Restaurant Aarhof, Olten, 22.30 Uhr: «Das isch jetzt e schöne Obe gsi», sagt die Dame am Nebentisch. Und wo sie recht hat hat sie recht. Dafür verantwortlich: ein Dreigänger an Unterhaltung und ein ebensolcher an lukullischem Genuss, ein zeitlicher Fahrplan der stimmte und ein volles Haus. Verständlich: Wo sonst als beim «flotten Dreier», einer kulinarisch-humoresken Erfindung des hiesigen Knapp Verlags, lassen sich bei einem «Sissacher», einem «Eleganzia» oder einem «Toskaner» (allesamt Weine) die diesjährigen Preisträgerinnen des Schweizer Kabarett-Preises Cornichon (Knuth & Tucek) geniessen, nach Entrecôte, Kartoffelgratin und Gemüsestrudel diverse «Schweizereien» (Sprachschöpfungen Breuers) aus eidgenössischem Fundus lauschen oder Buchtipps aus «erstem Maul» (Urs Heinz Aerni) erfahren.

Und alles erst noch in sozialverträglichem Happen! Der «flotte Dreier» hat es in sich, und wenn im Oktober, wie das Tischset verrät, Stephanie Berger, Anette Herbst und Tanja Kummer unter derselben Prämisse die Restaurants Flügelrad, Aarhof und Rathskeller erobern, wird dies wohl nicht anders sein. Genau.

Kunst in der Hosentasche

Man mag sich wundern über den Umstand, dass die Sprachprotagonisten jeweils mit hübschem Rollkoffer erscheinen, so als würden sie flugs zum «Gate one» am Flughafen dislozieren und in zehn Minuten abheben wollen. Hat nicht Alberto Giacometti einst gesagt, wirkliche Kunst hätte in der Hosentasche Platz. Keine Sorge: Allesamt aus dem Trio des «Flotten Dreiers» hätten Giacomettis Anspruch durchaus genügt, aber Thomas C. Breuer verkauft im Abschluss an seine Vorstellung noch seine Bücher und Urs Heinz Aerni zitiert und rezitiert – genau – ebenfalls aus Büchern, wenn auch nicht aus den seinen. Und Bücher, dass wissen alle, haben nun mal in aller Regel nicht in einer Hosentasche Platz.

Revival Heinz Erhardt

Dass Aerni seinen 20-minütigen Block mit Heinz Erhardt, dem deutschen Komiker und Multitalent der 1950- und 1960-er Jahre, begann, war eigentlich erstaunlich. Aber es bewies immerhin, dass Talentsuche auch in der Vergangenheit erfolgreich sein kann. Zwei, drei zitierte Verse Erhardts und schon schmöckerte Aerni in andern Büchern, machte mittendrin mal ein Foto der Gäste, um seiner Frau zu Hause damit zu beweisen, dass er tatsächlich mit seiner rollenden Bibliothek des Nachts umherzieht. Allerlei Amüsantes, Leichtverdauliches präsentierte der Störbuchhändler, vom jüdischen Witz bis hin zu jenem Mann, der auf Stellenanzeigen mit Absagen reagiert oder Sprachschöpfungen, die der Wertfreiheit das Wort reden: dicke Beine oder eine Wampe haben seien heute – Problemzonen. Fraglich war eigentlich nur, warum sich der Mann, als «James Bond» in Sachen Bücher vorgestellt, sich in solch sprachlicher Eile befand. Bei Bond-Filmen gibts doch auch durchaus lange Einstellungen.

Schweizereien en masse

Thomas C. Breuer brachte dann Schweizereien auf den Tisch: Die Gegenüberstellung von «Kreis 5 und Jungfrauregion» sei hier als Beispiel aus dieser fulminanten Wortdusche erwähnt, die sich über «Konkordanz und Konkurrenz» oder «Mostrich und Estrich» weiterspinnen liess. Dann eine Geschichte, deren Sinn auf die Schnelle unerkannt blieb, aber immerhin wohl Hunderte geografischer Begriffe und Bezeichnungen aus der Schweiz beinhaltete: «Ja, nicht nur Frauenfeld immer etwas Neues ein…» so Breuer und lockte die Schnelldenkenden aus der Reserve, während diese doch grad am «Blaufränkisch Goldberg» nippten.

Hemmige «forever»

Absolut sec und in sich geschlossen dann der Auftritt von Knuth und Tucek, der in Mimik und Gestik nichts zu wünschen übrig liess und stimmlich absolut durchdringend daherkam. Die Thematik «Karma und Co.» machten den ersten Beitrag aus, in dem wilde Wortkaskaden über die Gäste herein brachen, kaum Zeit zu lachen blieb, weil schon die nächste Verwerfung durch die Räume schoss. Dass schliesslich auch noch Mani Matters «Hemmige» in einer sprachlichen Neuzeitversion – aber mit derselben Schlussfolgerung, dass sie Hemmige haben mögen – auf Tapet kam, war vielleicht für Personen aus Matters Generation etwas befremdlich. Heinz Erhardt liegt doch noch etwas weiter zurück.

Item: Ein gelungener Abend neigte sich gegen 22.30 Uhr dem Ende entgegen, relativ viele Gäste verliessen den Aarhof zügig; Magen und Kopf – befriedigt.