Eigentlich hatte sich Beatrice Schaffner schon gegen eine Stadtrats-Kandidatur entschieden: Mitte Oktober sagte sie gegenüber dieser Zeitung, dass sie nicht antreten werde. Sie gab an, dass ihr ein nur 30-prozentiges Stadtratsmandat nicht ausreiche, weil sie dann zusammen mit ihrem Kantonsratssitz, sollte sie wieder gewählt werden, nur noch rund zu 50 Prozent in ihrem Beruf arbeiten könnte. Zu wenig aus ihrer Sicht. «Ich könnte die Ansprüche in meinem Job nicht erfüllen», sagte die 52-Jährige damals.

Doch nun hat Schaffner für die berufliche Situation eine Lösung gefunden. «Sollte ich Stadträtin werden, werde ich jobmässig zurückstecken.» Sie wolle dann einen Teil ihrer Aufgaben abgeben. Zudem ist nun klar, dass das Unternehmen, für welches die Ingenieurin im Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien arbeitet, den Standort mit Büro in Olten definitiv weiterführen wird. So sei es für Schaffner bei Bedarf möglich, auch kurzfristig im Stadthaus vorbeizuschauen.

Die Grünliberalen haben mit bisher 2 Sitzen im 50er-Parlament eigentlich keinen Anspruch auf ein Stadtratsmandat. Dieses Manko will die Grünliberale bei Persönlichkeitswahlen wie in der Exekutive mit ihren beruflichen Qualifikationen wettmachen. Die bürgerliche Politikerin sieht sich als Vertreterin der kleineren und mittleren Unternehmen, habe als Ingenieurin technischen Sachverstand und sei unabhängig von verschiedenen Interessengruppen in Olten, so Schaffner über sich.

Zudem hätte sie als Beiständin bei der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb auch Erfahrung im sozialen Bereich vorzuweisen. Im Kantonsrat sitzen die vier Grünliberalen-Vertreter in der CVP-Fraktion und haben so einen direkten Draht zu Finanzdirektor Roland Heim. Ein in Schaffners Augen nicht unwesentlicher Vorteil, wenn es um Finanzbelange geht, welche die Gemeinden auch betreffen. Stichwort Unternehmenssteuerreform III.

Schaffner wurde an der Versammlung der Grünliberalen am Mittwochabend von der Partei ohne Gegenkandidaten einstimmig nominiert. «Als kleine Partei wollen wir nicht immer nur kritisieren, sondern auch einmal Verantwortung übernehmen», sagt Amteipräsident Hansueli Lerch zur Stadtratskandidatur seiner Partei. Zudem wolle man den Wählern so neben den Juristen, Volkswirtschaftern und Lehrern eine alternative Auswahl anbieten.

Bereits zehn Kandidaten

Schaffner ist nun Kandidatur Nummer zehn für die fünf Sitze, die bei den kommenden Oltner Stadtratswahlen im März vergeben werden – und eine von fünf Frauen. Neben ihr kandidieren die bisherige Grüne Iris Schelbert, Marion Rauber für die SP als Ersatz für den nicht mehr antretenden Peter Schafer, Monique Rudolf von Rohr soll für die FDP den zweiten Sitz zurückholen, und Ursula Rüegg für die SVP erstmals ein Mandat überhaupt.

Bei den Männern treten die bisherigen Thomas Marbet für die SP, Benvenuto Savoldelli für die FDP und Stadtpräsident Martin Wey für die CVP an. Nach seiner Nicht-Nomination durch die Freisinnigen hat zudem Thomas Rauch als Wilder seine Kandidatur bekannt gegeben. Als bisher einziger Vertreter von den Jungparteien will ferner Simon Gomm von der Jungen SP
Region Olten Stadtrat werden.