Olten
Die Kultur kommt zu den Leuten auf die Strasse

Der Verein Pro Kultur Olten lanciert ein Projekt, dass die Kunst in die Öffentlichkeit holt.

Fabian Muster
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Initianten des Projekts markieren mit Sprays den Kulturplatz beim «Pavillon» (v.l.): Felix Wettstein, Daniel Schneider, Regina Graber und Daniel Kissling von Pro Kultur Olten.

Initianten des Projekts markieren mit Sprays den Kulturplatz beim «Pavillon» (v.l.): Felix Wettstein, Daniel Schneider, Regina Graber und Daniel Kissling von Pro Kultur Olten.

zvg

Kultur soll in Olten etwas für die breite Bevölkerungsschicht sein und nicht nur für Kulturinteressierte. Sie müsste daher dort anzutreffen sein, wo auch nicht kulturaffine Leute damit in Berührung kommen können. Das haben sich die Verantwortlichen des Vereins Pro Kultur Olten gesagt und drehen mit ihrem neuen Projekt damit die Vorstellung, wo man Kultur erwartet, so ziemlich auf den Kopf. Kultur soll nicht von langer Hand geplant etwa im Stadttheater oder einer der Kulturlokale zu vorgängig angekündigter Zeit zu sehen sein, sondern spontan auf der Strasse passieren. «Die Leute müssen nicht mehr zur Kultur, sondern die Kultur kommt zu den Leuten», sagt Regina Graber, Präsidentin vom Verein Pro Kultur Olten.

Das Projekt heisst «Kulturplätze» und wird diesen Samstag eröffnet. An vier mit Markierungen bestimmten Standorten in der Stadt Olten (beim «Pavillon» an der Riggenbachstrasse, an der Mühlegasse bei der Dünnernbrücke und auf beiden Strassenseiten der Bahnhofbrücke auf der Seite des Amtshausquais) dürfen Künstler künftig das zeigen, was sie wollen. Ihnen steht von 8 bis 22 Uhr ein 16 m2 grosser Platz zur Verfügung – ein Quadrat von vier mal vier Metern –, der ohne vorherige Anmeldung benützt werden darf und auch nicht reserviert werden kann. Um eine Bewilligung müssen sich die Künstler nicht kümmern; diese haben die Verantwortlichen von Pro Kultur Olten bereits bei der Stadt eingeholt.

Es gibt allerdings ein paar Spielregeln, die per Plakat bei jedem Standort in Absprache mit der Stadt öffentlich gemacht und eingehalten werden müssen: Maximal einen Tag dürfen die Künstler einen der vier Plätze belegen – bei grösserem Aufwand sind Ausnahmen nach vorheriger Absprache mit Pro Kultur möglich –, danach muss der Platz wieder geräumt werden. Die Fläche darf nicht für kommerzielle Zwecke gebraucht werden, etwa für den Verkauf der eigenen Kunst. Zudem ist jeder Künstler für sein Tun selbst verantwortlich und haftbar. Die vier Kulturplätze sollen voraussichtlich bis zur Messe in Olten (MIO) Ende September/Anfang Oktober bestehen bleiben. Nach dem Versuchsbetrieb wird entschieden, wie es weitergehen soll.

Für alle Kultursparten offen

Das Projekt «Kulturplätze» hat kein direktes Vorbild, heisst es bei Pro Kultur Olten. «So wie es öffentliche Parkplätze für Autos gibt, wollten wir öffentliche Plätze schaffen, die für Kultur reserviert sind», sagt Initiantin Graber. Langfristiges Ziel wäre es, solche Standorte, wo Kultur spontan stattfinden kann, definitiv in der Stadt Olten zu etablieren. Graber hofft, dass das Kulturschaffen so in Olten sichtbarer wird und sich auch Künstler an die Öffentlichkeit wagen, die noch kein fertiges Werk präsentieren können. Zudem gebe es bei den Kultursparten keine Vorgaben. «Ein Gesang, ein Strassenkreidebild, eine Pantomime, ein Lyrikvortrag, eine Skulptur für einen Tag sind denkbar», heisst es in der Medienmitteilung.

Die Stadt zeigte sich für das Anliegen der Pro-Kultur-Leute offen, machte aber bei der Bewilligung für den Versuchsbetrieb klare Vorgaben, wie es auf Anfrage heisst. «Die Stadt darf keinen grossen Aufwand damit haben», sagt Stadtschreiber Markus Dietler. Muss etwa der Werkhof immer wieder auf einem der vier Kulturplätze aufräumen, so kann sich die Stadt auch einen Übungsabbruch vorstellen. Zudem müssen die Spielregeln klar sein und öffentlich gemacht werden. Dies geschieht mit Plakaten, gestaltet von der Oltner Illustratorin Petra Bürgisser.

Eröffnung Am Samstag, 10. Juni, werden die vier Kulturplätze mit Darbietungen von Kulturschaffenden eröffnet. Um 14 und um 15.30 Uhr startet je ein geführter Rundgang vor dem Restaurant Pavillon. Am Schluss des zweiten Rundgangs gibts ein Apéro.