet. Dort liegt der Fokus auf möglichen «Stolpersteinen», die den Sehbehinderten begegnen könnten. Stolpersteine wie etwa die Raumgestaltung zwischen Trottoir und Eingang der neuen Fachhochschule. Geplant ist auch ein ungezwungener Singkreis mit der erfahrenen Chorleiterin Ruth Zschokke.

Mit der demographischen Entwicklung erhält das Engagement eine grössere Bedeutung. Mit dem Alter nimmt das Risiko des Sehkraftabbaus zu. Deshalb wird der Blindenbund im Jahr 2014 einen Schwerpunkt bei der Sehbehinderung im Alter setzen und die Zusammenarbeit mit pro Senectute suchen, um beispielsweise Seniorenkurse vermehrt für Sehbehinderte zu adaptieren.

Ebenfalls sehbehindert

Ein Jubiläum kann auch Erika Wälti, die Präsidentin der Regionalgruppe Nordwestschweiz feiern. Sie ist seit zehn Jahren Mitglied des Blindenbundes. 2006 wurde sie in den Vorstand gewählt, und bereits im folgenden Jahr übernahm sie das Amt der Präsidentin. Wälti ist ebenfalls sehbehindert. Bereits im Alter von 33 Jahren stellte man bei ihr eine Makula-Degeneration fest, ein Absterben der Sehzellen im gelben Fleck, der Stelle des schärfsten Sehens.

Erika Wälti ist der Typ, der sich seit je her engagierte, sei es früher am Arbeitsplatz im SMUV-Vorstand oder bei den Wanderfreunden Teufenthal. So ist sie überzeugt, sich in der RGN im Dienste einer guten Sache einbringen zu können. Zusammen mit Wälti arbeiten im Vorstand mit Rita Graf (Vizepräsidentin), Sabine Reist (Finanzen), Ruth Zschokke (Aktuarin) und Tamara Frey (Beisitzerin), die über Benevol zum Leitungsteam stiess.

Kontakt: Erika Wälti, Unteres Refental 7, 5722 Gränichen AG, Tel. 062 842 24 31; E-Mail erika.waelti@blind.ch