«Nächstes Jahr», sagt er, «habe ich 40 Jahre als Pilzkontrolleur hinter mir.» Anton Wiederkehr lächelt ein bisschen. Die vier Jahrzehnte möchte er in dieser Funktion noch vollmachen. Dann aber, so der 78-Jährige, soll Schluss sein.

Zwar hat der Senior eine kulinarische Vorliebe für Steinpilz und Schopftintling, aber seine wahre Leidenschaft gehört nicht der Spezies Speisepilz. Der einstige Poststellenleiter richtet seinen Fokus bevorzugt auf jene Pilze, die auf altem Holz zu finden sind. «Bevor die gar würden, schmilzt die Pfanne», spasst er.

Über 20 Kilo giftige Pilze im Jahr

Wiederkehr hat in den knapp 40 Jahren als Kontrolleur doch einiges erlebt und beantwortet die Frage aller Fragen mit einem knappen «aber sicher». Die Frage danach nämlich, ob er als Kontrolleur auch schon hochgiftige Knollenblätterpilze habe aussortieren müssen.

Dann zückt er flugs die Statistik der letzten zehn Jahre aus seinen Unterlagen. Sie gibt Auskunft über die Zahl der Kontrollen, der kontrollierten Kilos an Speisepilzen, der ungeniessbaren, aber ungiftigen Pilze und – natürlich – der Menge an Giftpilzen, die auf der Kontrollstelle an der Rötzmatt 17 auftauchten. Letztes Jahr hatten die vier Männer der amtlichen Pilzkontrolle in Olten mehr als 20 kg Giftpilze aussortiert; der absolute Spitzenwert in der zehnjährigen Reihe. Ob das mit dem zunehmenden Unwissen der Sammlerinnen und Sammler zu tun habe?

Wiederkehr zuckt mit den Schultern. «Schwierig zu sagen», meint er. Das Aufkommen der Pilze sei manchmal auch abhängig von den klimatischen Bedingungen. Vielmehr sieht Wiederkehr dadurch die Notwendigkeit der Pilzkontrolle zementiert, auch wenn diese gesetzlich nicht mehr zwingend angeboten werden muss. «Sie ist ein Beitrag an die Volksgesundheit», meint er noch, koste jedenfalls markant weniger als die Behandlung einer Pilzvergiftung.

«Wenn sie sich überhaupt noch behandeln lässt und nicht gar zum Tod führt», schiebt er hinterher. Und er verweist in diesem Zusammenhang auf eine Meldung der Depeschenagentur, als im Oktober 2012 bereits 400 Pilzvergiftungen registriert wurden. Ende September letzten Jahres nämlich erlebten Pilzfreunde wahre Freudenwochen, schossen die Pilze aufgrund klimatisch guter Bedingungen doch tatsächlich aus dem Boden.

Zu nass, zu kalt, zu trocken

Aktuell kann Wiederkehr allerdings nicht so loben: «2013 ist kein speziell gutes Pilzjahr.» Aha: warum? «Zu nass im Frühling, zu kalt auch; dann ein zu trockener Juli und August.» Vielleicht werde der Rest der Pilzsaison besser. Mit dem Rest der Saison meint Anton Wiederkehr die verbleibenden Monate September, Oktober und erste Hälfte November. Dann nämlich schliesst die Pilzkontrolle ihre Pforten und öffnet diese erst im August des kommenden Jahres wieder.

2340 Kontrollen

In den vergangenen zehn Jahren wurden auf der amtlichen Pilzkontrolle in Olten, zu der auch die Gemeinden Hägendorf, Kappel, Rickenbach, Trimbach und Wangen gehören, insgesamt 2340 Kontrollen vollzogen. Dabei wurden rund vier Tonnen Speisepilze gesichtet, 343 kg der Kategorie «nicht Speisepilze» und 132 kg Giftpilze. «Da haben wir mit Sicherheit einige Magenverstimmungen oder gar Schlimmeres verhindert», sagt der Pilzkontrolleur, der sich an Zeiten zurückerinnern kann, als mehr denn 40 Kontrollen täglich angesagt waren.

«44 Kontrollen sind mein persönlicher Rekord», schmunzelt Wiederkehr. Während der Hochsaison schauen heute pro Kontrolltag jeweils zwischen 10 und 15 Sammlerinnen und Sammler vorbei. Pilze sammeln ist noch immer beliebt und geht durch alle Altersschichten; Frauen wie Männer streifen durch Wald und Flur, hüten ihre ergiebigsten Plätzchen wie die Augäpfel. «Manchmal kommen auch Familien mit Kindern vorbei. Und die Kleinen zeigen mir dann voller Stolz jene Exemplare, die sie gefunden haben», erzählt Wiederkehr.

Was ein Kontrolleur können muss

Pilzkontrolleure sind Meister ihres Fachs. In regelmässigem Turnus haben sie ihr Wissen immer wieder unter Beweis zu stellen und vertiefte Kenntnisse über die gefährlichsten Giftpilze vorzuweisen. Die Durchführung einer Korbkontrolle, das Kennen der Pilzarten sowie Kenntnisse in Toxikologie und Ökologie der höheren Pilze (mit sichtbarem Fruchtkörper von über 2 mm Grösse) gehören ebenfalls zur Prüfung der Vapko, der schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane.

Auch für den Umgang mit eigenwilligen Sammlern gibts einen vorgeschriebenen Weg. «Wer beispielsweise einen Knollenblätterpilz zur Kontrolle bringt, diesen aber unbedingt behalten und nach Hause nehmen will, hat auf der Kontrollstelle ein Formular zu unterschreiben, worin er sich verpflichtet, den Pilz ausschliesslich als Studienobjekt zu nutzen, keinesfalls zu missbrauchen und nach Ende der Studien gefahrlos zu entsorgen. «Andernfalls behalte ich den Pilz zurück und entsorge ihn persönlich, so wie ich das bei allen andern ungeniessbaren Pilzen auch mache», sagt Wiederkehr unmissverständlich. Und sein Gesicht nimmt ganz ernste Züge an.