Die von 1969 bis 1973 erstellte Anlage befindet sich in einem bedenklichen, um nicht zu sagen verwahrlosten Zustand. Ausserdem braucht sie aus heutiger Sicht viel zu viel Energie.

Der Handlungsbedarf ist seit vielen Jahren erkannt. 2006 setzte die Regierung eine Planungskommission ein. Jetzt münden diese jahrelangen Vorarbeiten in eine Vorlage zur Gesamtsanierung: Gestern Dienstag hat der Regierungsrat einen Kreditantrag von 85,8 Mio. Franken an den Kantonsrat verabschiedet.

Stimmt der Kantonsrat zu, soll die Sanierung im Jahr 2013 beginnen. Sie würde allerdings in vier Etappen aufgeteilt, die sich über acht Jahre erstrecken sollen, und das nicht etwa nur in den Schulferien, sondern bei laufendem Schulbetrieb. «Während der Bauzeit wird ein grosser Teil der Unterrichtsräume nicht zur Verfügung stehen», ist der Vorlage zu entnehmen. Darum wird auf dem Schulareal ein pavillonartiges Raumprovisorium mit rund 60 Schulzimmern auf zwei Geschossen errichtet.

«Eine Auslagerung des gesamten Schulbetriebs ist aus Platz- und Kostengründen nicht realisierbar», heisst es in der Vorlage. Immerhin sollen die Prüfungsmonate Mai und Juni von lärmintensiven Arbeiten verschont bleiben. Diese sollen möglichst in den Abendstunden oder in den Ferien stattfinden.

Zuerst Hallenbad und Turnhallen

In der ersten Etappe werden das Hallenbad und die Turnhallen saniert. Beim Hallenbad ist vorgesehen, dass sich der Mietkostenbeitrag der Stadt Olten - für die öffentliche Nutzung ausserhalb des Schulbetriebs - nach der Sanierung von heute 104 000 auf 204 000 Franken erhöht, voraussichtlich ab 2015.

In den Etappen 2 und 3 werden der kleine und der grosse Trakt der Schulanlage erneuert. Die Unterrichtsräume werden mit EDV- und Beameranschluss, Projektionsfläche und Wandtafel ausgestattet. Bodenbeläge, Wände und Decken werden mit neuen Materialien versehen. Farbige textile Sonnenstoren aussen an den Fassaden werden die Ansicht der Schulanlage stark verändern.

«Durch die konsequente Sanierung der Gebäudehülle nach Minergiestandard lässt sich der Energieverbrauch für die Gebäudeheizung um rund 67 Prozent reduzieren», verspricht die Vorlage. Das entspreche einer Einsparung von 2300 Megawattstunden und 732 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.

Statt mit Heizöl wird die Kanti künftig mit Erdwärme geheizt. Für Bedarfsspitzen kommt ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk dazu. Ferner sind Sonnenkollektoren und eine Fotovoltaikanlage vorgesehen. Bessere Isolation von Fenstern, Dächern und Räumen sowie LED-Leuchten tragen ebenfalls zum Energiesparen bei. Die jährlichen Energiekosten sollen sich um rund 200 000 Franken reduzieren.

Warum kein Neubau?

Die Regierung stellt in Aussicht, dass die Kanti Olten mit der Gesamtsanierung «baulich einen neuwertigen Zustand» erreiche, der den Schulbetrieb mindestens für weitere 40 Jahre gewährleiste. 86 Mio. Franken für eine Sanierung sind allerdings viel Geld - nämlich gleich viel wie für den Neubau der Fachhochschule beim Bahnhof Olten. Laut dem Regierungsrat spricht aber der Kosten- und Wirtschaftlichkeitsvergleich gegen einen Neubau der Kantonsschule.

Für einen Neubau rechnet die Regierung mit Kosten von 130 Mio. Franken. Auf eine Lebensdauer von 50 Jahren hinaus würden die Kosten bei der Sanierung 459 Franken pro Quadratmeter betragen, bei einem Neubau 593 Franken pro Quadratmeter. Ein alternativer Standort für die Schule sei nicht vorhanden. Und ein Neubau auf dem gleichen Grundstück wäre mit Blick auf den Schulbetrieb «praktisch nicht realisierbar».

Der Regierungsrat erachtet die bauliche Sanierung der Kantonsschule als gebundene Ausgabe. Damit ist der Kantonsrat abschliessend für die Kreditbewilligung zuständig. Ein Referendum ist ausgeschlossen.