Pius Müller
Die rechte Hand des Armeechefs geht in den Ruhestand

Pius Müller aus Rickenbach ist in den letzten 33 Jahren als Berufsunteroffizier im Dienst der Schweizer Armee gestanden. Zuletzt war er Chefadjutant von André Blattmann. Jetzt tritt der 58-Jährige in den Vorruhestand.

Beat Nützi
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Pius Müller, mit Herz und Seele Diener seines Landes, verbrachte die letzten acht Berufsjahre als Chefadjutant von Armeechef André Blattmann.

Pius Müller, mit Herz und Seele Diener seines Landes, verbrachte die letzten acht Berufsjahre als Chefadjutant von Armeechef André Blattmann.

Bruno Kissling

Strammstehen hat er im Blut. Das hat der 58-jährige Pius Müller aus Rickenbach bereits vor 38 Jahren als Schweizergardist in Rom unter Beweis gestellt. Aber auch in den letzten 33 Jahren, die er als Berufsunteroffizier im Dienst der Schweizer Armee verbracht hat, zuletzt als Chefadjutant von Armeechef André Blattmann.

An dessen Seite bzw. im 20-köpfigen persönlichen Stab des Armeechefs hat Pius Müller, der jetzt in den Vorruhestand getreten ist, die letzten acht Berufsjahre verbracht. Die Position als Chefadjutant des Armeechefs sei das Höchste, das ein Adjutant-Unteroffizier erreichen könne, stellt Müller mit einem gewissen Stolz fest. Sonst zeichnet ihn eher Bescheidenheit aus.

Januar 1979 Pius Müller als Schweizergardist beim Handshake mit Papst Johannes Paul II. anlässlich dessen Antrittsbesuches im Gardequartier in Rom.

Januar 1979 Pius Müller als Schweizergardist beim Handshake mit Papst Johannes Paul II. anlässlich dessen Antrittsbesuches im Gardequartier in Rom.

zvg

Bezeichnend dafür ist etwa seine Bemerkung zu seiner Körpergrösse von 1 Meter 91: «Ich bin nicht gross, sondern lang. Grösse ist nicht eine Angelegenheit der Körperlänge, sondern des Charakters.»

Wichtige Charaktereigenschaften sind für Pius Müller: Pflichttreue, Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und Loyalität. In der Armee habe er in allen Funktionen stets ein von diesen Eigenschaften geprägtes Arbeitsumfeld angetroffen: «Deshalb war es mir immer wohl.» Auch, weil innerhalb der Armee Respekt, Anstand und Anerkennung anzutreffen seien.

Mit der Familie in Texas

Gerne blickt Pius Müller, der in Hägendorf aufgewachsen ist und seit 1985 mit seiner Familie in einem Eigenheim in Rickenbach wohnt, auf seine berufliche Laufbahn zurück. Vor seiner Tätigkeit als Instruktor bei der Gebirgs- und Feldinfanterie stand er u.a. zwei Jahre im Dienste der Schweizergarde in Rom zum Schutz von Papst Johannes Paul II. und eineinhalb Jahre bei der Uno in Genf.

Besonders gerne erinnert er sich an sein Ausbildungsjahr 1996/97 an der U.S. Army Sergeants Major Academy (Fort Bliss) in El Paso (Texas), das er mit seiner jungen Familie, die Kinder waren damals erst 4, 6 und 7 Jahre alt, in den USA verbringen durfte. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere erlebte er dann als Chefadjutant des Armeechefs an der Seite von Roland Nef im Sommer 2008 dessen Suspendierung sowie danach die Amtsübernahme durch André Blattmann, zuerst interimistisch und ab März 2009 definitiv.

Zur Erinnerung: Roland Nef trat am 1. Januar 2008 die Nachfolge von Christophe Keckeis an. Dieses Amt legte er bereits ein halbes Jahr später wieder nieder, nachdem im Juli 2008 Medien Details zu seiner Wahl sowie zu einer damals hängigen Untersuchung gegen ihn veröffentlicht hatten. Zu diesem Fall will sich Pius Müller nicht äussern, frei nach seinem Motto: «Man soll die Vergangenheit ruhen lassen.» So stellt Müller lediglich fest, es sei im Fall Roland Nef womöglich auch um politische Ränkespiele gegangen – und um den Kopf des damaligen VBS-Chefs Samuel Schmid.

«Fettnäpfchen-Chef»?

Was die Armee betrifft, plaudert Pius Müller nicht gerne aus dem Nähkästchen. Und er ist schon gar kein Whistleblower. Der Berufsmilitär ausser Dienst scheint eher nach dem Motto zu handeln: Behutsames Schweigen ist das Heiligtum der Klugheit. Aber wenn man ihn reizt, kommt er schon aus dem Busch. Vor allem, wenn man ihm Kritik an seinem letzten Chef, André Blattmann, unter die Nase reibt.

Müller widersetzt sich beispielsweise energisch der Darstellung Blattmanns als «Fettnäpfchen-Chef», der viele Pleiten und Pannen hinterlasse. So seien etwa für den Absturz des Gripen-Kampfjets an der Urne nicht die Militärs, sondern die Politiker verantwortlich. Und mit dem Rat Blattmanns, pro Haushalt sei ein Notvorrat von 30 bis 40 Sechserpackungen (rund 300 Liter) Mineralwasser ohne Kohlensäure anzulegen, hat sich der Armeechef laut Müller nicht lächerlich gemacht, sondern die Bevölkerung auf einfache Art und Weise für ein wichtiges Anliegen sensibilisiert.

«Wasserdichtes» Verhältnis

Auch zwischen den Armeechef und den Militärminister lässt Pius Müller keinen Keil treiben: «Zwischen André Blattmann und Ueli Maurer konnte kein Tropfen Wasser in eine Ritze laufen.» Und auch zwischen Blattmann und Guy Parmelin sei das Verhältnis «wasserdicht». Alle Vermutungen, die rasche Rücktrittsankündigung nach dem Amtsantritt Parmelins und dessen Sistierung des Projekts Bodluv (Modernisierung der bodengestützten Luftabwehr) könnten auf Dissonanzen zwischen dem Armeechef und dem neuen VBS-Chef hinweisen, weist Müller zurück.

Januar 2013: Pius Müller als Chefadjutant des Armeechefs André Blattmann, unterwegs mit diesem anlässlich eines Truppenbesuchs auf dem Schiessplatz Spittelberg ob Hägendorf.

Januar 2013: Pius Müller als Chefadjutant des Armeechefs André Blattmann, unterwegs mit diesem anlässlich eines Truppenbesuchs auf dem Schiessplatz Spittelberg ob Hägendorf.

zvg

Hingegen macht Müller keinen Hehl daraus, dass Blattmann nach einer kritischen Betrachtung über das Projekt Bodluv in der «SRF-Rundschau» gegen deren Moderator Sandro Brotz verbal entgleist sei. Doch Blattmann habe mit einer Entschuldigung ebenfalls hier Grösse bewiesen. Und weiter betont Müller: «Auch der höchste Offizier der Schweiz ist keine Maschine, sondern ein Mensch. Zum Glück!»

Seine menschlichen Qualitäten habe Blattmann jeweils bewiesen, wenn Armeeangehörige im Dienst zu Schaden gekommen seien: «Bei Todesfällen hat er sich immer persönlich engagiert, zum Beispiel nach dem F/A-18-Absturz in der Innerschweiz oder beim tödlich verunfallten WK-Soldat, der bei einer Militärübung auf dem Hauenstein von einem Puch erfasst wurde.»

Wie im Römischen Reich

Als Chefadjutant des Armeechefs sei man immer nahe am Geschehen, stellt Müller in einem Gespräch mit dieser Zeitung weiter fest. Er habe Blattmann als klugen Kopf mit enormer Überzeugungskraft wahrgenommen. Ihm sei beispielsweise zu verdanken, dass es im Parlament für die finanzielle Basis der Armee (5 Mrd. Franken pro Jahr) und deren Weiterentwicklung zu Mehrheiten gekommen sei.

Wer im Bundeshaus nahe am Geschehen stehe, bekomme zu spüren, welchen «Gefahren» hohe Entscheidträger ausgesetzt seien. Es sei immer noch wie im römischen Senat: «Zwar steckt man jemandem, den man beseitigen will, nicht mehr den Dolch in den Rücken, sondern man verbreitet über ihn Unwahrheiten und Halbwahrheiten über die Medien.»

Dienst bedeutet dienen

In seinem Vorruhestand will sich der frühere Gemeinderat und Präsident der Kreisschule Untergäu weiterhin politisch und im Schiesswesen betätigen, als Präsident der FDP Rickenbach und als Präsident des Schützengesellschaft Hägendorf-Rickenbach.

Pius Müller erachtet es als seine Pflicht, weiterhin der Öffentlichkeit und dem Milizwesen zu dienen: «Ich habe in der Armee stets Dienst geleistet – und für mich kommt der Begriff Dienst von Dienen.»

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