Vor vier Jahren reichte es noch nicht, doch jetzt ist es geschafft: Die Junge SP Region Olten (JSPRO) erobert einen Sitz im Solothurner Kantonsrat. Fragt man Simon Gomm, Co-Präsident der JSPRO und frischgewählter Kantonsrat, nach den Gründen für den Erfolg seiner Partei, stellt er folgende Mutmassung an: «Es könnte sein, dass es bei den 30- bis 40-jährigen Kandidierenden ein Loch gibt und so vermehrt auf die unter 30-Jährigen zurückgegriffen wurde.»

Tatsächlich gibt es nicht halb so viele Kandidierende zwischen 30 und 40 Jahren wie in der Altersklasse der Jungen SP. Selbst die 40- bis 50-jährigen Kandidaten stellen einen kleineren Anteil. Die Niedergösgerin Mara Moser sieht den Grund für den Erfolg der Jungpartei anderswo: «Die Junge SP hat in den letzten vier Jahren Vollgas gegeben und sich einen Namen gemacht.»

2013 kandidierte Moser selbst noch auf dieser Liste und holte mehr Stimmen als alle ihre Kolleginnen und Kollegen. Wenn Susanne Schaffner im zweiten Wahlgang in den Regierungsrat gewählt wird, kann die 24-Jährige in den Kantonsrat nachrücken und Jonas Hufschmid (CVP) als jüngsten Kantonsrat ablösen.

Auch Hufschmid, einer der bekanntesten Jungpolitiker der Region, hat seine Theorie, weshalb dieses Jahr so viele Jungkandidaten erfolgreich waren: «Die Zahl der jungen Bewerber war sehr hoch, viele traten zum zweiten oder dritten Mal an, sei es bei Kantons- oder Nationalratswahlen. Diese Beständigkeit hat den Bekanntheitsgrad der Jungpolitiker vergrössert und ihnen so zum Erfolg verholfen.» Es sind in der Tat rund doppelt so viele Kandidaten unter 30 Jahren wie 2013 und 2009.

Den Vorteil für den Wähler, Junge zu favorisieren, sieht Hufschmid darin, dass damit auch generationenspezifische Themen eine Stimme bekommen. Bei diesen vertreten Jungpolitiker vieler Parteien ähnliche Meinungen. Das ist laut Hufschmid deshalb möglich, weil die Partei nur die Grundhaltung eines Politikers vorgibt. Eine gute Altersdurchmischung betrachtet er als Gewinn für den Kantonsrat.

Philippe Ruf, Präsident der SVP Stadt Olten, sieht den Vorteil der jungen Politiker darin, dass sie an ihrer eigenen Zukunft arbeiten können und nicht an derjenigen ihrer Kinder.

Junge punkten auch bei Älteren

Mit diesen Argumenten konnten die Jungen auch bei den Älteren punkten. Ruf führt an, dass diese oft das Engagement der Jungen für die Gemeinschaft begrüssen, während Gomm auf die Panaschierstatistik verweist, um diese Theorie zu belegen. Die Junge SP Region Olten hat sehr viele Stimmen von der SP-Liste bekommen.

Philippe Ruf ist der Einzige, der die Meinung vertritt, Jungpolitiker würden gleichermassen von jungen und älteren Wählern unterstützt. Moser, Hufschmid und Gomm dagegen sind der Ansicht, Junge würden meist von Jungen gewählt. Das wiederum deckt sich mit der Aussage junger Wähler, sie berücksichtigten vor allem Personen, die sie bereits kennen. Das sind oft Gleichaltrige.

Hört man sich bei den Jungen noch weiter um, so tönt es fast ausschliesslich so: «Ja, ich habe junge Kandidierende gewählt. Nicht nur, aber auch.» So ist es auch naheliegend, dass sich die Liste der Jungen SP Region Olten grosser Beliebtheit erfreute, ging man doch mit ihr auf Nummer sicher, jemanden zu wählen, der die Interessen der unter 30-Jährigen vertritt.

Auch wenn nur eine junge Liste zur Wahl stand, so war doch die Auswahl an jungen Kandidaten relativ gross. Viele Jungpolitiker kandidierten auf der Liste ihrer Mutterpartei. Es könnte also sein, dass der Erfolg der Jungen SP andere Jungparteien ermutigt, bei den nächsten Wahlen auch mit einer eigenen Liste anzutreten.