Oltner Holzbrücke
Die Notbrücke ist betriebsbereit - Holzbrücke ab Mittwochvormittag wieder passierbar

Am Mittwoch ab 11 Uhr steht der Notsteg in der Holzbrücke für die Fussgänger zur Verfügung. Die Firma Senn AG wurde mit der Errichtung des Notsteges auf der Holzbrücke betraut.

Urs Huber
Drucken
Teilen
Sechs 20 Meter lange stählerne Doppel-T-Träger wurden in aller Frühe als Basis für den 40 Meter langen Notsteg auf der Holzbrücke verlegt

Sechs 20 Meter lange stählerne Doppel-T-Träger wurden in aller Frühe als Basis für den 40 Meter langen Notsteg auf der Holzbrücke verlegt

Bruno Kissling

Die grösste Herausforderung? «Innert gesetzter Frist die Arbeit vollenden», sagt Urs Burkhardt von der Senn AG aus Oftringen. Burkhardt hat Transport und Materialbeschaffung organisiert, Stahlbauingenieur Bernhard von Mühlenen gerechnet. Der weiss auch, warum der Notsteg lediglich zwei Meter breit ist und nicht über die ganze Brückenbreite führt, sondern nur über die 40 Meter, mit welchen sich die durch den Brand hervorgerufenen Schwachstellen des historischen Bauwerks im wahrsten Sinn des Wortes überbrücken lassen.

«Hätten wir im fraglichen Abschnitt einen Steg über die volle Breite der Brücke eingerichtet, hätte die Konstruktion an die 60 Tonnen gewogen. Zuviel für das Bauwerk», sagt von Mühlenen.

Innert ein paar Tagen haben die Verantwortlichen der Stadt und der Senn AG aber die Lösung gefunden, wie der stark beschädigte Teil der Holzbrücke überwunden und der Aareübergang wieder benutzbar gemacht werden kann.

Am vergangenen Mittwoch war auf der Holzbrücke ein Feuer ausgebrochen und hatte einen Schaden von mehreren Hunderttausend Franken verursacht. Die Brandherdzone befand sich im südlichen Brückenaussenseitenbereich, näher zum Brückenkopf Ost. Als Brandursache wurde fahrlässiger Umgang mit Raucherwaren ermittelt.

Arbeitsbeginn: 5 Uhr morgens

Am Dienstag nun rückte die Kolonne an, welche den Notsteg innert knapp sieben Stunden legen sollte. Akteure: ein Dutzend Männer, Arbeitsbeginn um 5 Uhr am Brückenkopf Ost. Rund 20 Tonnen Stahl, darunter sechs 20 Meter lange Doppel-T-Träger, müssen platziert werden: Jedes dieser stählernen Ungetüme wiegt satte 2,2 Tonnen.

Hinzu kommen Querträger gleicher Bauart, wegen ihrer Länge aber deutlich weniger schwer. Ausserdem wird der provisorische Gehweg mit Platten gedeckt, die Längsseiten des Stegs mit einem Geländer gesichert.

Brandmeldeanlage funktionierte

Wie die Polizei Kanton Solothurn auf Anfrage mitteilt, ging von der Brandmeldeanlage auf der Holzbrücke um 11.45 Uhr der erste Alarm aus. «Nur einige Sekunden später erfolgte der erste Telefonanruf auf der Zentrale», so Sprecherin Astrid Bucher. Die Frage zu der Vorgehensweise der Brandermittler beantwortet Bucher aus ermittlungstaktischen Gründen zurückhaltend: Diese hätten nach einem Ausschlussverfahren gearbeitet und seien aufgrund des Spurenbildes zum Schluss gekommen, dass Raucherwaren für den Brand verantwortlich seien. Hinsichtlich der Zeugenbefragungen gab die Polizeisprecherin zu verstehen, es gebe keine neuen Erkenntnisse. Auf Zwischenresultate könne derzeit aber nicht eingegangen werden. Die Polizei aber werde neue Erkenntnisse umgehend kommunizieren. (hub)

Gearbeitet wird mit für Laien überraschender Akribie. «Der Steg wird im Laufe der Reparaturarbeiten an der Brücke verlegt. Will man dabei keine Überraschungen erleben, muss man jetzt genau arbeiten», sagt von Mühlenen fast ein bisschen erheitert ob der Frage, warum man es so genau nehme.

Auch die Frage, warum drei Längsträger gelegt würden, beantwortet der Ingenieur umgehend. «Das sorgt für Stabilität beim Gehen über den Steg.»

Wie aber bewegt, richtet, verschiebt man solche Träger behutsam in schwieriger weil enger Umgebung? Mit Auslegekran, Rollen, «Hündlis» (ein sechsrädriges Rollengebilde), Stockwinden und jeder Menge Holzblöcken, die als Unter- oder Auflage dienen.

Die ersten 10 Meter ins Brückeninnere schafft noch der Auslegekran, nachher folgt die Verschiebung der Bauteile quasi von Hand. Alles wirkt wie eine Lektion in Physik. Männer wirken dabei als Gegengewicht, andere schieben die tonnenschweren Träger möglichst gleichmässig in eine Richtung.

Aufbau der Notbrücke für die Alte Holzbrücke in Olten
46 Bilder
Am Dienstag in der Früh haben die Arbeiter von der Oftringer Firma Senn angefangen, die neue Brücke zu verlegen
Noch ist die Alte Holzbrücke gesperrt
Hier kommt Material für die Notbrücke
20 Tonnen Stahl sind verbaut worden
Holzbrücke Olten Notbrücke Fussgängersteg
Ein Kran hebt die Elemente
Der Plan für die Brücke

Aufbau der Notbrücke für die Alte Holzbrücke in Olten

Bruno Kissling

Das gelingt nicht immer. Dann kippt der Träger fast lautlos vom «Hündli». Mit der Stockwinde wird er wieder in Position gebracht, bis er schliesslich am richtigen Ort sitzt und später mit Klammern am Querträger fixiert wird.

Die grösste Herausforderung haben die Männer um Burkhardt und von Mühlenen geschafft. Am Dienstag gegen 15 Uhr war der Weg fast fertig, fehlten nur noch die Geländer.

Der Notsteg wird rund sechs Monate in Betrieb sein. Ab sofort gilt ein Fahr- und Rauchverbot auf der ganzen Brücke, wie die Stadtkanzlei mitteilt. Die Kosten für die Notbrücke belaufen sich auf rund 45'000 Franken.

Die spektakulärsten Bilder vom Brand der Holzbrücke in Olten.
20 Bilder
 Die Einsatzkräfte bekämpften das Feuer auch vom Wasser aus.
 Die Rettungskräfte wurden dabei von Feuerwehren aus der Region unterstützt.
 Rund um die Brücke stieg dichter Rauch auf.
 Die Flammen schlängelten sich vor allem durch den Zwischenboden der Brücke.
 Um an die Brandherde zu gelangen, wurde mit Motorsägen der Boden aufgesägt.
 Der Zustand der Holzbrücke in Olten am Tag danach:
 Verkohlte Holzbalken...
 ... aufgesägter Boden...
 ... gesperrte Brücke:
 Die Spuren des Brandes vom Mittwoch sind deutlich zu sehen.
 Einerseits stellten die unterschiedlichen Brandherde, die sich im verwinkelten Zwischenboden unterhalb der Fahrbahn befanden, für die Rettungskräfte eine grosse Schwierigkeit dar.
 Andererseits hatten die Feuerwehrleute mit durch den zügigen Südwestwind immer wieder neu entfachten Glutnester zu kämpfen.
 Der Brand hat einen Schaden in der Höhe von mehreren 100'000 Franken verursacht.
 Die Brücke ist zwar nicht einsturzgefährdet, doch die Tragfähigkeit ist reduziert und die Schäden an der «Fahrbahn» und an den Werkleitungen sind gross.
 Deshalb bleibt die Holzbrücke voraussichtlich bis am 4. April 2018 total gesperrt.
 Damit die Aare dort trotzdem überquert werden kann, wird eine 40 Meter lange und zwei Meter breite Notbrücke erstellt werden.
 Sie bleibt für voraussichtlich rund ein halbes Jahr bestehen.

Die spektakulärsten Bilder vom Brand der Holzbrücke in Olten.

ANTHONY ANEX