Eine Irrfahrt steht am Ursprung von Carla Aeberhards Karriere als Sportreiterin. «Wir wollten eigentlich mit unserem Hund in die Hundeschule nach Gretzenbach», erinnert sich die 27-jährige Oltnerin und muss lachen: «Weil wir uns verfahren haben, landeten wir schliesslich bei einer guten Bekannten, die Pferde hatte und uns fragte, ob wir es nicht mal mit Reiten versuchen wollen.»

Carla Aeberhard redet stets von «wir», denn das Hobby Reiten teilte sie von Beginn an mit ihrer jüngeren Schwester Simona. «Wir sind beide sehr tierlieb, und Reiten war halt damals schon ein richtiger Mädchentraum», beschreibt Carla Aeberhard ihre Faszination für den Pferdesport.

Ohne eigenes Pferd läuft nichts

Als Zehnjährige nahm die Apothekerin, die im Sommer doktorieren wird, ihre ersten Reitstunden in Gretzenbach. «Zuerst sind wir einfach in die Stunden gegangen und haben das Reitbrevet gemacht», blickt Carla Aeberhard zurück. «Dann hiess es, dass man ein eigenes Pferd und eine Lizenz braucht, wenn man in diesem Sport weiterkommen will. Das haben wir gemacht.»

Klingt unkompliziert, aber wo und wie kauft man sein erstes eigenes Pferd? «Da wir noch absolute Laien waren, hat uns unsere damalige Trainerin beraten», antwortet Aeberhard. Und wie teuer ist ein Pferd? «Die Preise sind extrem unterschiedlich. Man kann vom Metzger-Preis bis zu einem Einfamilienhaus alles bezahlen.»

Die Wahl fiel auf ein Pferd mit dem Namen Revanche aus einem Stall in Müntschemier. «Ein Springpferd mit schönen Gängen», wie Carla Aeberhard beschreibt. «Mit ihm haben wir unsere ersten Springconcours und Dressurprüfungen in der näheren Region bestritten.»

Das Springreiten liess Carla Aeberhard dann aber bald bleiben und konzentrierte sich aufs Dressurreiten. «Vor dem Springen hatte ich immer ein bisschen Angst, Dressurreiten dagegen ist wie Tanzen mit dem Pferd, ein sehr harmonischer Sport», begründet sie.

2007 wurde die Sportreiter-Karriere der Aeberhard-Schwestern richtig lanciert. In diesem Jahr bekamen Carla und Simona je ein neues Pferd mit grossem Potenzial. «Simona wurde dann bald ins nationale Junioren-Kader aufgenommen, ich musste vom Alter her direkt ins Junge-Reiter-Kader. So hat eigentlich alles angefangen», erklärt Carla Aeberhard.

Sie trainierte lange Zeit in Deitingen, ehe sie vor drei Jahren nach Balm bei Günsberg wechselten, wo ihr aktueller Trainer Christian Pläge seinen Stall hat. «Dort haben wir optimale Bedingungen zum Trainieren, und die Aussicht auf die Berge ist ebenfalls sehr schön», sagt sie schmunzelnd. Jeden Tag fährt sie dorthin, um zirka eine Stunde zu trainieren. Inklusive des Anfahrtswegs und des Putzens der Pferde gehen pro Tag insgesamt drei Stunden für das Hobby drauf.

Gemeinsamer Weg nach oben

Seit knapp einem Jahr reitet Carla Aeberhard wieder auf einem neuen Pferd: «Delioh von Buchmatt» ist mit acht Jahren noch ein ganz junges Pferd. «Mit ihm erlebe ich diesen gemeinsamen Weg ganz intensiv», strahlt Aeberhard. «Ich übernahm ihn auf der Stufe M und mache nun gemeinsam mit ihm den Schritt zur Stufe S.» Beim Dressurreiten gibt es fünf Schwierigkeitsstufen: GA (Grundgangarten) ist die tiefste, danach folgen aufsteigend L (leicht), M (mittel), S (schwer) und Grand Prix.

Die höchste Stufe und die Rückkehr ins Elite-Nationalkader sind die grossen Ziele des Duos. «Delioh hat auf jeden Fall die nötigen Voraussetzungen, diesen Sprung zu schaffen», ist Aeberhard überzeugt. Dies stellten Reiterin und Pferd vor knapp zwei Wochen mit dem Sieg auf der Stufe S im luzernischen Hitzkirch eindrücklich unter Beweis.

Am kommenden Wochenende stehen die nächsten zwei Wettkämpfe in Dielsdorf an, danach solls ins Ausland gehen. An ein Turnier in Frankreich oder Österreich. «Für Delioh und mich als Paar wäre es das erste internationale Turnier. Ich möchte schauen, ob er sich auf dem internationalen Parkett bewähren kann – er ist schon noch ein bisschen grün hinter den Ohren.»

Den Höhepunkt des Jahres wird dann die Schweizer Meisterschaft Ende September in Avenches bilden. Dabei soll ein Podestplatz herausschauen, so die Vorstellung von Carla Aeberhard. Sie mahnt aber: «Weil er halt wirklich noch sehr jung ist, muss ich aufpassen, dass ich Delioh nicht überfordere.

Mehr als zwei Wettkämpfe pro Monat mute ich ihm noch nicht zu.» Denn bleibt Delioh gesund, kann er auch in zehn Jahren noch Spitzenresultate erzielen, ist Carla Aeberhard überzeugt. Sie selbst hat es noch besser: «Ich kann eigentlich das ganze Leben lang reiten, das ist der Vorteil am Dressur-Sport.»