Am Weihnachtskonzert vom Sonntagabend erlebte das Publikum im Stadttheater ein musikalisches Erlebnis mit den beiden Gitarristen Michael Erni und Anton Kudryavtsev. Der Abend begann mit Variationen von Fernando Sor aus dem 18. Jahrhundert: Passagen voller melodischer Leichtigkeit, manchmal verspielt, dann wieder in sich fein strukturiert. Bereits der Einstieg in das Konzert war ein musikalisches Vergnügen.

Mit der Ouverture zu Il Barbiere de Seviglia von Rossini ging es kraftvoller und in vielschichtiger Lebendigkeit weiter. Das Stück wurde arrangiert von Mauro Guiliani, der von 1781 -1829 eine wichtige Rolle in der Musikinterpretation spielte. Im nächsten Stück arrangierte Michael Erni eine Variation für zwei Gitarren zur Musik von Tarrega aus dem 19. Jahrhundert. Die melodischen Passagen voller musikalischer Ausdruckskraft trugen die spanische Atmosphäre lebendig in den Raum.

Sehnsucht nach dem Kreativen

Dann folgte die diesjährige Eigenkomposition 12 String Toccata von Michael Erni. Es sei wie bei einem Schriftsteller oder Maler, beschreibt der Musiker, was ihn zum Komponieren animiert. Die Lust am Kreativen, am Neuen treibe einen einfach an, sodass man komponieren müsse, weil man in sich diese Sehnsucht nach dem Kreativen spüre, die einen eigentlich nie loslasse.

Es war eine Uraufführung, in sich geprägt von unterschiedlichen Rhythmen, kraftvollen Passagen und dann wieder zärtliche, überraschende Effekte. Das Publikum erlebte moderne Musikinterpretationen bis hinein in den Jazz . Diese eigenwillige, zum Teil sogar witzige Komposition, zeigte neue Dimensionen des Gitarrenspiels von Erni und seinem Partner auf.

Nach der Pause erklangen sanfte, aber dennoch temperamentvolle Tangotöne. Auch hier kreierten die Musiker Variationen, die das Publikum fesselten und begeisterten. Mit der Musik von Isaac Albeniz ging es mit dem Stück Cordoba weiter, Cantos de Espana in herrlicher Virtuosität und wechselte dann zu einer Bolero-Melodie voller Dynamik. Im letzten Stück erlebte das Publikum einen Danza del Molinero von Manuel de Falla. Wegen den vielen raschen Wechseln in der Melodie und den feinen Abstufungen steckte das Stück voller Überraschungen.

Fehlendes Notenblatt sorgt für Schmunzeln

Der Konzertabend war geprägt von grosser musikalischer Qualität. Erni gehört zu den prominentesten Schweizer Gitarristen und Kudryavtsev steht ihm in nichts nach. Dieses Konzert sorgte für eine fein differenzierte Weihnachtsstimmung, in der sich Zartes, Verspieltes und auch Witziges mit kraftvollen Passagen paarte.

Das Publikum stieg ein in ganz unterschiedliche Musikvariationen und erlebte ein Gitarrenduo, das es in sich hatte und das Publikum zu begeistern vermochte. Deshalb störte es auch nicht, dass Erni während des Spiels plötzlich eine Notenseite vermisste. Diese kam dann am Schluss wieder ans Licht, sehr zum Vergnügen des Publikums.

Die spanische Musik des Konzertabends fesselte das Publikum, das sich mit herzhaftem Applaus beim Gitarrenduo bedankte. Jedoch waren es vor allem die Eigenkreationen von Michael Erni, die zu berühren vermochten.