Die Befürchtungen der Jäger diesen Frühling bewahrheiteten sich. Der bis auf wenige Frostperioden mild verlaufende Winter führte dazu, dass die Wildsauen einen reich gedeckten Tisch in Feld und Wald vorfanden und sich daher weiter stark vermehren konnten. Ein Indiz für die hohen Schwarzwildbestände sind die Schäden an den landwirtschaftlichen Kulturen und damit sehr verärgerte Bauern, die viel Druck auf die Jäger ausüben.

Die Regulierung der Schwarzwildpopulation obliegt im Kanton Solothurn den jeweiligen Jagdgesellschaften. Seit Jahren versuchen die Jäger mit verschiedenen Jagdformen, den Schwarzkitteln effizient Herr zu werden. Urs Liniger, Jagdleiter im Revier Born, überlegt schon seit einiger Zeit, wie man die traditionelle Herbstjagd verändern kann, um mit weniger Aufwand die angestrebte Bestandesreduzierung erreichen zu können.

Spricht man von traditioneller Jagd, so ist das die herbstliche Bewegungsjagd auf Rehwild, Wildschwein und Fuchs. Dabei sind meist um etwa ein bis zwei Dutzend Jäger im Einsatz und es werden jeweils nur kleine Gebiete eines Reviers bejagt.

Tage reichen nicht aus

Bei den heutigen, grossen Schwarzwildbeständen reichen die üblichen acht bis zehn Jagdtage im Herbst – nebst vielen, vielen Stunden mit Nachtansitz – bei weitem nicht mehr, um den geplanten Abschuss einigermassen erzielen zu können. Wenn dies mit weniger Jagdtagen gelänge – umso besser.

Gute Erfahrungen hatte man in der Vergangenheit im Ausland mit grossflächigen Bewegungsjagden gemacht. Das Wesen dieser Jagdart ist der Einsatz einer viel grösseren Zahl von Jägern, Treibern und vor allem von gut abgerichteten, auf Schwarzwild ausgebildeter Hunden.

Ein weiteres wesentliches Merkmal ist die kurze Dauer der Störung im Wald. Innert ungefähr drei Stunden ist die Jagd vorbei. Dabei geht es darum, die zu bejagenden Tiere aus ihren Deckungen zu bringen.

Wildtiere haben die Eigenschaft, nach einer Störung, gleich in die nächste Deckung zu weichen. In der klassischen Herbstjagd ist nach dem Durchgehen der Treiber keine weitere Störung zu erwarten; die Tiere bleiben in ihrem sicheren Versteck. Bei den hier beschriebenen grossflächigen Bewegungsjagden kommt aber mehr als eine Treibergruppe zum Einsatz.

Zusammen mit der grösseren Anzahl geführter Hunde werden die Dickungen mehrfach durchgegangen. Damit kommt es auch zu weiteren Störungen des verkrochenen Wildes. Nach der zweiten oder dritten Störung versuchen dann die Tiere, sich grossräumig aus der Störungszone zu entfernen. Dazu begeben sie sich auf gewohnte Wechsel (Wege des Wildes). Jetzt kommt die grossflächige, geschickte Verteilung der Jäger zum Zuge. Auf den Fluchtwegen, welche meist ruhig und mit Bedacht von den Tieren begangen werden, besteht dann die gute Möglichkeit einer sicheren Erlegung des Wildes. Dies ist der Mechanismus der grossflächigen Bewegungsjagd.

Grosse Herausforderung

Eine Jagd für so viele Personen und Hunde zu planen und durchzuführen ist eine grosse Herausforderung. Als Erstes muss eine Vielzahl von Jagdständen für diese Jagdart tauglich gemacht werden. Dabei spielt die Sicherheit eine zentrale Frage. Denn man muss ja auch mit Privatpersonen während des Jagdbetriebs rechnen. Diese Plätze werden so gestaltet, dass der Jäger eine gute Sicht hat und in jedem Fall ein Kugelfang vorhanden ist.

Jagdleiter Urs Liniger organisierte am Born im Januar eine solche Jagd nur für die Bejagung des Schwarzwildes. Der grosse Erfolg von 12 erlegten Sauen motivierte dann die Jagdgesellschaft Born dazu, diese Art der Jagd auch im Rahmen der Herbstjagd durchzuführen. Dazu wurden im November und jetzt im Dezember zwei Jagden, diesmal auch mit der zusätzlichen Bejagung des Rehwildes, organisiert.

Auf der Basis der Januarjagd wurden die Stände der Jäger strategisch noch etwas besser ausgerichtet und wiederum gut vorbereitet. Dann wurden jedem eingeladenen Jäger vorgängig die jagdlichen Richtlinien detailliert und schriftlich übermittelt. Danach waren die gegen 30 Treiber effizient einzusetzen. Der Born wurde deshalb in zwölf Treiberreviere eingeteilt.

Jeder Treiberchef bekam eine Karte mit der genauen Marschroute. Zudem wurde jede Treiberkette noch mit Stöberhunden verstärkt. Denn es können noch so viele Treiber sein: ohne Hunde, welche jedes Dickicht durchforsten, bringt man nur vereinzelt Tiere auf die Läufe. Zu diesen Stöberhunden gesellten sich noch die Hundeführer, welche speziell auf Schwarzwild ausgebildete Hunde mitführen.

Reiche Beute war der Arbeit Lohn

So, gut organisiert und mit dem nötigen jagdlich guten Wetter beglückt, kamen zwei erfolgreiche Jagdtage zustande. Beide Male wurde lediglich drei Stunden lang der ganze Born beunruhigt. Reiche Beute war der Lohn der Arbeit.

Aber nicht nur im Born veranstaltete man solche Jagden. Das Jagdrevier Homberg (Wangen bei Olten) führte ebenfalls bereits zwei dieser Jagden durch und hat noch in diesem Jahr eine Weitere geplant. Die Jagdgesellschaften Froburg und Lostorf weidwerkten gemeinsam ebenso nach diesem Muster. Sogar für die schwergewichtige Jagd auf das Rehwild kamen die Reviere Härkingen und Neundorf-Wolfwil in gemeinsamer Jagd zu grossem Erfolg.

Die Ergebnisse sind in allen Revieren vielversprechend. In den Gebieten mit grossen Wildbeständen scheint es, dass diese grossflächigen Jagden ein adäquates Mittel sind, um die Schwarzwild- wie auch die Rehwildbestände, effizient und schonend auf ein gesundes Mass reduzieren zu können. Einher geht damit der angestrebte Rückgang der massiven Schäden in den Kulturen.

Auf Minimum reduziert

Die Vorteile dieser neueren Jagdart, im Gegensatz zur klassischen Herbstjagd, liegen klar auf der Hand: Die Beunruhigung der Tiere reduziert sich auf ein Minimum; es braucht weniger Jagdtage; die Jagdzeiten verkürzen sich deutlich; die Effizienz der Jagd steigt massiv.

Und, als angenehmer Nebeneffekt, können wir auch festhalten, dass die Störung der Waldbenützer – nicht nur des Wildes – sich deutlich reduziert. Somit ist allen gedient und die wunderbaren, farblich prächtigen Herbsttage können auch von Nichtjägern in vollen Zügen genossen werden.