Grossmutter, Grossvater: Schon das Wort löst bei vielen ganz besondere Stimmungen aus. Grosseltern zu haben, kann für die Enkel ein Glück und für deren Eltern eine Entlastung sein.

Umgekehrt sind Enkel für viele Grosseltern die grösste Freude. Doch die Grosselternrolle kann beide Seiten vor grosse Probleme stellen: Das zeigten Fallbeispiele aus der Beratungspraxis, von denen Teammitglieder der Beratungsstellen an der Generalversammlung des Vereins für Ehe- und Lebensberatung Kanton Solothurn (VEL) in Olten berichteten, natürlich in vollständig anonymisierter Form.

Als Grosseltern in der Pflicht

Wenn 15- oder 16-Jährige schwanger werden, sehen deren Eltern ihrer Grosselternschaft eher mit Sorge entgegen. Ihr Lebensplan wird über den Haufen geworfen. «Wir sind um die 40 und werden schon Grosseltern»: In dem Satz eines Vaters lagen wohl auch Ohnmacht und Verständnislosigkeit.

Tatsächlich kommen auf die Eltern minderjähriger Mütter und Väter auch in finanzieller Hinsicht neue Pflichten zu, wie die Paar- und Familientherapeutin Therese Hulmann anschaulich machte. Faktisch tragen nach der Geburt die Grosseltern den Grossteil der Kosten – «und nach dem Recht ist das auch so», wie die Beraterin nüchtern festhielt.

Minderjährige haben in der Regel keinen Anspruch auf Kinderzulagen und auch nicht auf Sozialhilfe. Für die Kosten «haften» also die Grosseltern. Und zwar vor allem die Eltern der minderjährigen Mutter: «In der Praxis lassen sich die Verpflichtungen der Eltern des Kindsvaters nicht durchsetzen», antwortete Therese Hulmann auf eine Frage, was an der Versammlung Empörung auslöste.

Doch die Folgen sind nicht nur finanzieller Art: «Die Blicke anderer Leute, wenn die Mutter mit ihrer hochschwangeren Tochter einkaufen ging, waren sehr schwer auszuhalten.»

Grenzen des Eingreifens

Konflikte für oder mit Grosseltern können auch aus anderen Situationen entstehen. Preisgünstig im Haus der Grosseltern wohnen zu können, kann junge Eltern entlasten. Doch sind auch Abgrenzung und klare Regeln nötig: Kindererziehung ist die Sache der Eltern, Grosseltern sollten sich nicht einmischen.

Und was ist ihre Aufgabe, wenn sie etwa im Kontakt mit dem Enkelkind feststellen, dass der eigene Sohn oder die Schwiegertochter ein Drogenproblem hat? – «Als Aussenstehender kann man sich kaum vorstellen, welch desaströse Lebensverhältnisse es gibt», kommentierte Urs Umbricht, Vizepräsident der römisch-katholischen Synode, die Beispiele aus der Beratungspraxis. «Wohin sollten sich die Betroffenen wenden, wenn es den VEL nicht gäbe?»

An den vier Beratungsstellen des Vereins für Ehe- und Lebensberatung in Solothurn, Olten, Grenchen und Breitenbach sind vier Beraterinnen und ein Berater mit einem Arbeitspensum von gesamt 300 Prozent im Einsatz. Das Beraterteam ist personell sehr stabil, was Vereinspräsident Ruedi Köhli (Grenchen) als positiv würdigte.

Dieses Jahr feiern zwei Mitarbeiterinnen ein Jubiläum: Geschäftsstellenleiterin Hilde Spieler Gonseth (in Olten) ist seit 25 Jahren im Team, Beraterin Brigitta Hügin Furrer (in Solothurn) seit 20 Jahren.

Im Bereich Ehe- und Lebensfragen verzeichneten die Beratungsstellen des VEL im vergangenen Jahr 503 Fälle, mit 965 beratenen Personen. Im Bereich Schwangerschaft und Familienplanung nennt die Statistik für 2016 169 Fälle. Der VEL ist ausserdem Beratungsstelle für das Staatspersonal sowie das Personal der Solothurner Spitäler und der Stadt Olten.

Finanziell getragen wird der Verein von den Gemeinden und von den kantonalen Synoden der drei Landeskirchen. Zudem erzielt er Erträge aus den Beratungen. Die Jahresrechnung 2016 schloss mit einem Überschuss von 26'000 Franken. Mit einem Eigenkapital von nunmehr rund 340'000 Franken scheint die Fortführung der Beratungstätigkeit des Vereins auch für schwierigere Jahre gesichert.