Im Mai vergangenen Jahres begannen die Arbeiten an den beiden Überführungen der SBB, welche die Tannwaldstrasse in Olten tangieren: Bis Ende August 2018 sollten die Arbeiten abgeschlossen sein.

Und heute, knapp 14 Monate später? Heute lässt sich sagen, die Arbeiten sind absolut im Fahrplan, um es im SBB-Jargon auszudrücken. Zwischenzeitlich wurden die beiden SBB-Überführungen aus- beziehungsweise neu gebaut; die Überführung Süd um ein Gleis erweitert, die Überführung Nord gänzlich neu gebaut. Grund dafür: Die Gleiserweiterung Süd ist Teil des Vier-Spur-Ausbaus der Verbindung Olten-Aarau, den Neubau Überführung Nord, die Verbindungslinie zum Hauenstein, macht die Gleisgeometrie notwendig.

Vor allem dem Brückenneubau würden aufwendige Vorbereitungen vorausgehen, hatte die SBB im Vorfeld des Baubeginns zu verstehen gegeben: Vor Ort müsse eine Hilfsbrücke eingesetzt sowie eine Grube für den Bau der neuen Überführung erstellt werden. Ersteres geschah dann im Frühherbst des letzten Jahres. Hilfsbrücken sind eigentlich vorgefertigte Elemente, die auf dem ganzen Schienennetz der SBB zum Einsatz kommen. «Die habe ich sicher drei Jahre im Voraus reservieren müssen für die Baustelle hier, erinnert sich Thomas Leisinger, zuständiger Abschnittsleiter der SBB.

510 Tonnen dazwischenschieben

Am Donnerstagmorgen nun konnte ein wichtiger und gewichtiger Meilenstein an seine ordentliche Stelle gerückt werden. Die vor Ort gefertigte Überführung Nord, rund 510 Tonne schwer, wurde auf mit Fett geschmierter Schiene lautlos gleitend an ihre vorbestimmte Position gepresst. Zentimeter um Zentimer näherte sich das Bauwerk auf seiner rund 14 Meter langen Reise seinem Zielort. «Rein theoretisch wäre es absolut möglich, das Bauwerk innert einer Stunde am richtigen Ort zu platzieren», meinte Thomas Leisinger.

Aber: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Schon fast perfekt in die Lücke geschoben ergab sich nämlich ein längerer Stopp, der letztlich auf einem Missverständnis beruhte und Divergenzen bei den Höhenmassen monierte. Aber Entwarnung: «Ein Messfehler des Bauteams auf der Brücke war die Ursache», so Mediensprecherin Jasmin Huwyler.

Für 80 Jahre ausgelegt

Wer den aus Beton gegossenen und mit Armierungseisen bestückten Koloss so vor sich hin gleiten sieht, fragt unweigerlich: Wie lange wird dieses Konstrukt halten, dessen Tunnelung eine Lichthöhe von 6 und eine Durchfahrtsbreite von 7,3 Meter aufweist? «Unter den besten Voraussetzungen kann man von acht Jahrzehnten ausgehen», sagt Leisinger, der sich als Nächstes mit der Demontage beziehungsweise dem Versetzen von Masten zu beschäftigen hat. «Das ist, bei knappen Platzverhältnissen wie hier, immer eine relativ heikle Aufgabe, weil die Arbeiten unter ordentlichem Bahnbetrieb ablaufen,» sagt er.

Ende August dann, genau wie im Vorfeld kommuniziert, werden sämtliche Arbeiten abgeschlossen sein und die ersten Fahrzeuge können wieder durch die erneuerte Strassenunterführung Tannwaldstrasse Nord verkehren. «Das genaue Datum ist zum heutigen Zeitpunkt allerdings noch offen», so Huwyler.