Bisher hat die FDP mit Benvenuto Savoldelli einen einzigen Stadtrat im fünfköpfigen Gremium. Der EHC-Olten-Präsident hat bereits vor den Sommerferien kundgetan, dass er zu einer zweiten Legislatur antreten wird. Die Parteileitung will aber mehr: «Wir möchten das Feld nicht kampflos der rot-grünen Mehrheit im Stadtrat überlassen», sagt Parteipräsidentin Monique Rudolf von Rohr zur bisherigen Konstellation im Stadtrat mit zwei SP-, einer Grünen- und zwei bürgerlichen Vertretern. Die Freisinnigen liebäugeln, mit einem zweiten Kandidaten neben dem unbestrittenen Savoldelli den Linken den vor vier Jahren verlorenen Sitz wieder abzuluchsen. Der definitive Entscheid dazu will die Parteileitung um die neue Präsidentin Rudolf von Rohr an der Vorstandssitzung vom kommenden Montag fällen.

Zweierticket mit Mann und Frau?

Ob die Partei tatsächlich mit einem Zweierticket zu den Stadtratswahlen im März 2017 antritt, hängt aber auch davon ab, ob es überhaupt einen geeigneten Kandidaten gibt. Derzeit werden noch mit verschiedenen Interessenten Gespräche geführt. Das Anforderungsprofil ist schon mal gemacht: Es soll eine in der Stadt bekannte Persönlichkeit sein, wenn möglich sogar Kantonsrat. «Weil alle bisherigen Stadträte wieder antreten, müssen wir jemand Bekanntes präsentieren, sonst ist unsere Kandidatur von vornherein chancenlos», sagt Vorstandsmitglied und Solothurner Handelskammer-Direktor Daniel Probst, der aber nicht selbst nochmals antreten will. Bei den Stadtratswahlen 2013 musste er Savoldelli erst im zweiten Wahlgang den Vortritt lassen.

Einer, der gut ins Anforderungsprofil passen würde, wäre Andreas Schibli. Der Bezirkslehrer sitzt seit 2001 im Kantonsrat, ist Fasnächtler und kommt aus einer traditionsreichen Politikerfamilie. Auf Anfrage sagt der 47-Jährige nur, dass er von diversen Leuten angefragt worden sei und sich eine Kandidatur als Stadtrat ernsthaft überlege.

Die Parteipräsidentin Rudolf von Rohr erweitert das Profil um die weibliche Komponente. In ihren Augen würde eine gut ausgebildete Frau im jüngeren Alter gut aufs Zweiterticket mit einem Mann passen. Damit ist klar, dass die FDP vor allem den Sitz der Grünen Iris Schelbert im Fokus hat, die sich als letzte der fünf Bisherigen für eine erneute Kandidatur entschied und deren Direktion Öffentliche Sicherheit in der neuen Legislatur auf die anderen Direktionen verteilt wird (wir berichteten).

Auf Anfrage zeigen die beiden Gemeinderätinnen Simone Sager (37) und Alexandra Kämpf (39) grundsätzlich Interesse an einer Kandidatur. Die beiden Mütter mit Kleinkindern machen ihren Entscheid aber davon abhängig, ob sie genügend Zeit für das 30-prozentige Stadtratsmandat freischaufeln können. Vor allem bei Kämpf sieht es derzeit schwierig aus: Sie ist bei einem internationalen Unternehmen beschäftigt und mindestens zwei bis drei Monate pro Jahr im Ausland unterwegs. «Ich müsste firmenintern abklären, ob ich auch in einer regionalen Position arbeiten könnte», sagt Kämpf.

Präsidentin zeigt auch Interesse

Ein Name, der in den Reihen der FDP immer wieder fällt, ist derjenige der früheren Parlaments- und Parteipräsidentin Sarah Früh. Die 35-Jährige nimmt sich aber selbst aus dem Rennen. Sie zieht sich vorläufig ganz aus der Politik zurück und wird nächstes Jahr auch nicht mehr als Gemeinderätin antreten. «Ich muss derzeit Prioritäten setzen», sagt Früh, die aus beruflichen Gründen momentan zu wenig Zeit hat für ein Parlaments-, geschweige denn für ein Stadtratsmandat.

Ebenfalls ins Spiel gebracht wird die Präsidentin selbst: Sie sei von verschiedenen Leuten in der Stadt angesprochen worden, doch als Stadträtin zu kandidieren, sagt Rudolf von Rohr. Ein Problem sieht sie in ihrem Alter. «Wäre ich zehn Jahre jünger, würde ich es sofort machen», sagt die 60-Jährige, die sich das Amt für «höchstens eine Legislatur vorstellen könnte».