«Ein Schatten liegt auf der Zukunft der Offenen Kirche Region Olten», heisst es im Jahresbericht des Vereins, der von der katholischen, christkatholischen und reformierten Kirche unterstützt wird. Die Gruppierung, welcher sich zum Ziel gesetzt hat, ein Ort für alle Menschen «gleich welcher Konfession» zu sein, wie es auf der Homepage heisst, befindet sich trotz des 15. Geburtstags nämlich am Scheideweg.

Immer weniger Leute wollen sich für den rund 100 Mitglieder starken Verein engagieren. «Wir brauchen dringend neue helfende Hände und Mitdenkende, wenn die Offene Kirche Region Olten weiter bestehen soll», heisst es im letzten Satz des Jahresberichts.

Der Grund hinter diesen dramatischen Worten: Präsidentin Ruth Vogler wird nächstes Jahr nach 15 Jahren an der Spitze zurücktreten. «Die meisten aktiven Mitglieder sind seit Beginn dabei», sagt die Reformierte, die zu den Gründungsmitgliedern gehört. Der Verein hat in ihren Augen «einen Generationenwechsel» nötig. Das Problem sei, dass im Verein mit einem jährlichen Budget von 19 000 Franken fast alles ehrenamtlich geschehen muss. Im Vergleich zu anderen Citykirchen in grösseren Städten hätte man ausser einem Sekretariat im tiefen zweistelligen Prozentbereich keine professionellen Strukturen, so Vogler.

Ihr gefällt aber, dass man «als Offene Kirche sehr viele Freiheiten hat», sagt die 66-jährige Dullikerin. Citykirchen gibt es in verschiedenen Schweizer Städtchen als ökumenisches Projekt und zeigen, dass die Gotteshäuser verschiedenen Religionen offenstehen und als Ort der Begegnung dienen.

Der Verein hat in den vergangenen Jahren immer wieder Ausstellungen in der Oltner Stadtkirche oder im Foyer des Stadthauses organisiert, welche Themen aus Sicht der verschiedenen Religionen gezeigt haben – unter anderem war die Weltethos-Ausstellung in Olten zu sehen. Seit dem Start vor zehn Jahren ist die Offene Kirche auch beim Runden Tisch der Religionen in Solothurn dabei, welcher den Dialog unter den verschiedenen Religionen fördern soll. In diesem Zusammenhang hat der Verein in den vergangenen beiden Jahren auch am interreligiösen Spaziergang durchs Niederamt teilgenommen.

Ferner lädt der Verein seit drei Jahren jeden Donnerstagmorgen zum Friedensgebet um 10 Uhr in die Oltner Klosterkirche ein. Das Gebet wird von Leuten aus unterschiedlichen Konfessionen geleitet. Regelmässig finden jeden letzten Donnerstag im Monat um 18 Uhr auch die Taizé-Feiern in der St.-Martinskirche in Olten statt – Ende Juni wird bereits zum 100. Mal eine solche Feier durchgeführt. Und wer gerne singt, ist beim Chor Stimmvolk einmal pro Monat in der Oltner Friedenskirche gut aufgehoben.

Auch Leute ohne Vorkenntnisse sind dabei willkommen. Ebenso zum Programm gehören Pilgerwege, einmal im Frühling und in der Adventszeit, oder Besuche bei verschiedenen Religionsgemeinschaften in der Umgebung. Einer der Höhepunkt in den vergangenen Jahren war die Ehrengabe bei der Kunstpreisverleihung, welche die Stadt Olten dem Verein im März 2017 für besondere Verdienste im Kulturbereich überreicht hat.

Zu Beginn ihrer Tätigkeit war die Offene Kirche zuerst in der Stadtkirche beheimatet. Mittlerweile geniesst der Verein Gastrecht in allen Oltner Kirchen sowie weiteren Lokalen. Gegründet wurde der Verein 2003 auf Initiative der reformierten Frauen des Kantons Solothurn sowie dem damaligen christkatholischen Pfarrer Franz Murbach.