Das pinke Enzo-Möbel auf der Oltner Kirchgasse ist zum unfreiwilligen Stadtgespräch geworden. In den Hauptrollen sind zum einen der «Kolt»-Herausgeber Yves Stuber, der die ganze Sache in seinem Kulturmagazin lanciert hat; zum anderen die Stadtbehörden, welche die sechs Kunststoffdinger zwar als Geschenk annehmen wollen, aber partout nicht auf der Kirchgasse haben möchten, weil sie wegen der Anlässe ständig vom Werkhof umplatziert werden müssten.

Genau das ist aber dieses Wochenende passiert: Unbekannte haben ein pinkes Exemplar von der Schützi auf die Kirchgasse transportiert. Es erfreut sich bei den Passanten grosser Beliebtheit. Die Stadtbehörden bleiben aber konsequent: Bis gestern Mittag 12 Uhr sollte Stubers Team das Möbel wieder in die Schützi dislozieren, sonst machts der städtische Werkhof auf seine Kosten. Stuber liess sich von der Drohung, von der er aus dieser Zeitung erfahren hat, nicht aus der Ruhe bringen. In den sozialen Medien sind die Rollen klar verteilt: Stuber wird für seine innovative Idee bejubelt, den Stadtbehörden Sturheit vorgeworfen, weil sie das Möbel nicht auf der Kirchgasse belassen. Doch stimmt dieses Bild?

Stuber, der die sechs Enzo-Möbel via Crowdfunding-Plattform mithilfe von 133 Unterstützern gekauft hat, kokettiert damit, dass er sich für die von ihm angeschafften Kunststoffmöbel nicht verantwortlich fühle, weil er eher nur der Treuhänder, nicht der Eigentümer sei. Die offizielle Übergabe an die Stadt erfolgt aber erst diesen Samstag. Mit Verlaub: Da führt einer die Öffentlichkeit an der Nase herum. Wer, wenn nicht er und sein Team müssten dafür besorgt sein, dass den Enzo-Möbeln bis zur offiziellen Übergabe an die Stadt nichts geschieht? Soll der Werkhof nun das pinke Möbel auf Kosten der Steuerzahler wieder in die Schützi bringen?

Gestern Nachmittag haben dann Stadt und Stuber zumindest in dieser Frage eingelenkt: Gemeinsam mit dem städtischen Werkhof führte sein Team das verirrte Enzo-Möbel zur Schützi zurück. Eine Rechnung solls nun nicht geben.

Doch Stuber hats auch in einem anderen Punkt drauf ankommen lassen: Er weiss seit einem Gespräch mit Stadtpräsident Martin Wey vor der Lancierung der Aktion, dass die Stadt zwar die Möbel übernimmt, aber diese nicht auf der Kirchgasse sehen will. Aber was macht er? Er promotet seine Crowdfunding-Aktion mit einer Fotomontage der Enzo-Möbel auf der Kirchgasse – und zwar genau dort, wo jeweils der Bus durchfahren muss und die Möbel garantiert nie stehen können. Das ist irreführend. Als Übergabeort an die Stadt versucht er nochmals, seine ursprüngliche Idee von Enzo-Möbeln auf der Kirchgasse durchzusetzen. Erneut gibts eine Absage der Stadt. Steht sich Stuber bei der Umsetzung einer an sich guten Sache etwa selbst im Weg?

Doch auch die Stadt muss sich gefallen lassen, nicht angemessen reagiert zu haben. Es ist unglücklich, mit einem Bürger via Medien zu kommunizieren. Zum anderen bringt Stuber mit seiner Idee eine wichtige Frage auf: Brauchts auf der Kirchgasse mehr als nur die vier Sitzbänke und die «Chilestäge» als Sitzgelegenheit ohne Konsumzwang? Ja, so lässt sich die Reaktion der Leute auf die Enzo-Möbel zusammenfassen.

Auch ein Zürcher Student kam neulich zum Schluss, dass die Kirchgasse «zu einem Bereich für Konsum umgewandelt» wurde. Vielleicht nicht gleich sechs, aber wohl zwei Enzo-Möbel hätten probehalber auf der Kirchgasse sicher irgendwo Platz, ohne dass sie den Wochenmarkt und die weiteren Anlässe behinderten. Zudem stehen bereits heute ein gutes Dutzend Blumentöpfe der Stadt herum. Ist es für eine solche Lösung bereits zu spät? Viel Zeit bleibt nicht mehr. Der Sommer ist bald vorbei.

fabian.muster@azmedien.ch