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Die Passfotos aus der City-Unterführung feiern ihr Comeback

Klare Symbole: Die Passfotos aus dem legendären Automaten in der Unterführung der Oltner City-Kreuzung sind heute dank Reto Staub auf Facebook als Collage zu sehen. Fotos: ZVG/KAS

Klare Symbole: Die Passfotos aus dem legendären Automaten in der Unterführung der Oltner City-Kreuzung sind heute dank Reto Staub auf Facebook als Collage zu sehen. Fotos: ZVG/KAS

Reto Staubs Facebook-Gruppe «Oltner 80er-Jugend» hat nach drei Wochen bereits 1000 Mitglieder. Die Flut an Youtube-Videos, Kommentare und Musikhits scheint keine Grenzen zu kennen.

Die auf Facebook verkehrenden 40- bis 50-Jährigen der Region Olten sind seit Kurzem voll im Achtzigerjahre-Fieber. Auslöser ist die «Oltner 80er-Jugend» beziehungsweise der Gründer dieser Facebook-Gruppe, Reto Staub.

Inspiriert durch Thomi Droll und dessen Automatenfotos suchte Staub auch nach seinen Bildern und rief am 31. Oktober die Gruppe auf Facebook ins Leben; «jeder soll seine persönliche Sammlung der legendären Fotos aus dem Automaten der Unterführung City-Kreuzung uploaden», heisst es im Profilbeschrieb.

Damit brachte er eine Lawine ins Rollen. «Diese Automaten-Passfotos waren damals unser Facebook», sagt Reto Staub. «Mich hat interessiert, wer auch noch solche lustigen Bilder hat. Deshalb habe ich spontan die Gruppe gegründet und meine Bekannten dazu eingeladen.»

Im 10-Minuten-Takt neue Posts

Danach entwickelte sich innerhalb der bewusst offen gestalteten Gruppe eine Eigendynamik, mit der der seit 19 Jahren in Obergerlafingen wohnhafte Oltner selbst nichts zu tun hatte.

Innerhalb von drei Wochen wuchs die Facebook-Gruppe auf 1000 Mitglieder an. In der zu Ende gehenden Woche wurden im 10-Minuten-Takt neue Pass- und Klassenfotos, Youtube-Links zu Musikhits aus den Achtzigerjahren, Kommentare, Nachfragen, wo alte Schulgspähnli zu Hause oder ob sie noch am Leben sind.

«Und es werden immer mehr. Das ist der Schneeballeffekt. Ich habe schon gestaunt, als die Mitgliederzahl auf 100 stand», sagt Staub. Es seien viele Leute dabei, die im Ausland lebten, und solche, deren Profil er gar nicht kenne. «Der Name sagt mir aber etwas und wenn ich die Fotos sehe, erkenne ich sie wieder.»

Für den 46-jährigen Vater von zwei Jugendlichen im Alter von 16 und 9 Jahren ist Facebook «wie eine Weiterentwicklung von Fotos austauschen und Erinnerungsalben».

Inzwischen seien bei der «Oltner 80er-Jugend» einige frühere Schulkameradinnen und -kameraden «aus dem Erinnerungsstüblein gekommen, die ich nicht erwartet habe». So ist beispielsweise ein Lehrer dabei, ebenso ein Regierungsrat (Peter Gomm) und «Färbi»-Leiter René Steiner – «ein wichtiger Kontakt», findet Staub.

Über die Entwicklung der Facebook-Gruppe hatte der beruflich im öffentlichen Verkehr tätige Reto Staub bei deren Gründung «gar keine Vorstellung. Wenn man eine Gruppe ins Leben ruft, ist man automatisch der Administrator.

Ich werde nicht darüber wachen.» Bei Werbung und Beleidigung würde Staub einschreiten. «Solange aber alles anständig bleibt, ist es okay. Wenn es ausarten würde, könnte ich die Gruppe schnell wieder löschen oder sonst entsprechend reagieren – wie im echten Leben.»

«Hype wird wieder abnehmen»

Apropos Realität: Reto Staub ist sich darüber im Klaren, dass «der Hype irgendwann abnehmen und sich dann niemand mehr für die Fotos und die Facebook-Gruppe interessieren wird». Wahrscheinlich werde er sie dann «stehen lassen. Sie gehört allen Leuten, die etwas reinstellen oder recherchieren wollen».

Übrigens: Sein Sohn ist 16-jährig – und damit genau im Alter von Reto Staub auf den Automatenfotos in der «Oltner 80er-Jugend». Sein Sohn fände die Fotos in der Facebook-Gruppe «amüsant», gemerkt Staub. «Ich bin schon ‹angezündet› worden, ob ich auf dem Achtzigerjahre-Trip sei. Doch ich schäme mich nicht für das, was ich vor 30 Jahren getan habe.»

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