Olten
«Die Priorisierung bei der Schneeräumung ist nicht allen klar»

Für einige kommt sie zu spät, für andere beginnt sie am falschen Ort: Die Schneeräumung gibt immer wieder zu reden.

Urs Huber
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Nun heisst es für die nächsten paar Tage wieder: schaufeln und pickeln.

Nun heisst es für die nächsten paar Tage wieder: schaufeln und pickeln.

Bruno Kissling

«Ich glaube, für viele in der Stadt ist die Priorisierung der Winterdienstarbeit nicht klar», sagt René Wernli, Leiter des städtischen Werkhofs. Die da wäre: Schnell- beziehungsweise Kantonsstrassen, Linienbuswege, Stich- oder Sammelstrassen sowie schliesslich Quartierstrassen. «Wenns natürlich so schneit wie jetzt übers vergangene Wochenende, dann schaffen wir die Abarbeitung dieses Turnus nur verzögert, weil mit Fortdauer des Schneefalls die Kantonsstrassen bereits wieder mit Schnee belegt sind und einer erneuten Räumung bedürfen», erklärt Wernli. Am Samstagmorgen waren die ersten Mitarbeitenden der Räumequipe ab 5.45 Uhr im Einsatz, ab 7 Uhr standen 16 Leute zur Verfügung, ihrer 14 waren es am Sonntag. Zwei Mitarbeitende sind jeweils nachts als Beobachter eingesetzt, um die Entwicklung der Lage einzuschätzen und nötigenfalls Einsatzkräfte aufzubieten.

Feinarbeiten zum Schluss

Beruhigt sich die Lage, dann gilt es, nach der Ersträumung auch fürs «Nachdrücken» – wie die Zweiträumung im Fachjargon auch genannt wird – zu sorgen. Das beinhalte vor allen Dingen die präzisere und sauberere Räumung. In dieser Phase würden auch Kreuzungsbereiche gesäubert. Und schliesslich gelte es auch, den Neuschnee an exponierten Stellen wegzuräumen. «Das muss möglichst rasch geschehen, damit sich die weisse Pracht nicht verfestigt», wie Wernli erklärt. Gestern Montag waren diesbezüglich 25 Männer im Einsatz. «Es ist klar: Die Räumung der Strassen, Plätze und Trottoirs geht einher mit Salzeinsatz», sagt Wernli. Ob als Sole oder in kristalliner Form sei nicht so entscheidend. Allerdings hätten diesmal die tiefen Temperaturen die Effektivität der Taumittel nicht unwesentlich beeinflusst. Ab minus 10 Grad verringert sich deren Wirksamkeit nämlich markant. Und am gestrigen Morgen wurden Temperaturen doch weit unter diesem Wert gemessen.

Viele Reaktionen

Es gehen im Werkhof stets Meldungen ein zum Räumungsdienst der Stadt, wie Wernli bestätigt. «Wie gesagt, vielen ist die Prioritätensetzung unbekannt. Deshalb verstehen die Leute auch nicht, weswegen ‹ihre› Quartierstrasse noch nicht, die Sammelstrasse, in welche ‹ihre› Quartierstrasse mündet, dagegen schon geräumt ist», erklärt er. Und natürlich gebe es auch immer Leute, die sich besorgt zeigten über die (bislang) ausgebliebene Räumung im Quartier beziehungsweise die Schneewalme, die sich beim Pflügen am Strassenrand bilden. Diese würden das Parkieren vor dem Haus verunmöglichen, wird moniert. Gerade Quartierstrassen aber würden Räumungsprobleme bereiten, weil – speziell in verkehrsberuhigten Zügen – zusätzliche Bauten den Fortgang der Arbeiten behindern und Autos mal links, dann wieder rechts am Strassenrand parkiert sind. «Beengte Verhältnisse, bei denen manchmal Zentimeter über den Fortgang der Arbeiten entscheiden, habe ich in den letzten Tagen mehrfach erlebt», sagt Wernli, der sich selbst als Schneepflugfahrer an den Winterdienstarbeiten beteiligt hat. Einleuchtend, dass Fahrer auch mal eine (reglementarische) Ruhepause brauchen und ein Pflug so zeitweise ungenutzt bleibt. Doch bei aller Kritik: «Es gibt auch Stimmen, die sich lobend zu unserer Arbeit äussern und Verständnis haben für den Umstand, dass wir nicht überall gleichzeitig sein können», so der Leiter Werkhof.