Olten

Die Idylle währt nur für einige Monate – Nächstes Jahr wird schon wieder weitergebaut

Derzeit ist wieder Friede eingekehrt am Oberen Graben. Im Februar 2018 aber geht die Bauerei erneut los. Bruno Kissling

Derzeit ist wieder Friede eingekehrt am Oberen Graben. Im Februar 2018 aber geht die Bauerei erneut los. Bruno Kissling

Momentan herrscht zwar Ruhe, doch die sich über Jahre erstreckenden Umbauarbeiten am Oberen Graben in Olten sorgen für mächtig Unmut bei Anwohnern und Café-Betreiber.

Nein, die Bauarbeiten am Oberen Graben sind nicht fertig, nur unterbrochen. Bis kommenden Februar. Dann gehts weiter – noch bis im Mai 2018. Und später, im Jahr 2019, folgt noch die Verpflanzung von Bäumen. So viel zur zeitlichen Perspektive am Oberen Graben. Jetzt, Mitte Juni, ist vorübergehend Ruhe eingekehrt, haben sich die Gemüter derjenigen etwas abgekühlt, die von der mehrmonatigen Bauverzögerung und weiteren Verwerfungen speziell betroffen sind.

Aber es braucht nicht viel, um den ganzen Missmut der letzten Monate wieder an die Oberfläche gespült zu sehen. So etwa die Platzierung des WC-Wagens während des Streetfood Festivals. «Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl hätte sich das vermeiden lassen», erzählt Anwohner Claude Schoch.

Bei der ersten Orientierung der Anrainer des Oberen Grabens im Januar 2017 sei von einer Baustellendauer von drei Monaten gesprochen worden. «Dass sich die ganze Sache dann mehrere Monate verzögert», ist mir nur schwer zu erklären», sagt er. Er kann durchaus verstehen, dass Bauarbeiten nicht vor Unvorhersehbarem gefeit sind. Aber Schoch findet: «In solchen Fällen lassen sich doch mehr Arbeitskräfte aufbieten, um ein Problem schneller beheben zu können.» Auch hätte er sich eine weitere Anwohnerinformation gewünscht. Die wäre, wie er findet, «nötig gewesen und hätte die Situation sicher entspannt».

Café Grogg ist in Nöten

Zu den arg Gebeutelten in dieser Angelegenheit gehört auch Markus Jans, Betreiber des Café Grogg am Oberen Graben. Schon im März hatte diese Zeitung berichtet, der Gastronom leide wegen der dortigen Baustelle unter einem markanten Umsatzrückgang. Erst Ende Mai wurden die Bauarbeiten am Oberen Graben unterbrochen, am vergangenen Montag die letzten Abschrankungen fortgebracht. «Grundsätzlich gehören April und Mai zu den umsatzstärksten Monaten», meint der Wirt leicht zerknirscht. Insofern sei das Ende der Bauarbeiten so oder so zu spät gekommen.

Aber Tempi passati: Obwohl: Dass nur wenig später der bereits von Claude Schoch angesprochene WC-Wagen des Streetfood Festivals die Szenerie am Oberen Graben wieder eintrübte, stösst ihm noch heute mehr als sauer auf. «Das hat mir definitiv den Rest gegeben», bilanziert Jans. «Natürlich müssen die sanitären Einrichtungen irgendwo stehen», schiebt er nach.

Aber eben: «Warum gerade hier, fünf Meter vom Strassencafé entfernt? Und das erst noch ohne vorausgehende Information. Der Obere Graben ist als Abstellkammer gerade gut genug», schlussfolgert er und denkt mit einem gewissen Grausen an den kommenden Februar. Dann werden die Arbeiten wieder aufgenommen, dauern wieder bis Ende Mai. «Ich glaube, diesmal triffts das Café noch schlimmer, weil eine Zeit lang just entlang der Hausmauer ein Graben offen bleibt.»

Informationspolitik mangelhaft

Der Grogg-Wirt stellt der Stadt kein gutes Zeugnis in Sachen Informationspolitik aus. Mit «Durchgefallen» etikettiert er die städtische Praxis. «Wissen Sie, wenn Sie Dinge vorher angekündigt bekommen, dann kann man vielleicht noch reagieren und sich auf die Situation einstellen. Aber so!» Jans runzelt die Stirn.

«Mag sein», meint Urs Kissling, Leiter Abteilung Tiefbau der städtischen Baudirektion, bezüglich der gerügten Informationspraxis. Aber was den Vorhalt, die Stadt als Bauherrschaft hätte für mehr Leute auf der Baustelle sorgen können, angeht, gibt er zu verstehen: «Mehr Leute sind nicht des Rätsels Lösung.» Entscheidend sei, dass sich die Arbeiter gegenseitig nicht behindern würden.

Auf einer eher kleinräumigen Baustelle liessen sich eben nicht beliebig viele Leute platzieren. Und zu Unterbruch und Wiederaufnahme der Arbeiten im kommenden Februar nach der Fasnacht meint Kissling: «Diese Variante wurde von Herr Jans befürwortet.» An sich kein grösseres Problem; auch wenn der dadurch notwendige Auftrag des Teerbelags die Sache ein bisschen verteuert. Als Alternative dazu wäre ein Finish der Arbeiten in einem Zug angestanden, was allerdings bis in den Herbst gedauert hätte.

Unglücklich gelaufen

«Stimmt, die Sache mit den WC-Anlagen während des Streetfood Festivals ist unglücklich gelaufen, es war aber keine böse Absicht dahinter», sagt Christoph Koch, Bereichsleiter Gewerbe bei der Stadt. Vorgesehen fürs WC war eigentlich ein Standort an der Mühlegasse. Der aber fiel dem Irrtum zum Opfer, dass die Fäkalien von dort direkt in die Dünnern geleitet würden. «Als Alternative kamen bloss Schützi und Oberer Graben infrage», so Koch. Den Standort Schützi habe man aus Distanzgründen verworfen.

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