Olten-Gösgen-Gäu
Die gefährliche Fuchsräude bereitet in der Region weiter Sorgen

Die ansteckende Krankheit ist zwar nicht überall im selben Mass verbreitet; dennoch warnt die Jägerschaft vor leichtfertigem Umgang mit befallen Tieren – ob tot oder lebendig. Fuchsräude ist leicht an haarlosen und verkrusteten Hautstellen erkennbar.

Roland Büttiker
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Von der Räude befallener toter Fuchs: Haarausfall und die schwarze Verfärbung der Haut sind im Bereich des hinteren Rückens gut zu sehen. zvg

Von der Räude befallener toter Fuchs: Haarausfall und die schwarze Verfärbung der Haut sind im Bereich des hinteren Rückens gut zu sehen. zvg

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Im Gebiet von Olten Gösgen Gäu ist es etwas still geworden um die durch Milben verursachte Fuchsräude, die bei vielen Säugetieren tödlich verlaufen kann. Eine Umfrage bei den Jagdleitern zeigt, dass es sie noch gibt, allerdings ist sie regional sehr unterschiedlich verbreitet.

Kleine Tiere, grosse Wirkung

Die Fuchsräude ist eine Hautkrankheit, die durch Milben verursacht wird. Bei den Wildtieren spielt vor allem die Grabmilbe eine Rolle, die Bohrgänge in die Haut graben. In diesen Bohrgängen legen sie ihre Eier ab, ernähren sich von Hautzellen und Gewebeflüssigkeit und setzen Kot ab. Bei den wild lebenden Raubtieren ist die Krankheit vor allem beim Rotfuchs bekannt.

Sie kann aber auch beim Schalenwild wie Gämsen, Steinböcken und Wildschweinen auftreten. In der Regel wird die Räude durch direkten Kontakt übertragen. Ist ein Fuchs bereits geschwächt, kann ein freilaufender Hund ihn leicht aufstöbern und sich anstecken. Sie können aber auch vom Wirt auf den Boden fallen und mehrere Wochen überleben.

Symptome leicht erkannt

Die Krankheit sieht man den Tieren bereits von weitem an. Die Füchse sind durch haarlose, entzündete und verkrustete Hautstellen, vor allem an den hinteren Körperpartien, gekennzeichnet. Hochgradiger Juckreiz und Schuppenbildung auf der Haut sind Symptome, die bei den an der Fuchsräude erkrankten Tieren auftreten. Die befallenen Vierbeiner scheuern sich deswegen die Haut auf und fügen sich offene Wunden zu.

Nicht selten zeigen kranke Füchse auch Verhaltensstörungen wie fehlendes Fluchtverhalten, Angriffe gegen Haustiere. Erkrankte Füchse tauchen besonders häufig in der Nähe von menschlichen Siedlungen auf, weil sie dort einfachere Nahrungsquellen finden. Dies erhöht gleichzeitig die Gefahr für Hunde, Katzen oder den Menschen, sich anzustecken. Was bei den Wildtieren meistens tödlich endet, kann bei Hund, Katze und Mensch aber erfolgreich behandelt werden.

Ausbreitung in der Region

Im Gebiet Olten-Gösgen-Gäu gibt es die Fuchsräude schon seit Jahren, sie ist aber regional unterschiedlich stark verbreitet. So hatten die Jagdgesellschaften im Niederamt (Schönenwerd und Däniken) dieses Jahr keinen einzigen Fall mit Fuchsräude zu verzeichnen. Anders sieht es im angrenzenden Revier Engelberg aus, das sechs Fälle ausweisen kann und den Befall ihrer Population auf etwa zehn Prozent schätzt.

Im Revier Lostorf ist die Krankheit noch etwas mehr verbreitet. Es wurden 15 Füchse mit dieser Krankheit erlegt oder tot aufgefunden. Auch wurde ein Jagdhund befallen, der danach mühsam therapiert werden musste. Das Nachbarrevier Froburg meldet dagegen ein geringes Problem mit dem Milbenbefall. Interessant ist die Situation bei der Jagdgesellschaft Born.

Jagdleiter Urs Liniger erläutert: «Nach mehreren Jahren mit starkem Räudebefall (es waren fast alle Füchse krank), sieht es seit diesem Jahr wieder besser aus. Trotzdem sind geschätzt 30 Prozent des Bestandes betroffen. Auch hat die Krankheit die Population massiv reduziert. In den letzten drei Jahren wurden deshalb kaum Füchse gesehen.» Liniger ist sich sicher, dass sich die Räude in den Jurarevieren immer noch ausbreitet. Der Born war früh betroffen, daher ist die Krankheit jetzt am Abnehmen.

Weniger im Gäu

Beim angrenzenden Jagdrevier Gäu dagegen sind dieses Jahr sehr wenige Füchse mit Befall gesehen worden. Anders sieht es im Revier St. Stephan Wolfwil aus. Es ist das Gebiet mit der wohl momentan höchsten Verbreitung der Fuchsräude. Pächter Bruno Fürst erklärt: «Dieses Jahr mussten von uns weit über 20 Füchse mit Räude, zum Teil bereits im Endstadium, erlegt werden. Auffallend ist, dass die meist schwer kranken Füchse in den Ortschaften anzutreffen waren. Auch ist dies ein Indiz für die Nachlässigkeit der Bevölkerung, welche sorglos nicht ganz leergefressene Hunde- und Katzenteller draussen stehen lassen, an welchen sich dann die geschwächten Füchse das Futter holen. So besteht die Gefahr, dass sich die Milbe auf die Haustiere übertragen kann.»

Mit Respekt begegnen

Das Fazit ist, dass die Fuchsräude in unserer Region gebietsweise auftritt und sich in verschiedenen Stadien des Krankheitsverlaufes befndet. Es kann also nicht genau gesagt werden, wie sich die Krankheit in Bezug auf die Bestände der Füchse oder geografischer Ausbreitung entwickelt. Deshalb ist der Mensch gefordert, dieser Krankheit mit dem nötigen Respekt zu begegnen. «Hunde sollten im Wald stets angeleint bleiben», empfehlen die Jagdaufseher.

Ausserdem wird den Tierbesitzern geraten, den Tierarzt aufzusuchen, sobald sie bei ihrem Hund Juckreiz feststellen. Im Anfangsstadium kann die Krankheit meist gut behandelt werden. Möglichkeiten, die Räude einzudämmen, gibt es kaum. Entdecken Jagdaufseher ein verdächtiges Tier, wird es zum Schutz der anderen Tiere erlegt.