Der Oltner Stadtrat hat diese Woche eine neue Eignerstrategie für die Städtischen Betriebe Olten (sbo) erlassen. Aus der entsprechenden Medienmitteilung war zu entnehmen, dass «eine Öffnung der Eigentümerschaf geprüft werden kann, wenn diese unter strategischen und strukturellen Gesichtspunkten sinnvoll erscheint.» Das bedeutet: Ein Verkauf, wie er vor etwa drei Jahren zur Diskussion stand, soll weiterhin möglich sein.

Eigenständiges Unternehmen

Heute sind die sbo ein selbständiges, öffentlich-rechtliches Unternehmen der Einwohnergemeinde der Stadt Olten. Entstanden sind sie 1944 mit dem Kauf der Gaswerk Olten AG durch die Stadt (und der anschliessender Verschmelzung mit der Elektrizitäts- und Wasserversorgung).

Im Jahr 2000 entliessen die Oltner Stimmbürger die sbo per Volksabstimmung in die rechtliche Selbständigkeit. Betrieben und geführt werden die sbo operativ über die a.en mit insgesamt rund 120 Vollstellen. Die sbo sind jedoch weiterhin Eigentümerin ihrer Anlagen und Netze.

In den drei Sparten Strom, Gas und Wasser erwirtschafteten die sbo 2017 einen Umsatz von rund 64 Millionen Franken und einen Gewinn von gegen 3 Millionen Franken.

Mitsprache gesichert

Zu einer grösseren Veränderung in der Energieversorgung in der Region Olten kam es im Juni 2016: Mit dem Verkauf des Alpiq-Aktienpaketes von 96,7 Prozent an der Alpiq Versorgungs AG (Avag) wurde die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) zur neuen starken Partnerin für die Energieversorgung von 18 Gemeinden mit rund 30'000 Kunden im Raum Olten.

Mit dabei beim Verkauf der Avag-Aktien waren neben der EBM, die 67 Prozent des Paketes übernahm, auch der Investitionsfonds UBS Clean Energy Infrastructure Switzerland (UBS-Ceis) mit 28 Prozent und die sbo mit 5 Prozent. Bei diesem Deal hat sich die Stadt Olten eine Mitsprache im regionalen Energiegeschäft gesichert.

Hätte die Stadt ein Jahr zuvor ihre «Tochterfirma verkauft, wie es damals der Präsident der FDP-Fraktion im Oltner Gemeinderat, Urs Knapp, im Zusammenhang mit der seinerzeitigen Sanierung der Stadtkasse anregte, könnte Olten heute nicht mehr mitreden.

Oensingen versus Kölliken

Dass der Verkauf eines Energieversorgungsunternehmens gut überlegt sein will, zeigt der Fall Oensingen. Die Gäuer Gemeinde verkaufte vor rund 16 Jahren die ortseigenen Elektra an die AEK. Mit dem Erlös von 32,5 Millionen Franken konnte Oensingen den Steuersatz auf einen Schlag von 115 auf 99 Punkte senkten.

Inzwischen ist der Geldsegen aufgebraucht und der Steuersatz schon wieder bei 111 Prozent – mit starker Tendenz nach oben. Das beweist: Es zeugt nicht von Weitsichtigkeit und verantwortungsbewusstem Handeln, wenn wertvolles Familiensilber verkauft wird, um finanziellen Spielraum zu gewinnen. Und schon gar nicht, wenn damit einfach die Steuern gesenkt werden sollen. Denn davon haben spätere Generationen nichts. Sie müssen damit rechnen, dass das Pendel zurückschlägt. Die neue Gemeindeführung in Oensingen kann davon ein Liedchen singen.

Auch in Kölliken (AG) wollte der Gemeinderat die Elektragesellschaft (EWK Energie AG) verkaufen, was 12 Millionen Franken in die Gemeindekasse gespült hätte. Doch die Stimmbürger machten dem Gemeinderat, der aktiv für das «äusserst attraktive» Angebot geworben hatte, einen Strich durch die Rechnung: Sie lehnten am 4. März 2018 an der Urne den Verkauf der EWK an die Eniwa (ex IBAarau) klar ab.

Zufriedenheit bringt Sicherheit

In Kölliken hat vor allem die Zufriedenheit der Kunden dazu geführt, dass sich diese als Stimmbürger gegen den Verkauf der EWK zur Wehr gesetzt haben. Das bedeutet: Zufriedenheit schafft hinsichtlich Beständigkeit Sicherheit. Das gilt auch für die sbo-Verantwortlichen, wenn sie sich gegen weitere Angriffe à la Knapp & Co. wappnen wollen.

Derzeit besteht allerdings trotz neuer Eignerstrategie diesbezüglich kein direkter Handlungsbedarf. Hingegen braucht es eine kluge Unternehmensstrategie, die durchaus neue Kooperationen beinhalten darf.

beat.nuetzi@schweizamwochenende.ch