Olten

Die drei kleinsten Gemeinden im Untergäu verlieren ihre Grössten

In Rickenbach, Gunzgen und Boningen treten die Gemeindepräsidenten im kommenden Jahr nicht mehr zur Wahl an.

In den drei kleinsten Gemeinden im Untergäu werden für die kommende Legislatur 2021 bis 2024 die Gemeindepräsidien neu zu besetzen sein. Hansruedi Krähenbühl (FDP, Gunzgen), Manfred Zimmerli (FDP, Boningen) und Dieter Leu (CVP, Rickenbach) stellen sich nicht mehr als Gemeindepräsidenten zur Verfügung. Nach 14-jähriger Amtszeit sagt Hansruedi Krähenbühl: «Ich habe schon zu Beginn der laufenden Legislatur erklärt, mit 60 nicht mehr Gemeindepräsident zu sein.»

Im November kommenden Jahres wird der Gunzger 60. Nach 8-jähriger Amtszeit hat auch Manfred Zimmerli genug. 2017 war er der Einzige im fünfköpfigen Boninger Gemeinderat, der eine weitere Amtsperiode anhängte. Auch Dieter Leu stellt sein Amt nach 16-jähriger Wirkungszeit in Rickenbach zur Verfügung. «Es ist Zeit, Jüngeren Platz zu machen.» Es scheine ihm wichtig, dass die jüngeren Generationen vermehrt und auch früher Führungsverantwortung übernehmen.

Ein Quartett tritt wieder an

Eine weitere Legislatur in Angriff nehmen möchten dagegen Daria Hof (Wangen bei Olten), Andreas Heller (Hägendorf), Rainer Schmidlin (Kappel) und Thomas Blum (Fulenbach). Aus dem Quartett sticht Schmidlin hervor, der im kommenden Jahr bereits auf seine dritte vollendete Amtsperiode zurückblicken kann. «Wenn’s meine Gesundheit erlaubt, bin ich für eine weitere Legislatur bereit», sagt Schmidlin. Wie seine männlichen Mitbewerbenden hält Kappels Gemeindeoberhaupt übrigens nicht viel von einer Amtszeitbeschränkung. «Die Entscheide fällt der Gemeinderat. Die Aufgabe der Gemeindeführung ist eine Managementaufgabe.»

So betrachtet könne er der Beschränkung keine Vorteile abgewinnen. Ins selbe Horn stösst Thomas Blum, der wie Daria Hof und Andreas Heller 2017 sein Amt angetreten hat. «Optimalerweise sollte das Amt mindestens über zwei Legislaturperioden ausgeübt werden. Von einer Amtszeitbegrenzung halte ich nichts.» Und Andreas Heller doppelt nach: «Ich denke, die optimale Dauer liegt bei 8 bis 12 Jahren. Das garantiert einerseits eine gewisse Kontinuität, andererseits bringt ein Wechsel aber auch frischen Wind.»

Daria Hof dagegen sieht die optimale Amtsdauer bei 12 Jahren: Vier Lern-, vier Entwicklungs- und vier Erntejahre. Dann soll Schluss sein. «Ich würde eine Beschränkung auf maximal 12 Jahre begrüssen», meint sie im Hinblick auf den viel zitierten frischen Wind, der nachher einziehen könne. Interessantes Detail: Von den vier Bisherigen würden sich deren zwei auch einer Kampfkandidatur stellen (Heller und Hof), während Blum eine solche mit dem Argument, solcherlei «gehöre auf das parteipolitische Parkett», grundsätzlich ablehnt, und Schmidlin erklärt: «Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.»

Im Allgemeinen ein Rückblick in Minne

Und die Zurücktretenden: Worauf blicken sie mit besonderer Zufriedenheit zurück? Ein Glanzlicht für Hansruedi Krähenbühl etwa ist die Industrieerschliessung, die zwar nicht nach den Gusto des Kantons verlief, wie er meint, die aber vor 11 Jahren mit einem tollen Fest eingeweiht wurde. Für Dieter Leu gehört der Umstand, dass die Schule im Dorf behalten werden konnte, zu den Glanzlichtern, derweil Zimmerli die sich im Gemeinderat etablierte gesunde Diskussionskultur und das vorbildlich gelebte und umgesetzte Ressortsystem hervorhebt.

Und welchen Aufgaben wollen sich die Wiederkandidierenden stellen? In Kappel sieht Schmidlin den Abschluss der Ortsplanrevision und deren anschliessende Umsetzung als eine der Hauptaufgaben. «Was wir bisher gut gemacht haben, darüber muss der Souverän entscheiden. Dass unsere Planung bis anhin aufgegangen ist und wir uns im Fahrplan befinden, deutet zumindest darauf hin, dass wir unsere Aufgaben recht gut im Griff haben», sagt er. Heller hebt raumplanerische Aufgaben, die Sanierung der Strasse Richtung Allerheiligen oder Fragen zur Schulraumentwicklung als Arbeitsschwerpunkte hervor. «Ich bin mit dem Vorsatz angetreten, transparent zu arbeiten. Das haben wir in meinen Augen bisher sehr gut gemacht.» Auch in Wangen wird die Ortsplanungsrevision breiten Raum einnehmen, wie Daria Hof erklärt. «Das wird uns die nächsten drei bis fünf Jahre beschäftigen.»

Hinzu kämen etwa die Entwicklung der Danzmatt sowie überregionale Themen. «Wir haben innert zweier Jahre drei unserer vier Legislaturziele erreicht: die Errichtung des Jugendraumes, die Einweihung des neuen Schulhauses und den Aufbau familienergänzender Tagesstrukturen.» Trotz einiger schwieriger Zeiten habe der Rat den Weg gefunden, die Geschäfte voranzutreiben und das Dorf zu entwickeln. Und was bleibt im kleinsten der vier «grossen» Dörfer im Untergäu zu erwähnen? «Wir haben in Fulenbach interessante Projekte zu bewältigen», sagt Blum. Unter anderem den Umbau und die Betriebsaufnahme des dorfeigenen Restaurants Linde, den Gestaltungsplan Stöckler, die Definition des Nutzungsplans Kiesabbau oder die Prüfung von Tempo 30 in der Breitenstrasse. Und was wurde unter der Ägide Blum gut macht? «Das politische Interesse wurde mit den zum Teil emotionalen Projekten wie Kiesabbau oder Kauf der ‹Linde› geweckt beziehungsweise gestärkt», so Blum. Auch habe sich der Gemeinderat in der laufenden Legislaturperiode zum starken Team entwickelt. «Jeder steht für den andern ein und engagiert sich vorbehaltlos für die Gemeinde.»

Autor

urs huber

urs huber

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