Olten

Die Chilbi-Fieberkurve steigt bedrohlich – 150'000 Besucher werden erwartet

Am Freitag geht die Oltner Chilbi los; die 125 Stellplätze sind ausnahmslos belegt. Stimmt das Wetter, werden 150'000 Gäste erwartet.

«Wir haben viel mehr Interessenten als Plätze.» Christoph Koch, Bereichsleiter Gewerbe lächelt. Sein Stellvertreter Nhuc Khoan Chang ebenfalls. Zusammen organisieren die beiden die Chilbi in Olten, haben im Vorfeld erstmals die 125 Standplätze öffentlich ausgeschrieben – und prompt 400 Bewerbungen erhalten. «Der Platz in Olten ist begehrt», sagt Nhuc Khoan Chang.

Bram von der Geisterbahn-Familie

«Stimmt», sagt Bram van de Molengraft aus dem Hintergrund. Der 30-jährige Niederländer ist mit seiner Geisterbahn zum dritten Mal in der Dreitannenstadt zu Gast. Wäre es anders, der verheiratete Familienvater wäre nicht hier. Dass ihm seine Eltern denselben Vornamen gegeben haben, den auch Dracula-Autor «Bram» Stoker trägt, erwähnt er als amüsantes Detail. Denn van de Molengraft kommt –, wenn man so will – aus einer Geisterbahnfamilie. «Schon mein Vater betrieb eine solche», sagt er.

Das Faszinierende daran? «Es ist zwar schwieriger geworden, die Leute bei der Stange zu halten, denn sie sind sich vor allem aus der Filmszene viele Spezialeffekte gewohnt», schickt der Niederländer aus der Gegend von Maastricht voraus. Aber eine Geisterbahn sei ein Mysterium, alles liege verborgen. «Du kannst von aussen nichts erkennen», sagt er spitzbübisch. «Und du kannst die Bahn mit der Familie geniessen, mit der Freundin, mit Kollegen.» So pragmatisch fasst er den Reiz des leisen Grusels zusammen. Immer aber ist der Chef Geisterbahn auch für Neuerungen besorgt. Heuer etwa spielt Michael Jackson eine Rolle, wie die Front der Bahn verrät. Mehr erzählt van de Molengraft aber nicht. Ein Schausteller mit Geisterbahn lebt von Geheimnissen. Kein Geheimnis dagegen ist das optimale Chilbi-Wetter: «Trocken und nicht zu warm», so van de Molengraft.

Zurück zu den beiden Chilbivätern, die immer wieder mal von vorbei gehenden Schaustellern angegangen werden. Mal steht die Frage nach dem Elektrokasten im Vordergrund, dann jene nach dem Wasseranschluss, dann wieder eine Reminiszenz aus dem vergangenen Jahr. Es gibt doch immer was zu erzählen und fachsimpeln. 18'000 Schritte hat Koch den ganzen Mittwoch über für die Chilbi gemacht. Sein elektronisches Display am Handgelenk jedenfalls zeigt die flotte fünfstellige Summe. «So geht das jetzt, bis der Startschuss fällt», sagt er. Dann führt Koch noch rasch ein Telefonat; im Stehen natürlich.

Mit Weltneuheiten warte die Chilbi 2019 nicht auf, flachst er später. Dafür habe man die Anbindung an die Besucherströme optimiert. Aber immerhin: erstmals präsentiert die Schaustellerfamilie Büttiker-Mathys in Olten die Phönix, ein sich drehendes und schaukelndes Monstrum. Dienstgipfelhöhe: knapp 25 Meter. Brandneu sei das Gerät, sagt Ronny Büttiker und freut sich wie ein Schneemann auf den Chilbiauftakt. Wenn wieder 150'000 Besucher kommen wie im letzten Jahr – dann sicher nicht grundlos.

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