«Olten und seine Einwohner – von der Keule bis zum Smartphone» heisst eine neue historische Vortrags- und Führungsreihe, die am 12. März startet und die Einwohner Oltens in den Mittelpunkt stellt.

Die Initianten des Projekts, Roland Kissling vom «Büro für individualisierte historische Forschungen (BihF)» und die Oltner Stadtführerin Rosetta Niederer, erzählen, woher sie sich kennen, was das Besondere an den Oltnern ist und wieso sie ihre Vorträge mit Führungen kombinieren.

Es sei ein Zufallstreffen gewesen, erzählt die 54-jährige Rosetta Niederer. Auf dem Oltner Wochenmarkt habe sie im September 2016 Roland Kissling kennen gelernt. «Ich unterhielt mich mit zwei Freundinnen über die Oltner Stadtgeschichte. Auch daneben stehende Passanten lauschten gespannt meinen Ausführungen. Einer von ihnen war Roland Kissling.»

Die komplette antike Geschichte Oltens habe er aufgearbeitet, erzählte Kissling ihr damals. Die Idee war schnell geboren: «Wir beschlossen, seine fundierte archäologische und historische Arbeit und mein Stadtführerinnenwissen miteinander zu verbinden und den Menschen in Olten näher zu bringen.»

Mittelpunkt: der einfache Mensch

Da Roland Kissling bei all seinen Forschungen die einfachen Menschen in den Mittelpunkt stellt und ihr Leben in die allgemeine Geschichte einbettet, hätten sie sich alsdann gemeinsam auf die Suche nach den Einwohnern von Olten begeben, erzählt Rosetta Niederer, die in Olten geboren wurde und aufgewachsen ist. «Wir wollten wissen, wer diese Oltner waren, wie sie hiessen, wo sie wohnten, was sie machten und wie sie gelebt haben.»

Eineinhalb Jahre lang hat sie gemeinsam mit Roland Kissling alles zusammengetragen, was jemals über Olten erforscht wurde – vom Beginn der Oltner Geschichte bis zur Gegenwart. Als Grundlage diente ihnen die von Roland Kissling in den 1980er Jahren erstellte Studienarbeit über das Olten der Antike.

Herausgekommen ist eine Veranstaltungsreihe über die Geschichte Oltens, die nicht nur wegen ihrer Vollständigkeit einzigartig sei, versichern die beiden Macher. «In unseren Vorträgen und Führungen werden wir auch die eine oder andere Neuigkeit vorstellen», verrät Roland Kissling.

Dazu zählt er die Datierung der spätrömischen Befestigungsanlage Oltens, die Eingrenzung des Weihungsdatums der St. Martins-Kirche und die Präsentation einer digitalisierten Fund-Verbreitungskarte, die in dieser vollständigen Form neu sei. «Ausserdem werden wir die Geheimnisse um einen in Olten gefundenen Münzschatz und um die Oltner ‹Wetterhexe› lüften.»

Wissen von gestern als Reservoir

In den ersten vier Vorträgen und Führungen wird die Zeit vom Anfang der Oltner Geschichte bis zum Spätmittelalter unter die Lupe genommen. Weitere Veranstaltungen, die die späteren Zeitepochen vorstellen, seien in Planung, versichern die beiden.

Durchgängiges Thema: das Wissen über die Vergangenheit. Es gehe darum, wo man es finden kann, wer es findet, wie man es bewahren sollte und wie man es tatsächlich bewahrt und würdigt.

«Wir wollen den Menschen erklären, warum die Vergangenheit wichtig ist, und was passieren würde, wenn wir nicht mehr auf das Wissen der Vergangenheit zurückgreifen könnten», erzählt Rosetta Niederer.

«Wir werden aufzeigen, wie es hier früher ausgesehen hat, wer hier wohnte und wie die ersten bekannten Einwohner von Olten hiessen», kündigt Roland Kissling an. «Ausserdem gehen wir auf die Entstehung und Bedeutung einiger Oltner Familiennamen ein und erläutern, wie man die eigene Familiengeschichte erforschen kann.»

Um ihr Wissen zu vermitteln, entwickelten Kissling und Niederer ein neues Konzept, das Vorträge mit Stadtführungen kombiniert. «Zuerst wird Wissen vermittelt, dann wird es vor Ort vertieft», erklärt Rosetta Niederer.

Warum Olten?

Dass sie ausgerechnet Olten für ihr gemeinsames Projekt auswählten, habe einige Gründe: «Olten hatte schon vor 10'000 Jahren eine sehr reichhaltige Kultur, da die Stadt – im Gegensatz zu anderen Städten – während der Eiszeit nicht unter dem Eis verborgen war», erklärt Roland Kissling.

In der späteren Zeit sei Olten als Teil der Bistumsgrenze, als Handelsroute und auch heute noch als Eisenbahnknotenpunkt und Seminar- und Konferenzstadt immer ein wichtiger Durchgangsort gewesen. «Das alles hat auch Auswirkungen auf die Bevölkerung», ist der 57-jährige überzeugt. Zudem gebe es in Olten sehr viel Wissen, das noch im Boden versteckt ist, und Wissen, das bereits herausgenommen und ausgewertet wurde.

«Die Leute wissen darüber aber nur sehr wenig. Dieses Wissen droht verloren zu gehen», erklärt Roland Kissling, und Rosetta Niederer ergänzt: «Olten wurde auch aufgrund meiner 15-jährigen Stadtführungserfahrung gewählt. Es liegt mir am Herzen, dass die Einwohner Oltens wissen, auf welchem Kulturschatz sie sitzen. Und, dass dieses Kulturerbe auch ihnen gehört.»