Olten
Die Kunst hat viele Facetten

Das Café Philo in Olten diskutierte über den Stellenwert der Kunst.

Urs Amacher
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Leitete die philosophische Gesprächsrunde: Kunsthistorikerin Katja Herlach.

Leitete die philosophische Gesprächsrunde: Kunsthistorikerin Katja Herlach.

Patrick Lüthy

Die Frage, welcher das Café Philo am Sonntagvormittag nachgehen wollte, lautete: «Was ist die Bedeutung der Kunst in der Gesellschaft?» Das Leitungsteam hatte für diese philosophische Gesprächsrunde die Kunsthistorikerin Katja Herlach eingeladen. Als Kuratorin des Kunstmuseums Olten ist sie beruflich sozusagen täglich mit der Frage zur Relevanz von Kunst konfrontiert.

Zu Beginn schlug Herlach vor, den Begriff Kunst weit zu definieren und auch Musik einzuschliessen, jedoch ohne sie so umfassend wie den Begriff Kultur zu verstehen, der alle möglichen Ausdrucksformen dazu zählt. Aus der Mitte des Plenums kam dann die Anregung, sich auf die bildende Kunst, auf Gemälde und Bildhauerei, zu fokussieren. Selbst hier gab es verschiedene Meinungen. Jemand schlug vor, statt von Kunstwerken von kreativen Werken zu reden. Dadurch wurde die Bandbreite von irgendwelcher Kreativität zu anerkannt künstlerischen Schaffens sehr gross.

Bildende Kunst bildet

Folglich werden der Kunst nicht eine Bedeutsamkeit, sondern mehrere Bedeutungen zugeordnet. Dies kristallisierte sich in der angeregten anderthalbstündigen Diskussion im Quartierzentrum Cultibo heraus. Die Kunst hatte früher die Funktion, das Publikum zu bilden und sein ästhetisches Empfinden zu schulen. Das damalige Medium «Museum» hat aber längst Konkurrenz bekommen. Zudem haben Kunstschaffende das Bedürfnis, entweder zu erfreuen oder etwas zu verkünden, zu provozieren oder mindestens den Betrachter zum Nachdenken und Überprüfen seiner Meinung anzuregen. Ob es gelingt, hängt von der persönlichen Betroffenheit des Betrachters ab.

Kunst und Kommerz

Unsere Gesellschaft definiert sich in vielen Bereichen über materielle Werte. Dem kann sich die Kunst nicht wirklich entziehen. Zwar mag es das Klischee vom Künstler aus Berufung geben, der in prekären Verhältnissen nur für seine Kunst lebt. Wenn er es aber nicht schafft, einmal etwas zu verkaufen, wird er von der Kunst nicht leben. Der Gegenpart ist der Bestseller im Kunsthandel, bei dem nur schon dessen Name erkleckliche Summen einbringt. Dazwischen bewegen sich die Kunstschaffenden, die sich im Kunstbetrieb zurechtfinden, mit der Macht der Galeristen, Museumsdirektorinnen und Jurymitgliedern arrangieren und Kompromisse eingehen müssen. Das ist nicht neu. Schon vor langer Zeit entstanden Kunstwerke praktisch ausschliesslich als Auftragsarbeiten, sei es für Kirchen oder Paläste.

Kunst hat viele weitere Bedeutungen. Ausser der Summe, den in unserer von finanziellen Aspekten definierten Gesellschaft ein Kunstwerk als Kapitalanlage besitzt, hat es immaterielle Werte, es hat zu repräsentieren. Wer ein ausgesuchtes Kunstwerk an die Wohnzimmerwand hängt, schmückt sich mit ihm, manifestiert sich als gebildet, schöngeistig und kulturell gepflegt.

Kunst soll sich nicht nur dem individuellen ästhetischen Empfinden unterwerfen. Sie hat das Recht und die Pflicht, uns herauszufordern, unseren eigenen Wertekanon infrage zu stellen bis hin zur Überforderung. Das kann auch ungegenständliche Kunst sein, so man sich denn auf sie überhaupt einlässt.

Gesellschaftlich relevant wird Kunst beispielsweise dann, wenn sie als Seismograph wirkt, das heisst, wenn sie in künstlerischer, eventuell sogar in revolutionär kreativer Weise zukünftige Entwicklungen in Kultur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vorwegnimmt.

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