Neu im Kantonsrat
Die Hägendörferin Nadine Vögeli kämpft für Gleichberechtigung

Nadine Vögeli (SP) aus Hägendorf könnte sich die Gesundheitskommission vorstellen, aber auch etwas ganz anderes.

Isabel Hempen
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Nadine Vögeli würde sich gerne auch in ein neues Gebiet einarbeiten.

Nadine Vögeli würde sich gerne auch in ein neues Gebiet einarbeiten.

Bruno Kissling

Wahlplakate: findet sie «doof» und «belästigend». Wahlkampf: Davor «grauste» ihr. Sie wollte zu Hause in Hägendorf nicht ihr eigenes Konterfei auf der Strasse grüssen müssen. Also stieg Nadine Vögeli ohne Plakate ins Rennen. Geschadet hat es ihr nicht, den Sitz im Kantonsrat holte die 37-Jährige trotzdem. Vielleicht, weil sie als Frau in der SP gute Karten gehabt habe, mutmasst sie. Oder wegen ihres Alters – «nicht ganz jung, aber noch nicht verbraucht».

Nadine Vögeli sitzt am langen schwarzen Esstisch in der offenen Küche des lichterfüllten Hauses, das sie mit ihrem Mann bewohnt. Auf dem E-Reader vor ihr hat sie gerade noch Zeitung gelesen. Die Wände sind zurückhaltend bebildert, die viel genutzte Kochinsel ist blitzblank. Grosse Glasschiebetüren führen auf die weite Terrasse hinaus. Zufällig Hingeworfenes sucht man hier vergebens. Barfüssig, in Bluejeans und schwarzem Hemd, mit roten Nägeln und Lippen und dezentem Schmuck fügt sich Vögeli nahtlos in die Umgebung ein. «Ich habe gerne Raum», sagt sie.

Sie würde mehr Steuern zahlen

Die klare Linie, die ihren Einrichtungsstil kennzeichnet, mag ihrem Charakter geschuldet sein: Pragmatisch, ehrlich und direkt nennt sie sich. «Ich spreche Sachen an, die meiner Meinung nach nicht richtig laufen. Das ist manchmal nicht ganz einfach für mein Umfeld.» Etwa, wenn es um das Thema Gleichberechtigung geht. Dieses nennt Vögeli ihren «Leitstern». Wobei es ihr keineswegs um eine Besserstellung von Frauen gegenüber Männern gehe. Schliesslich gebe es auch viele Bereiche, wo Männer benachteiligt würden, wenn ihnen etwa nach einer Scheidung die Kinder vorenthalten würden. Zugleich sind alleinerziehende Mütter am meisten von Armut betroffen. «Gleiche Rechte und gleiche Pflichten» sei ihr Credo, dafür stehe sie ein. «Mein Mann hatte früher eine eher konservative Einstellung, auch wir hatten unsere Kämpfe», schiebt sie nach.

Nadine Vögeli

Alter: 37
Aufgewachsen: in Hägendorf in einem unpolitischen Haushalt
Zivilstand: verheiratet, keine Kinder
Beruf: Prozess- und Projektmanagerin, dipl. Pflegefachfrau
Politische Tätigkeiten: 4 Jahre Präsidentin SP Hägendorf, 4 Jahre Vorstand SP Hägendorf, 4 Jahre Ersatzgemeinderätin Hägendorf
Ehrenamtliche Tätigkeiten: Vorstandsmitglied bei Business and Professional Women Olten
Hobbies: Kochen, Lesen, Reisen, Sport

Ihre Eltern seien nie politisch gewesen, zur SP kam sie über ihren Beruf. «Als Pflegefachfrau hatte ich viel mit SP-Leuten zu tun», erzählt sie. Einen politischen Erfolg kann Vögeli, die in Hägendorf aufgewachsen ist, bereits vorweisen. Als sie vor rund acht Jahren in die SP eintrat, sei die Partei im Dorf am Boden gewesen. Kurze Zeit später übernahm sie das Präsidium und baute die Sektion zusammen mit dem Vorstand wieder auf. Zudem amtierte sie vier Jahre lang als Ersatzgemeinderätin. Im Mai stellt sie sich erneut für den Gemeinderat zur Wahl.

Bereits vor vier Jahren wurde Vögeli angefragt, ob sie für den Kantonsrat kandidieren wolle. Damals lehnte sie ab: «Das lag ausserhalb meiner Vorstellung.» Dieses Mal dachte sie jedoch: «Doch, das wäre eine spannende Herausforderung.» Aber eigentlich rechnete sie nicht damit, gewählt zu werden.Der Kantonsrat ist für sie deshalb noch eine abstrakte Grösse. Ihr derzeitiges 90-Prozent-Pensum als Projekt- und Prozessmanagerin im Spital Baden hat sie auf Mai aber schon einmal auf 80 Prozent reduziert. Was sie weiss: «Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Einerseits würde ich mich gerne in der Gesundheitskommission einbringen. Aber es wäre auch spannend, mich in ein anderes Gebiet einzuarbeiten. Ich lerne gerne dazu.»

Vögeli ist sich bewusst, dass sie privilegiert ist: Sie hat eine intakte Familie, konnte lernen, was sie wollte, erhielt stets Unterstützung, ist gesund. «Wenn ich schon dieses Glück habe, fühle ich mich auch verpflichtet, mich für andere einzusetzen», sagt sie. Denn in der Pflege, auf Reisen durch Südostasien und selbst hierzulande habe sie gesehen, dass es Leute gebe, denen es bedeutend schlechter gehe als ihr. Ohne mit der Wimper zu zucken würde sie 500 Franken mehr Steuern zahlen im Jahr. «Ich muss nicht meine Bedingungen verbessern, die sind gut genug.»

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