Hägendorf
Die Mehrheit ist gegen lange Öffnungszeiten – doch Coop bleibt dran

Längere Ladenöffnungszeiten – ein Thema, das die Geister in Hägendorf scheidet. Coop ist mit einem entsprechenden Gesuch bei den Gemeindeverantwortlichen zum zweiten Mal abgeblitzt. Auch bei den Ladenbetreibenden regt sich mehrheitlich Widerstand.

Karin Schmid
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Reger Betrieb auf dem Dorfplatz mit und ohne längere Ladenöffnung: Die Mehrheit der Ladenbetreibenden möchte die bisherigen Schlusszeiten beibehalten.

Reger Betrieb auf dem Dorfplatz mit und ohne längere Ladenöffnung: Die Mehrheit der Ladenbetreibenden möchte die bisherigen Schlusszeiten beibehalten.

Karin Schmid

Sind die Ladengeschäfte abends und am Samstag lange geöffnet, freuen sich viele Kundinnen und Kunden sowie Geschäftsleitungen, doch für die Mitarbeiter/-innen bedeutet die längere Öffnungszeit oft auch eine längere Arbeitszeit. In Hägendorf hat Coop vor etwas mehr als einem Jahr mit einem entsprechenden Gesuch an die Gemeindebehörde die Diskussion darüber eröffnet. Die Meinung scheint grossmehrheitlich klar zu sein.

Im November 2013 hat Coop Schweiz erstmals dem Hägendörfer Gemeinderat ein Gesuch eingereicht zur Verlängerung der Ladenöffnungszeiten der Coop-Filiale in Hägendorf. Dabei ging es um den Samstag, an dem das Geschäft, analog dem Gäupark statt bis
16 Uhr künftig bis 17 Uhr offen bleiben sollte. «Unserer Meinung nach wäre das Bedürfnis nach längeren Öffnungszeiten vorhanden; die Erfahrungen im Gäupark zeigen dies», erklärt Patrick Häfliger von der Kommunikationsabteilung Coop Verkaufsregion Nordwestschweiz- Zentralschweiz-Zürich die Beweggründe der Geschäftsleitung. Diese hatte damals versichert, dass die Mitarbeitenden bei einer Verlängerung der Öffnungszeit «unter dem Strich nicht länger arbeiten» müssen.

Der Gemeinderat brachte diese Anfrage im März 2014 vor die Gemeindeversammlung, wo der Souverän von einer Coop-Mitarbeiterin erfuhr, dass die direkt betroffenen Angestellten nicht derselben Meinung wie die Geschäftsleitung seien. Auf Bitte der Mitarbeiterin – die, wie Gemeindepräsident Albert Studer auf spätere Nachfrage erfuhr, nach wie vor dort tätig ist – und auf Antrag eines Einwohners wies die Versammlung das Gesuch von Coop an den Rat zurück. Dieser erhielt damit den Auftrag, in den örtlichen Ladengeschäften das Bedürfnis nach längeren Öffnungszeiten abzuklären.

Die Geschäftsleitung von Coop nahm den Entscheid «mit Bedauern zur Kenntnis», gab jedoch nicht auf und wandte sich Ende 2014 mit einem
erneuten Gesuch an die Gemeindeverantwortlichen von Hägendorf. «Nach der Modernisierung und der Erweiterung der Verkaufsstelle sehen wir zusätzliches Potenzial für längere
Öffnungszeiten», argumentiert Patrick Häfliger. Denn: «Das Kundenbedürfnis ist unserer Meinung nach weiterhin vorhanden.»

Nachdem eine behördenseitige Umfrage in den Ladengeschäften gezeigt hatte, dass die Mehrheit nicht an einer Verlängerung der Öffnungszeiten interessiert ist, lehnte der Gemeinderat mit dieser Begründung auch das zweite Coop-Gesuch Ende Januar 2015 ab. Die Geschäftsleitung von Coop hat laut Patrick Häfliger auch die zweite Absage «mit Bedauern zur Kenntnis» genommen – und versichert, dass sich «mit diesem Entscheid für die Verkaufsstelle nichts ändert».

Dies könnte es aber, wenn die Solothurner/-innen bei der kantonalen Volksabstimmung am 8. März das neue Wirtschafts- und Arbeitsgesetz annehmen – und zwar egal, für welche Variante der Ladenöffnungszeiten sie sich entscheiden. Denn in Variante 1 können die Läden von Montag bis Freitag von 5 bis 20 Uhr und an Samstagen bis 18 Uhr geöffnet sein, in Variante 2 von Montag bis Freitag von 5 bis 18.30 Uhr (dazu an einem Werktag pro Woche bis 21 Uhr) und am Samstag ebenfalls bis 18 Uhr.

Würde Coop die Öffnungszeit in Hägendorf am Samstag bei einer Annahme sogar bis 18 Uhr verlängern? Bei der Beantwortung dieser Frage halten sich die Verantwortlichen bedeckt. «Coop passt die Öffnungszeiten ihrer Verkaufsstellen jeweils den Kundenbedürfnissen und den örtlichen Gegebenheiten an», hält Häfliger fest.