Olten
Die «Messe in Kriegszeiten» ist noch immer aktuell

Der grosse Chor der Kantonsschule Olten begeisterte mit geistlichen Werken von Joseph Haydn.

Vera Frey
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Grosser Chor der Kantonsschule, Capella der Marienkirche Basel und das Solistenquartett in der Stadtkirche Olten

Grosser Chor der Kantonsschule, Capella der Marienkirche Basel und das Solistenquartett in der Stadtkirche Olten

Bruno Kissling

Auch fast 220 Jahre nach ihrer Komposition hat Joseph Haydns «Missa in tempore belli» («Messe in Zeiten des Krieges»), welche der grosse Chor der Kantonsschule Olten am letzten Samstag in der Stadtkirche im Konzert aufgeführt hat, nichts an seiner Aktualität verloren. Selten ist das Flehen um Frieden in einem geistlichen Werk so eindringlich spürbar wie in dieser Messe, indem es gegen musikalischen Kriegslärm, bedrohliche Paukenwirbel und Trompetenfanfaren ankämpfen muss.

Glaube und Vertrauen bestimmen

Nicht Kriegsangst, sondern Glaube und Vertrauen bestimmen das Werk, welches ebenso innige wie freudige Teile enthält. Ihre Spannung erhält die Messe durch das Ineinandergreifen von Chor, Orchester und Solisten.

Gesamtleiter Cyrill Schmiedlin konnte bei seinem präzisen und kraftvollen Dirigat nicht nur auf ein sehr gut eingespieltes und professionelles Musikerensemble mit der Capella der Marienkirche Basel und ein homogenes Solistenquartett, sondern mit seinem 120-köpfigen Chor auch auf eine grosse Zahl junges Talent, einen kristallklaren Sopran und insgesamt auf einen sehr flexiblen Klangkörper zählen. So kamen die Zuhörerinnen und Zuhörer in der sehr gut gefüllten Stadtkirche in den Genuss eines aussergewöhnlichen und ausgewogenen Klangerlebnisses.

Freudiges Kyrie

Bereits im freudigen Kyrie traten neben dem harmonischen Miteinander von Chor und Orchester die beiden Solistinnen hervor. Vor allem die französische Sopranistin Oriane Pons bestach mit ihrer wunderbar klaren, kraftvollen und runden Stimme. Dagegen kämpfte die mit beseelter Wärme und Ausdruck ausgestattete Stimme von Mezzosopranistin Daphné Mosimann fast etwas um Gehör.

Stimmungsvoll und mit wundervollem Timbre erklang im Gloria Marcus Niedermeyrs Bariton, vom Solo-Cello begleitet. Der Chor nahm sein «Qui tollis» in schönem Piano auf. Ein freudiges Tenorsolo sang David Munderloh im Sanctus, während im Benedictus das Solistenquartett mit den Streichern alternierte.

Schöner Abschluss

Nach der grandiosen «Paukenmesse» bot das viersätzig angelegte «Salve Regina» in g-Moll, ebenfalls von Haydn, einen schönen Abschluss des Konzerts. Der Komponist erweist sich bei diesem Werk als Meister in der musikalischen Umsetzung der marianischen Textvorlage. Das «Salve Regina» ist von der konzertierenden Verwendung der Orgel geprägt, der Hans Häusermann virtuose Gestalt verlieh. Das Solistenquartett entfaltete auf Anhieb eine Qualität, Kultur und Grösse des Gesanges, als ob es ein Chor wäre. Und die Streicher bilden dazu den ausgewogenen Teppich.

Ausser einer kurzen Passage im ersten Satz, während der die jungen Sängerinnen und Sänger ein etwas schnelleres Tempo anschlugen als Dirigent Cyrill Schmiedlin, hatte dieser die Zügel fest in Händen und schaffte es, seine Motivation und Freude an der wunderbaren Musik von Joseph Haydn auf den Chor und damit auch auf das Publikum zu übertragen.

Dieses dankte schliesslich nach dem letzten Ton auch mit lang anhaltendem Applaus und Ovationen im Stehen dem Chor, seinem Leiter sowie dem Orchester für ihre umfangreiche Arbeit, welche vor allem die jungen Sängerinnen und Sänger, von Ehemaligen und Lehrpersonen unterstützt, in zahlreichen Probestunden geleistet hatten und die sich schliesslich in diesem grandiosen und begeisternden Konzert ausgezahlt hat.